Mitsubishi muss Zwangsarbeiter in Südkorea entschädigen
Der japanische Konzern Mitsubishi beutete 35 Jahre lang Männer und Frauen in Südkorea auf brutalster Weise aus. Heute erhalten Überlebende eine Entschädigung.

Das Wichtigste in Kürze
- Mitsubishi versklavte Männer und Frauen in der Besatzungszeit.
- Nach 70 Jahren wurde der Konzern zu Entschädigungszahlungen an die Überlenden verurteilt.
Das oberste Gericht Südkoreas hat den japanischen Mitsubishi-Konzern zu Entschädigungszahlungen wegen Zwangsarbeit in der Besatzungszeit vor mehr als 70 Jahren verurteilt. Die Richter bestätigten heute Donnerstag das Urteil einer unteren Instanz, die sechs hochbetagten Klägern recht gegeben hatte. Mitsubishi Heavy Industries muss ihnen nun vorenthaltene Löhne in Höhe von jeweils 80 Millionen Won (71'000 Franken) nachzahlen.
Zwei Prozesse für Gerechtigkeit
Die sechs Überlebenden hatten im Jahr 2000 Klage eingereicht. Japan hatte die koreanische Halbinsel zwischen 1910 und 1945 einem brutalen Besatzungsregime unterworfen.
In einem anderen Fall verurteilte Südkoreas oberstes Gericht Mitsubishi heute Donnerstag zu Entschädigungszahlungen zwischen 100 und 150 Millionen Won an fünf weitere Kläger, die in den Jahren zwischen 1910 und 1945 in Fabriken des Konzerns in Japan ausgebeutet worden waren.
Sklaverei statt Studium
Viele von ihnen wurden nach eigenen Angaben von Lehrern ihrer Schulen unter Vorwand eines «Studiums» nach Japan gelockt, wo sie dann stattdessen zu Zwangsarbeit verpflichtet wurden.
Die Kolonialmacht Japan herrschte in den Jahren 1910 bis 1945 mit brutaler Härte auf der koreanischen Halbinsel. Nach offiziellen südkoreanischen Angaben wurden rund 780'000 Südkoreaner in Zwangsarbeit ausgebeutet. Die Zahlen erfassen nicht die zahlreichen Frauen, die von den japanischen Streitkräften als Sexsklavinnen missbraucht wurden.
Genug gezahlt
Japanische Gerichte hatten die wiederholten Entschädigungsklagen zurückgewiesen. Tokio sieht die Zwangsarbeiter-Frage seit der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen und der Vereinbarung eines Entschädigungspakets im Umfang von 800 Millionen Franken durch einen mit Seoul geschlossenen Vertrag aus dem Jahr 1965 als geklärt an.
Japans Aussenminister Taro Kono kritisierte die jüngsten Urteile als «äusserst bedauerlich und völlig inakzeptabel». Seoul müsse sofort handeln, und einen derartigen Bruch internationalen Rechts heilen.












