Pakistan: Ausweisung afghanischer Medizinstudenten gestoppt
Ein Gericht in Pakistan stoppt einen Ausweisungsbeschluss für afghanische Medizinstudenten, nachdem dieser heftig kritisiert wurde.

Der Oberste Gerichtshof von Lahore habe den Beschluss der pakistanischen Medizinaufsichtsbehörde ausgesetzt, sagte der Anwalt betroffener Studenten, Asad Jamal, dem pakistanischen Fernsehsender Geo News.
Mehrere lokale Medienberichte bestätigten die Angaben. Die in der Vorwoche angekündigte Ausweisung galt als neue Eskalation anhaltender Rückführungen von Afghanen aus Pakistan. Die Massnahme führte zu massiver Kritik sowohl von afghanischen Politikern wie aus der pakistanischen Zivilgesellschaft. Pakistanische Studenten protestierten in mehreren Städten gegen den Beschluss.
Muhamed Amin Muradi aus der afghanischen Stadt Masar-i-Scharif studiert seit fünf Jahren in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad Medizin. Der Deutschen Presse-Agentur sagte der 24-Jährige, er stehe kurz vor dem Abschluss. «Arzt zu werden, war mein Traum. Eine Ausweisung hätte mir mein grösstes Ziel im Leben verwehrt». Für Frauen sei eine Ausweisung besonders problematisch, da sie unter den islamistischen Taliban in Afghanistan nicht weiter studieren könnten. Der Gerichtsentscheid sei ein «Hoffnungsschimmer».
Pakistan forciert seit drei Jahren die Rückführung von Afghanen ins Nachbarland. In Jahrzehnten der Kriege in Afghanistan waren Millionen Menschen in die Nachbarländer Iran und Pakistan geflohen. Afghanische Flüchtlinge leben in Pakistan teilweise in der dritten Generation. Allein in diesem Jahr sind nach Angaben des UN-Flüchtlingswerks (UNHCR) fast 700.000 Menschen aus Pakistan nach Afghanistan zurückgekehrt – abgeschoben oder unter dem Druck von Verfolgung.
Afghanistan durchläuft derzeit eine schwere humanitäre Krise. Mindestens 3,7 Millionen Kleinkinder gelten als akut mangelernährt. Mehr als 90 Prozent der Rückkehrer leben nach Angaben des UNHCR von weniger als 5 US-Dollar am Tag.










