Raoul Peck mit «Orwell: 2+2=5» in der Schweiz
Der Filmemacher und ehemalige Kulturminister Haitis, Raoul Peck, hat am Wochenende in Zürich und in Bern seinen neusten Dokumentarfilm «Orwell: 2+2=5» vorgestellt.

Auch wer bei der Schullektüre nicht aufgepasst hat oder mit George Orwell wenig anfangen kann: Der Satz «Big Brother is watching you» dürfte den meisten bekannt sein. Er stammt aus Orwells Roman «1984» der in einen totalitär regierten Überwachungsstaat führt. Der Protagonist arbeitet im «Wahrheitsministerium», wo er Zeitungsartikel so umschreibt, dass sie mit der aktuellen Parteilinie übereinstimmen. Obwohl er die systematische Verdrehung der Wahrheit durchschaut, muss er sich vorsehen: Wer aus der Reihe tanzt, riskiert, von der Gedankenpolizei verfolgt und aus der Gesellschaft ausgelöscht zu werden.
Der Dokumentarfilm «Orwell: 2+2=5» taucht einerseits in die Ideenwelt von George Orwell ein und beleuchtet, welche Lebensstationen dazu führten, dass der Schriftsteller begann, Autorität zu hinterfragen. Und er zeichnet die Entstehung seines berühmtesten Romans «1984» nach, den Orwell bereits 1948, kurz vor seinem Tod, verfasste. Szenen und Clips aus der Gegenwart verbildlichen gleichzeitig, wie und wo Orwells Dystopie heute reale Züge annimmt – sei es, wenn Putin den Angriffskrieg in der Ukraine begründet oder wenn in den USA das Kapitol gestürmt und Bücher verboten werden.
Der haitianisch-französische Filmemacher Raoul Peck wurde mit dem Dokfilm «Lumumba: La mort du prophète» (1991) über den kongolesischen Freiheitskämpfer Patrice Lumumba bekannt, über den er rund neun Jahre später auch einen Spielfilm drehte. Berühmt ist auch sein preisgekrönter Dokumentarfilm «I Am Not Your Negro». Für den Filmessay, der auf den Schriften von James Baldwin basiert und von der Bürgerrechtsbewegung und dem Leben von People of Color in den USA handelt, gab es 2017 eine Oscar-Nominierung in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm». Pecks vielschichtiges Werk setzt sich immer wieder mit Kolonialismus, Macht und Menschenrechten auseinander und stellt historische Analysen an.
Mit seinem neusten Werk hat er nun das Let's Doc! eingeläutet. Von Sonntag bis 30. November laufen über 400 Dokumentarfilmvorstellungen in 180 Lokalen in der ganzen Schweiz – in Kinos, Bibliotheken, Quartierzentren, Cafés und Museen. Wer den Dokumentarfilmmonat verpasst, kann «Orwell: 2+2=5» ab dem 12. November regulär sehen, wenn er in den Deutschschweizer Kinos startet.
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