Immer mehr Filialen weg: So stehts um Caffè Spettacolo

Innert weniger Monate schlossen zwei Filialen von Caffè Spettacolo. Inhaberin Valora will am Konzept festhalten. Trotz einer neuen SBB-Strategie.

Cafè
Wo früher das Caffè Spetacolo stand, ist jetzt eine Baustelle. In Burgdorf BE zieht mit der Bäckerei Flury ein regionaler Anbieter ein. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • In Burgdorf BE schloss Caffè Spettacolo Mitte August seine Türen.
  • Bereits im Bahnhof Bern ging kürzlich eine Filiale zu.
  • Die SBB will an ihren Bahnhöfen mehr Regionalität und weniger Einheitsbrei.
  • Branchenkenner sagen bei Nau.ch, wie es um die Zukunft von Caffè Spettacolo steht.

Nach 26 Jahren schloss das bekannte Caffè Spettacolo beim Treffpunkt im Bahnhof Bern. An seine Stelle zog diesen Frühling der Berner Kaffeeladen Adrianos ein.

Die SBB erklärte den Wechsel damals damit, dass sie künftig auf regionale Konzepte setze und keinen Einheitsbrei wolle. Die Bahnhöfe sollen sich unterscheiden.

Nun hat sich der Fall wiederholt. Im Bahnhof Burgdorf BE ging im August die Spettacolo-Filiale zu. Auch hier nimmt ein regionaler Anbieter den Platz ein: Die Emmentaler Bäckerei Flury.

Gehst du gerne zum Caffè Spettacolo?

Stehen nun auch die weiteren 24 Spettacolo-Standorte vor dem Aus? Valora, die Inhaberin von Caffè Spettacolo, stellt dies auf Anfrage von Nau.ch in Abrede.

Die Firma überprüfe ihr Standortportfolio regelmässig. Im Fall von Burgdorf habe sich Valora entschieden, den Mietvertrag nicht zu verlängern. Die Schliessung stehe nicht im Zusammenhang mit dem ehemaligen Standort Bern.

SBB will Mix aus regionalen Anbietern und nationalen Betrieben

Auch die SBB warnt auf Anfrage von Nau.ch vor übereifrigen Schlussfolgerungen. «Die regionale Verankerung war in Burgdorf nicht der Auslöser für die Schliessung des Caffè Spettacolo. Sie ist ein Bestandteil der Angebotsentwicklung an den Bahnhöfen.»

Das Bahnhofsangebot werde je nach Standort und den jeweiligen Bedürfnissen der Kunden beurteilt. «Aus der Entwicklung in Burgdorf lässt sich daher keine generelle Aussage ableiten.»

Dennoch: Dass mit der Bäckerei Flury ein regionaler Anbieter kommt, kommt der SBB zumindest nicht ungelegen.

Ziel an den Bahnhöfen sei «ein attraktiver und standortgerechter Mix aus regional verankerten Angeboten sowie etablierten nationalen und internationalen Betrieben».

Caffè Spettacolo hat Zukunft, wenn …

Nau.ch hat den unabhängigen Gastro-Experten Daniel Marbot um eine Einschätzung gebeten. Auch er gibt Spettacolo-Fans Entwarnung.

«Eine etablierte Marke mit einem bestehenden Standortnetz wegen einzelner verlorener Standorte abzuschreiben, wäre unseriös», so sein Fazit.

Marbot
Der unabhängige Gastro-Experte Daniel Marbot sagt: «Der Gast kauft hier neben Kaffee immer auch Zeit.» - zvg

Caffè Spettacolo könne «selbstverständlich» eine Zukunft haben. Allerdings: «Der Kaffeemarkt entwickelt sich stark weiter.»

Marbot beobachtet eine Polarisierung zwischen auf Geschwindigkeit ausgerichteten To-go-Konzepten und Formaten, die sich über ihre Qualität und Identität profilieren.

Für Konzepte wie Caffè Spettacolo, die zwischen den Polen liegen, werde es daher anspruchsvoller.

«Muss nicht überall gleich aussehen»

Die Lösung bestehe darin, die Systemvorteile mit mehr Individualität zu verbinden. Das Konzept, das Standort, Kundenbedürfnis und Wirtschaftlichkeit am besten zusammenbringe, gewinnt.

Marbot erklärt: «Ein erfolgreiches System der Zukunft muss nicht überall gleich aussehen, sondern überall gleich gut funktionieren.»

Konkret: «Sortiment, Gestaltung und Kommunikation können durchaus stärker auf den jeweiligen Standort reagieren, ohne die betrieblichen Vorteile eines Systems aufzugeben.»

Die Kunst bestehe darin, dass sich die Marke für den Gast nicht beliebig anfühle.

Denn: «Die Gefahr für eine etablierte Marke ist aus meiner Sicht nicht die Standardisierung, sondern die Austauschbarkeit.»

Regionalität schafft Vertrauen

Konsumpsychologe Christian Fichter bläst ins gleiche Horn. Sein Tipp: «Weniger Konzern zeigen, mehr Gesicht.»

Das könne etwa gelingen, indem Anbieter Kaffee aus einer regionalen Bäckerei oder das Gipfeli vom Bäcker nebenan bezögen.

Wasser
Konsumpsychologe Christian Fichter sagt: «Regionalität schafft Vertrauen.» - zVg.

Letztlich gehe es bei der Regionalität um Vertrauen, sagt er. «Regional heisst: Ich kenne den Absender, ich kann ihn einordnen und er kann sich nicht hinter einem Konzern verstecken.»

Gleichzeitig bietet ein Anbieter wie Spettacolo vor allem eines: Verlässlichkeit. «Ich weiss in Chur wie in Genf, was ich bekomme. Am Bahnhof, wo Menschen unter Zeitdruck stehen, ist das ein echtes Bedürfnis.»

Spettacolo-Nachfolger in Bern spricht «genussaffine Zielgruppe» an

Den Zeitdruck spürt auch Adrian Iten, Gründer und Teilinhaber von Adrianos. Der Kaffeeladen hat die Fläche von Caffè Spettacolo im Bahnhof Bern übernommen.

«Wir versuchen, so effizient wie möglich zu arbeiten. Aber Qualität braucht Zeit», so Iten. «Wer auf den Zug rennen muss, holt sich den Kaffee nicht bei uns.

Grundsätzlich konnte Adrianos vom Vormieter profitieren und Kunden übernehmen. «Einige merkten zunächst nicht, dass sich etwas geändert hat und gaben ihre Standardbestellung vom Spettacolo auf.»

kasse
War schon vor dem Standort beim Treffpunkt im Bahnhof präsent: Die Berner Kaffeekette Adrianos hat im Bahnhof eine Self-Checkout-Kasse eingerichtet. - Nau.ch

Trotzdem kann Iten nicht jeden früheren Kunden glücklich machen. «Die Kunden müssen bereit sein, mehr zu bezahlen. Wir sprechen bewusst eine genussaffine Zielgruppe an.»

Das Fazit der ersten Monate stellt den Kaffee-Geschäftsmann zufrieden.

Tim Morgenthaler ist Geschäftsleiter der Bäckerei Flury, die den Spettacolo-Standort in Burgdorf übernimmt. Abgesehen von der «gewissen lokalen Bekanntheit» gebe es «kaum Überschneidungen» mit Adrianos, sagt er zu Nau.ch.

Bäckerei will in Burgdorf auch Pinsas und Coupes anbieten

Statt auf Kaffeespezialitäten setze die Bäckerei auf ihr «bewährtes Konzept: Frische Backwaren, Desserts und ein grosses To-Go-Angebot mit Salaten, Zmittag-Schalen, Sandwiches und Süssgebäck».

Zusätzlich soll ein Café eingebaut werden. Dort gibt es Zmorgeplättli, warme Pizzas oder Coupes.

Flury
Die Bäckerei Flury ist regional verankert. Im Bild: Die bereits existierende Filiale in Burgdorf. - Bäckerei Flury

«Es würde uns freuen, wenn uns auch einige Kundinnen und Kunden des Caffè Spettacolo besuchen», sagt Morgenthaler. Diese müssten auf nichts verzichten, die Bäckerei Flury habe sogar ein «deutlich breiteres Sortiment».

Der neue Standort soll voraussichtlich diesen Winter seine Ladentüren öffnen. Zuvor steht ein Umbau an. Zudem muss das Personal rekrutiert und eingearbeitet werden.

Valora modernisiert vier Spettacolo-Filialen

Caffè Spettacolo konzentriert sich derweil auf seine weiteren Standorte. Valora investiere «gezielt in die Weiterentwicklung der Marke».

So werden die Filialen in Lausanne, Zürich-Oerlikon, Thun und Basel demnächst modernisiert. «Dies unterstreicht unser langfristiges Bekenntnis zu Caffè Spettacolo.»

Von einem baldigen Ende der Kult-Marke kann also nicht die Rede sein.

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Kommentare

User #5762 (nicht angemeldet)

Zum Glück gibt es noch Starbucks oder McCafé.

User #6180 (nicht angemeldet)

Noch nie gehört. Gibt es dort guten Kafi?

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