Haftbefehl gegen Netanjahu löst Jubel und Empörung aus

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    Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu soll vor Gericht gestellt werden, genauso wie ein Kommandeur der islamistischen Hamas.

    Chefankläger Karim Khan
    Chefankläger Karim Khan will Netanjahu vor Gericht bringen. - Peter Dejong/AP/dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Internationale Strafgerichtshof erliess Haftbefehl gegen Israels Premierminister.
    • Der Iran und die Palästinensische Autonomiebehörde begrüssen den Haftbefehl.
    • Verbündete Israels, wie die USA, reagieren empört.

    Der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu spaltet die Welt. Während der Iran und die Palästinensische Autonomiebehörde den Beschluss des Gerichts in Den Haag feiern, kritisieren mehrere Verbündete Israels – allen voran die USA – den Haftbefehl.

    Die Bundesregierung äusserte sich zunächst nicht, sie befindet sich in einer Zwickmühle: Einerseits unterstützt sie Israels Recht auf Selbstverteidigung nach dem Terrorüberfall der Hamas vor gut einem Jahr, andererseits plädiert sie stets für ein robustes internationales Rechtssystem mit verbindlichen Regeln.

    Internationale Reaktionen

    Der Internationale Strafgerichtshof erliess Haftbefehle gegen Netanjahu sowie den erst kürzlich entlassenen israelischen Verteidigungsminister Joav Galant wegen mutmasslicher Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg. Auch gegen einen Anführer der Terrororganisation Hamas erliessen die Richter in Den Haag einen Haftbefehl. Es handelt sich um Mohammad Diab Ibrahim Al-Masri, bekannt unter dem Nachnamen Deif.

    Benjamin Netanjahu
    Ein Mitglied von Netanjahus Regierung hat den Verlauf des Gaza-Kriegs ungewöhnlich scharf kritisiert. (Archivbild) - dpa

    Er soll in das Massaker mit rund 1200 Toten vor über einem Jahr in Israel verwickelt sein, das den Gaza-Krieg auslöste. Allerdings ist unklar, ob der vom israelischen Militär für tot erklärte Hamas-Kommandeur überhaupt noch am Leben ist. Die Hamas hat seinen angeblichen Tod nie bestätigt.

    USA: «Wir werden immer an der Seite Israels stehen»

    US-Präsident Joe Biden verurteilte die internationalen Haftbefehle gegen Netanjahu und Galant. «Die Ausstellung von Haftbefehlen durch den Internationalen Strafgerichtshof gegen israelische Politiker ist empörend.» So wurde Biden in einer Mitteilung des Weissen Hauses zitiert. Die USA erkennen wie Israel den Internationalen Strafgerichtshof grundsätzlich nicht an.

    Joe Biden
    Die USA, unter Präsident Joe Biden, haben die Haftbefehle scharf kritisiert. (Archivbild) - keystone

    «Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Was auch immer der Internationale Strafgerichtshof andeuten mag, Israel und die Hamas sind nicht gleichwertig – überhaupt nicht», sagte Biden. «Wir werden immer an der Seite Israels stehen, wenn seine Sicherheit bedroht ist.» Die Sprecherin des Weissen Hauses, Karine Jean-Pierre, sagte, die USA würden keinen Haftbefehl vollstrecken.

    Österreich: «Unverständlich und nicht nachvollziehbar»

    Kritik an dem Haftbefehl kam auch aus anderen Ländern. «Israel ist brutalen Aggressionen, unmenschlichen Geiselnahmen und wahllosen Angriffen auf seine Bevölkerung ausgesetzt. Die legitime Verteidigung einer Nation zu kriminalisieren und gleichzeitig diese Gräueltaten auszublenden, ist ein Akt, der den Geist der internationalen Gerechtigkeit verfälscht.»

    Das schrieb der argentinische Präsident Javier Milei auf X. Ungarns Aussenminister Peter Szijjarto bezeichnete die Haftbefehle als «schändlich und absurd», Österreichs Aussenminister Alexander Schallenberg nannte sie «unverständlich und nicht nachvollziehbar».

    Iran und Palästinenser feiern Haftbefehle

    Der Iran begrüsste die Haftbefehle gegen Netanjahu und Galant hingegen. «Das ist lobenswert, nur müssen die USA und die Europäer die Haftbefehle auch respektieren und umsetzen.» Das sagte der aussenpolitische Berater des geistigen Führers Ayatollah Ali Chamenei, Kamal Charrasi.

    Die Entscheidung des Gerichts in Den Haag sei auch beschämend für den Westen, der Israels Handeln im Gazastreifen und im Libanon uneingeschränkt unterstützt habe. Die Hamas bezeichnete die Entscheidung als «wichtigen historischen Präzedenzfall und eine Korrektur eines langen Wegs historischer Ungerechtigkeit gegen unser Volk.»

    Positionierung Deutschlands

    Auch die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) im Westjordanland lobte die internationalen Haftbefehle. Die Entscheidung des Internationalen Strafgerichtshofs stelle das Vertrauen in das Völkerrecht und UN-Organisationen wieder her. So hiess es in einer Mitteilung der Behörde, die die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa veröffentlichte.

    Benjamin Netanjahu
    Benjamin Netanjahu will weiterhin mit aller Härte gegen die Hamas vorgehen. (Archivbild) - keystone

    Die PA forderte laut der Mitteilung alle Mitgliedsstaaten des Gerichtshofes, zu denen auch Deutschland zählt, auf, «die Entscheidung des Gerichts umzusetzen und Verbrecher vor Gericht zu bringen».

    Haftbefehl könnte Netanjahus Reisefreiheit empfindlich einschränken

    Die Regierungen der Niederlande und Kanadas liessen hingegen durchblicken, dass die Haftbefehle in ihren Ländern auch vollstreckt würden. Sollten andere Staaten ebenso vorgehen, könnte dies die Reisefreiheit des israelischen Regierungschefs empfindlich einschränken.

    Israels Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara reagierte wie viele Landsleute empört. «An diesem Tag muss das Offensichtliche gesagt werden: Dem Internationalen Strafgerichtshof fehlt jegliche Autorität in dieser Angelegenheit», zitierte die Zeitung «The Times of Israel» aus einer Mitteilung. Selbst Netanjahus innenpolitische Gegner verurteilten die Den Haager Beschlüsse.

    Wie bewertest du die Haftbefehle gegen Benjamin Netanjahu und Joav Galant?

    Ex-Verteidigungsminister Galant schrieb auf der Plattform X, die Haftbefehle gegen ihn und den Ministerpräsidenten schafften «einen gefährlichen Präzedenzfall gegen das Recht auf Selbstverteidigung».

    EU: Haftbefehl gegen Netanjahu für EU-Staaten bindend

    EU-Chefdiplomat Josep Borrell hingegen bezeichnete den internationalen Haftbefehl gegen Netanjahu als bindend für die Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Als Vertragsstaaten des Internationalen Strafgerichtshofs seien die EU-Länder verpflichtet, die gegen Netanjahu, Galant und Deif verhängten Haftbefehle umzusetzen. Das sagte er während eines Besuchs in der jordanischen Hauptstadt Amman.

    Es handle sich nicht um eine politische Entscheidung, sondern um einen Gerichtsbeschluss, betonte der Spanier. «Die Entscheidung des Gerichtshofs muss respektiert und umgesetzt werden.»

    Kommentare

    User #1026 (nicht verifiziert)

    da wird etwas verlangt was nie sein wird, die sind unter heimatsschutz, unantastbar wir ihr volk

    User #3709 (nicht angemeldet)

    Die Empörung Netanyahus und seiner Fangemeinde im Westen nach diesen Haftbefehlen ist wenig aussage-und beweiskräftig! Hat man je, auch nur EINEN Angeklagten vor einem Strafgericht auf der Welt erlebt, der nicht empört auf die Anklageschrift und den Verfolgungseifer der Staatsanwaltschaft reagiert?

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