Amnesty: Eritreische Soldaten haben Massaker verübt

    DPA
    DPA

    Äthiopien,

    Aus dem Konflikt um die abtrünnige äthiopische Region Tigray ist ein blutiger Krieg geworden. Menschenrechtler sind alarmiert: Es soll im vergangenen Jahr ein Massaker in der Stadt Axum gegeben haben.

    Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed. Foto: Mulugeta Ayene/AP/dpa
    Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed. Foto: Mulugeta Ayene/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Im Äthiopienkrieg haben Truppen aus dem benachbarten Eritrea Menschenrechtlern zufolge systematisch Hunderte Menschen getötet.

    Zu dem zweitägigen Massaker sei es in der Stadt Axum in der Region Tigray Ende November gekommen, teilte Amnesty International am Freitag mit. Augenzeugen berichteten demnach, dass Bewohner der Stadt getötet, Häuser willkürlich beschossen und Gebäude geplündert worden seien.

    Während der Offensive zur Einnahme Axums hätten äthiopische und eritreische Truppen etliche Kriegsverbrechen begangen, sagte Deprose Muchena, der Leiter für Ostafrika und das südliche Afrika bei Amnesty International. «Darüber hinaus haben eritreische Truppen randaliert und systematisch Hunderte Zivilisten kaltblütig getötet, was nach einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit aussieht.»

    Amnesty sprach nach eigenen Angaben mit 41 Überlebenden und Augenzeugen sowie mit 20 weiteren Menschen, die Kenntnisse von dem Massaker haben. Anwohner sagten demnach, dass die Opfer keine Waffen gehabt hätten und viele vor den Soldaten weggelaufen seien, bevor sie erschossen wurden. Ein Bewohner der Stadt berichtete laut Amnesty, er habe durch sein Fenster beobachtet, wie eritreische Soldaten sechs Männer auf der Strasse aufgereiht und mit einem automatischen Gewehr von hinten erschossen hätten.

    Die Menschenrechtsorganisation erfasste nach eigenen Angaben die Namen von mehr als 240 Todesopfern. Man habe die Opferzahl nicht unabhängig verifizieren können, allerdings sei es wegen der Aussagen der Augenzeugen sowie übereinstimmender Beweise plausibel, dass Hunderte Anwohner getötet worden seien, hiess es.

    «Die Erkenntnisse von Amnesty sollten sehr ernst genommen werden», erklärte die äthiopische Menschenrechtskommission (EHRC). Demnach deuteten vorläufige Ergebnisse ihrer eigenen Untersuchungen darauf hin, dass eine noch unbekannte Anzahl Zivilisten in Axum von eritreischen Soldaten getötet worden sei.

    Die Regierung in Addis Abeba hatte im November eine Militäroffensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begonnen, die bis dahin in der gleichnamigen Region im Norden Äthiopiens an der Macht war. Hintergrund waren jahrelange Spannungen zwischen der TPLF und der Zentralregierung. Inzwischen sind weitere Akteure beteiligt, darunter eritreische Truppen und Milizen. Hunderttausende Menschen in Tigray sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, allerdings haben Hilfsorganisationen wegen der Sicherheitslage und bürokratischer Hürden noch immer nicht Zugang zu allen Notleidenden.

    Kommentare

    Weiterlesen

    Campingfeuer Bella Italia
    «Fire! Fire!»
    Dealer
    1 Interaktionen
    Zu lange Knast

    MEHR IN NEWS

    Man muss die Eltern kritisieren, nicht die Kinder!
    8 Interaktionen
    Schweigepfad-Lärm
    Ostschweizer Kantonsrat will heimliche Kameras auf Nase stoppen
    2 Interaktionen
    Smart Glasses
    Tierpark Bern Artenschutz
    Tierpark Bern
    Xi Jinping
    Bei Trump-Besuch

    MEHR AUS ÄTHIOPIEN

    addis
    1 Interaktionen
    Tigray
    2 Interaktionen
    Addis-Abeba
    Kongo
    2 Interaktionen
    Kongo
    Addis-Abeba