Lucerne Festival: Motto «American Dreams» soll Diskussion anregen
Am Lucerne Festival soll vom 13. August bis 13. September Musical- und Filmmusik, Jazz oder Minimal Music anklingen. Getreu dem Motto «American Dreams» schöpft die erste Ausgabe mit dem neuen Intendanten Sebastian Nordmann aus den amerikanischen Traditionen.

Mit dem Motto wolle das Festival zu einem Austausch zwischen Europa und den USA beitragen, sagte Nordmann am Dienstag zu einem Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Zuvor stellte er im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) vor über 50 Vertreterinnen und Vertretern der Medien, Sponsoren und des Festival-Teams das 120 Veranstaltungen starke Programm vor.
Das Motto werde sicher «wahnsinnig viel zur Diskussion anregen». Das Lucerne Festival wolle sich damit «kulturpolitisch» positionieren, nicht etwa «parteipolitisch», so der Intendant. Er betonte, wie wichtig es sei, «Brücken zu schlagen».
Europa und die USA hätten «zwei völlig unterschiedliche 20. Jahrhunderte durchlebt», wie Nordmann weiter sagte. In Amerika fliesse Jazz in die Klassik ein, auch Hollywood beeinflusse die Musik. Die so entstandenen Werke sollen auch in Europa Teil des Repertoires werden. Am Lucerne Festival erklingen Werke amerikanischer Komponisten wie George Gershwin oder Steve Reich.
Auch die Lyrikerin Amanda Gorman wird in Luzern auftreten. Sie trug 2021 an der Amtseinführung des damaligen US-Präsidenten Joe Biden eines ihrer Gedichte vor und wurde damit schlagartig international berühmt.
Als Intendant amte Nordmann auch als «Gatekeeper», wie er vor den Medien sagte. Er stelle sich die Frage: Was ist klassische Musik? «Ich bin da sehr grosszügig», so Nordmann.
Am Lucerne Festival tritt in diesem Jahr auch ein elfköpfiges Ensemble auf, das analogen Techno spielt. Zudem ist ein Werk des Rock-Exzentrikers Frank Zappa zu hören.
Der Geiger Augustin Hadelich bestreitet als diesjähriger «artiste étoile» zudem die «Fiddle Night», bei der auch Folk, Country und Bluegrass anklingen.
Nichtsdestotrotz werden die täglichen Auftritte internationaler Sinfonieorchester weiter den Kern des Festivals bilden. Mit ihnen spielen zahlreiche namhafte Solistinnen und Solisten auf, darunter etwa Cellist Yo-Yo Ma oder Geigerin Anne-Sophie Mutter. Letztere feiert ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Schon 1976 spielte sie als 13-Jährige bei den damaligen Internationalen Musikfestwochen in Luzern.
Auch heute sollen «viele junge Stars» nach Luzern kommen, wie Nordmann versprach. Zudem wolle er ein junges Publikum weiterhin an die Klassik heranführen.
Dies etwa mit stark vergünstigten Tickets. Jugendliche bis 18 Jahre, die in Begleitung von Eltern oder Grosseltern ein Festival-Konzert besuchen, bezahlen dafür bloss 10 Franken.
«Jugendliche sehen das KKL nicht als ihr Zuhause», sagte Nordmann im Gespräch. Dies soll sich ändern, ihnen wolle er «die Türe öffnen». Formate wie «Mittendrin», bei denen Besuchende sich ins Orchester neben die Musikerinnen und Musiker setzen können, sollen junge Personen besonders ansprechen.
Auf Social Media will das Lucerne Festival Jugendliche mit dem «richtigen Content» erreichen.
Viele neue Ideen sollte er bringen – aber bloss nichts verändern: So fasste Nordmann humoristisch die Ansprüche zusammen, die an ihn als neuen Intendanten gestellt werden.
Mit seinem ersten Programm zeigt Nordmann nun seinen Vorschlag, wie sich das Lucerne Festival nach 26 prägenden Jahren unter der Leitung von Michael Haefliger, weiterentwickeln soll.
Zum Erfolg seiner Premieren-Ausgabe könnten viele Punkte beitragen, so Nordmann im Interview. Doch als ersten nennt der Intendant «die qualitativ-künstlerischen Ansprüche». Er lege persönlichen Wert darauf, eines der weltbesten Orchesterfestivals zu bleiben.






