Grossbritannien diskutiert über eine «No-Fly-List»
Eine Datenbank soll es störenden Passagieren schwer machen. Fluggesellschaften und Bevölkerung unterstützen die Initiative. Ähnliches bald auch in der Schweiz?

Das Wichtigste in Kürze
- Die britische Regierung arbeitet an einer nationalen Sperrliste für störende Fluggäste.
- Drei Viertel der Bevölkerung unterstützen die Idee einer Sperrliste.
- Kritiker warnen vor gefährlichem Präzedenzfall.
Wer im Flugzeug randaliert oder Besatzungsmitglieder angreift, soll künftig gar nicht mehr abheben dürfen. Die britische Regierung arbeitet laut einem Bericht der «Daily Mail» an einer nationalen Sperrliste für Fluggäste.
Wer bei Ryanair gesperrt ist, kann aktuell trotzdem noch bei EasyJet oder anderen Anbietern buchen. Diese Lücke soll die neue Liste schliessen. Strenge Datenschutzgesetze verhindern bisher, dass Airlines Kundendaten untereinander teilen.
Eine mögliche Lösung: Der Staat verwaltet die Daten selbst. Behörden würden die Informationen über gesperrte Personen besitzen. Versucht jemand bei einer anderen Airline zu buchen, würden diese Behörden die Fluggesellschaft informieren.
Ministerien prüfen staatlich verwaltetes System
Die Vorschläge stammen vom britischen Innen- und Verkehrsministerium. Sie befinden sich noch in einer frühen Planungsphase. Laut der «Daily Mail» soll es noch diesen Monat einen Gipfel mit Branchenvertretern geben.
Eine Regierungsquelle sagt: «Jeder sollte am Flughafen ein Bier geniessen können, aber asoziales Verhalten auf Flügen ist völlig inakzeptabel. Es bedroht die Sicherheit von Passagieren und Besatzung und stört hart erarbeitete Urlaube.»
Weiter sagt die Quelle, dass es bereits strenge Gesetze gäbe. Um besser mit Straftaten auf Flügen umzugehen, prüften sie gemeinsam mit der Industrie, wie sie dieses Problem angehen könnten.
Die Branche begrüsst die Initiative. Phil Ward, Betriebschef von Jet2, sagte: «Wir würden einen Regierungsplan für ein formelles Programm unterstützen. Und setzen uns schon seit einiger Zeit dafür ein.»
Vorfälle nehmen seit Jahren zu
Denn die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2019 meldeten britische Airlines laut der Zivilluftfahrtbehörde CAA rund 390 Fälle mit schwierigen Passagieren. Bis 2023 stieg diese Zahl auf über 1200 Vorfälle, seither sind es 1000 Fälle.
Eine YouGov-Umfrage zeigt: Drei Viertel der Bevölkerung unterstützen die Idee einer Sperrliste. 37 Prozent der Befragten befürworten sie «stark», weitere 38 Prozent «teilweise». Nur elf Prozent sind dagegen.
Kritiker warnen vor gefährlichem Präzedenzfall
Nicht alle sind begeistert. Josie Appleton, Gründerin der Kampagne für Freiheit im Alltag, äussert Bedenken.
Sie sagte: «Natürlich ist es richtig, dass gewalttätige Passagiere nach dem Strafrecht strafrechtlich verfolgt und bestraft werden. Und dass Fluggesellschaften das Recht haben, Passagiere auszuschliessen.»
Sie fragt sich, wer entscheiden würde, wer auf die Liste kommt. Die neue Liste würde bestehende Strafen ergänzen, nicht ersetzen. Wer an Bord randaliert, kann bereits heute mit hohen Bussen und einer Strafverfolgung rechnen.
Nau.ch. berichtete bereits über das Problem mit den betrunkenen Flugzeuggästen. Die Konsequenzen: Notlandungen, hohe Kosten und lebenslange Sperren.

















