Publikum feiert «Carmen»-Sopranistin Grigorian in Salzburg

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Bern,

Die Neuinszenierung der Oper «Carmen» bei den Salzburger Festspielen hat umjubelte Premiere gefeiert. In der Oper rund um Liebe, Hass und Eifersucht wollte die argentinisch-italienische Regisseurin Gabriela Carrizo die Charaktere möglichst facettenreich abbilden.

Jonathan Tetelman (Don José) und Asmik Grigorian (Carmen) während der Fotoprobe der Oper «Carmen» von Georges Bizet. (Archivbild)
Jonathan Tetelman (Don José) und Asmik Grigorian (Carmen) während der Fotoprobe der Oper «Carmen» von Georges Bizet. (Archivbild) - Keystone/APA/APA/BARBARA GINDL

Das Ensemble um die litauische Sopranistin Asmik Grigorian (Carmen), Jonathan Tetelman (Don José), Kristina Mkhitaryan (Micaele) und Davide Luciano (Escamillo) erntete minutenlangen Applaus und Bravo-Rufe. Die galten nicht zuletzt auch dem griechischen Dirigenten Teodor Currentzis für die herausragende Leistung seines Utopia Orchestras.

Für die Inszenierung setzt Carrizo, Mitbegründerin der belgischen Tanztheater-Kompanie «Peeping Tom», auf Zusatz-Effekte: Tänzer stellen die emotionalen Zustände der Protagonisten mit ihren oft akrobatischen Verrenkungen in Szene. Das zunächst schlicht wirkende Bühnenbild (Christof Hetzer) aus betonartigen Rampen und einer Ebene wird dank wechselndem Licht (Tom Visser) zu einer höchst stimmungsvollen Kulisse.

In der Inszenierung soll Don José kein blosser Macho mehr sein, sondern ein von gesellschaftlichem Druck und Gewalt geprägter Mensch – mit zärtlichen Momenten. Tetelman, in Chile geboren und heute einer der gefragtesten Tenöre der Welt, singt sich als Don José mit seiner höchst einfühlsamen «Blumenarie», in der er Carmen seine Liebe gesteht, in die Herzen des Publikums – Szenenapplaus, wie noch mehrfach im Laufe des Abends für ihn, Grigorian, Luciano und Mkhitaryan. Die Entwicklung vom Liebenden zum rasend Eifersüchtigen ohne Emotionskontrolle gelingt Tetelman eindringlich.

Grigorian wiederum ist eine überzeugende Carmen. Sie ist weit mehr als eine Männer verschlingende Femme fatale, sondern eine sehr selbstbewusste, selbst bestimmte Frau. Kurz vor ihrem gewaltsamen Tod schleudert sie ihrem Mörder Don José noch entgegen, dass sie frei geboren sei, und frei sterben werde. Automatisch steht heute bei dieser 1875 mit gemischten Kritiken uraufgeführten Oper das Thema Femizid im Raum. «In meiner Heimat Argentinien zum Beispiel kommt es alle 35 Stunden zu einem Femizid», sagt Carrizo.

Bizet (1838-1875) hat ein Meisterwerk über das Wechselspiel der Liebe geschrieben. Die Geschichte der unangepassten Frau, die durch ihre Ausstrahlung Männer in den Bann schlägt, galt zu ihrer Zeit als modern. Der Welterfolg der Oper, die seit vielen Jahrzehnten zu den meistgespielten Stücken zählt, zeichnete sich zu Bizets Lebzeiten aber nicht ab.

Bei der Premiere in Salzburg kam es unmittelbar nach Ende der Vorstellung noch zu einer besonderen Geste. Grigorian und Tetelman lagen sich nach drei intensiven Stunden vor Erleichterung über die gelungene Aufführung lange in den Armen.

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