Greifen Kinder an: Gaza kämpft nach Waffenruhe mit Rattenplage

Simon Ulrich
Simon Ulrich

Palestina,

Acht Monate nach dem Abkommen erleben viele Menschen in Gaza weiter Angst und Angriffe. Hilfswerke warnen vor Elend, Krankheiten und Hunger.

Gaza
Vertriebene palästinensische Kinder füllen am Samstag, dem 4. Juli 2026, in Deir al-Balah im zentralen Gazastreifen Wasserbehälter auf. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Acht Monate nach der Waffenruhe erlebt Gaza weiter Gewalt und Not.
  • Seit Oktober starben laut Gazas Gesundheitsministerium über 1000 Menschen.
  • Uno und Hilfswerke warnen vor Vertreibung, Krankheiten und zerstörter Versorgung.

Acht Monate nach dem Waffenruheabkommen zwischen Israel und Hamas erleben viele Menschen in Gaza nach eigenen Angaben keine echte Ruhe.

Israel greift weiter Ziele an, Hamas gibt ihre Waffen nicht ab. Und der politische Fahrplan für eine neue Verwaltung des Gazastreifens kommt kaum voran.

Seit Unterzeichnung des Abkommens am 11. Oktober wurden gemäss palästinensischem Gesundheitsministerium mindestens 1059 Menschen durch israelische Angriffe getötet, 3429 verletzt.

Im Schnitt sei seit Oktober täglich ein Kind getötet worden, zeigt eine Auswertung von CNN. Israel weist Vorwürfe zurück, gezielt Kinder anzugreifen.

Hilfsorganisation sagt: «Hier gibt es keine wirkliche Waffenruhe»

Die humanitäre Lage bleibt dramatisch. Laut Uno sind mehr als 1,9 Millionen Menschen vertrieben, viele bereits mehrfach. Sie leben in improvisierten Zelten, oft ohne ausreichende Belüftung und Hygiene.

Hilfsorganisationen berichten von Hautkrankheiten, Parasitenbefall und Ratten, die Lebensmittelvorräte anfressen und schlafende Kinder beissen.

Sally Saleh, Nothilfeleiterin der britischen Organisation Medical Aid for Palestinians in Gaza, sagt zu CNN: «Hier gibt es keine wirkliche Waffenruhe.»

Man könne jederzeit und überall bombardiert werden. Sie berichtet auch von Eltern, deren Kinder von Ratten gebissen wurden und nun Angst haben, dass es wieder passiert.

Zerstörte Infrastruktur verschärft die Not

Auch die Infrastruktur ist weitgehend zerstört. Entsalzungsanlagen, Abwassersysteme und Abfallentsorgung funktionieren vielerorts nicht mehr.

In Gaza-Stadt sollen sich rund 25 Millionen Tonnen Trümmer angesammelt haben. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums werden noch mindestens 7500 Menschen unter den Trümmern vermisst.

Israel erklärt, täglich rund 600 Lastwagen mit Hilfsgütern nach Gaza zu koordinieren. Hilfsorganisationen sagen jedoch, das reiche nicht aus.

Einschränkungen bei Ersatzteilen, Generatoren und Maschinen erschwerten die Versorgung weiter.

Kinder spielen Beerdigungen nach

Besonders Kinder leiden unter den Folgen. Saleh sagt, sie habe Kinder gesehen, die beim Spielen Beerdigungen nachstellten.

Auch junge Erwachsene sehen kaum Perspektiven. Die Arbeitslosigkeit in Gaza liegt laut der Internationalen Arbeitsorganisation bei 85,1 Prozent.

Ist der Gaza-Friedensplan gescheitert?

Der 24-jährige Autor Yahya Alhamarna aus Gaza-Stadt sagt, Schreiben sei für ihn ein Weg, Erinnerung zu bewahren.

«Die Menschen schreiben weiter, sprechen weiter und hoffen weiter. Und das ist an sich eine Form des Widerstands.»

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