Flydubai-Crew wollte gefesselten Angreifer offenbar befreien
Nach dem vereitelten Anschlag auf einen Flydubai-Flug kommen neue Details ans Licht. Die Crew wollte den gefesselten Angreifer offenbar losbinden.

Das Wichtigste in Kürze
- Passagiere überwältigten auf einem Flydubai-Flug einen mutmasslichen Angreifer.
- Laut Augenzeugen wollte die Crew den bereits gefesselten Mann wieder losbinden.
- Zwischen Passagieren und Besatzung soll es deshalb zum Streit gekommen sein.
- Flydubai verweist auf die laufenden Ermittlungen.
Nach dem mutmasslichen Terrorversuch an Bord einer Flydubai-Maschine werden weitere Details bekannt. Passagiere berichten nun von einem bizarren Streit mit der Besatzung.
Der bereits überwältigte und gefesselte Angreifer sollte demnach wieder losgebunden werden. Das erzählen zwei Passagiere der «Washington Post».
«Sie forderten uns auf, den Terroristen loszubinden. Wir hatten keine Ahnung, warum», sagt Passagier Tzvika Manes.

Auch Daniel Schlichter (59), der in der zweiten Reihe sass, bestätigt die Szene. «Sie forderten die Freilassung des Terroristen. Wir wurden sofort misstrauisch.»
Passagiere fesselten Angreifer
Der mutmassliche Angreifer war zuvor von mehreren Passagieren überwältigt worden. Laut israelischen Behörden soll es sich bei ihm um den 29-jährigen Co-Piloten der Maschine handeln.
Er soll den Piloten mit einer Axt angegriffen und versucht haben, das vollbesetzte Flugzeug zum Absturz zu bringen.

Die Passagiere fesselten den Mann schliesslich mit Kabelbindern und Kopfhörerkabeln. Diese hatte Schlichter zuvor an Bord eingesammelt.
Während er am Boden lag, habe der Mann immer wieder gerufen: «Tötet mich, tötet mich.»
Streit mit der Crew
Dann soll es zum Streit mit Mitgliedern der Besatzung gekommen sein. Diese hätten darauf bestanden, den Gefesselten loszubinden. «Sie sagten: ‹Ihr seid nicht Gott, ihr werdet ihn nicht töten›», erinnert sich Manes.
Doch darum sei es den Passagieren nie gegangen. «Wir wollten nur, dass er uns nicht tötet.»

Schliesslich schickten die Passagiere mehrere Crewmitglieder aus dem vorderen Bereich der Boeing 737 Max 8 zurück in die Kabine.
«Wir haben ihnen gesagt: ‹Ab jetzt haben wir das Sagen und ihr macht, was wir sagen›», erzählt Schlichter. Ein kräftiger Passagier sei anschliessend als Wache beim gefesselten Mann geblieben.
Flydubai äussert sich nicht zu Vorwürfen
Flydubai wollte die Schilderungen gegenüber der «Washington Post» nicht kommentieren.
Wegen der laufenden Ermittlungen könne man sich nicht zum Verhalten einzelner Crewmitglieder äussern, teilte die Fluggesellschaft mit. Man unterstütze die zuständigen Behörden jedoch «uneingeschränkt».











