Eritreische Truppen in Äthiopien lösen Kriegsangst aus
Berichte über einen Einmarsch eritreischer Truppen in Äthiopien schüren Sorgen vor einem neuen Krieg am Horn von Afrika.

Eritreische Streitkräfte hätten am Mittwoch die Grenze überquert und seien in die nördliche Konfliktregion Tigray vorgerückt, schrieb die Ostafrika-Analystin der Konfliktdatenorganisation Acled, Jalale Getachew Birru. Äthiopische Drohnen hätten die Truppen angegriffen.
Augenzeugen berichteten unter anderem dem britischen Sender BBC von Dutzenden Lastwagen mit Soldaten auf dem Weg nach Süden. Forscher des US-Sicherheitsinstituts Critical Threats Project halten mehrere online verbreitete Bilder und Videos eritreischer Truppen in Tigray für authentisch.
Äthiopien wirft Eritrea vor, Rebellen in Tigray zu unterstützen, die sich mit Aufständischen anderer Regionen verbündet haben. Die Regierung in Addis Abeba hatte am Wochenende Truppen nach Tigray verlegt, um die Rebellen zurückzudrängen, und die Kontrolle über Tigrays Regionalhauptstadt Mekelle übernommen. Dies verstärkte Befürchtungen, Äthiopien könne einen Angriff auf Eritrea planen, um sich Zugang zum Roten Meer zu verschaffen.
Eritreas Informationsminister beschuldigte Äthiopien, mit falschen Anschuldigungen einen Angriffskrieg gegen sein Land rechtfertigen zu wollen. Nach Einschätzung der Analystin Birru will Eritrea einen möglichen Vorstoss äthiopischer Truppen auf das eigene Staatsgebiet verhindern. Durch die Unterstützung der Rebellen wolle Eritrea zudem eine Pufferzone zur eigenen Grenze schaffen, so Birru.
Eritrea wurde 1993 von Äthiopien unabhängig. Nach einem blutigen Grenzkrieg schlossen die Nachbarn erst 2018 Frieden. Für seine Annäherung an Eritrea erhielt Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed 2019 den Friedensnobelpreis.
Von 2020 bis 2022 kämpften beide Länder gemeinsam gegen Rebellen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die zuvor jahrzehntelang die äthiopische Politik dominiert hatte. In dem Bürgerkrieg kamen Schätzungen zufolge mehrere Hunderttausend Menschen ums Leben. Allen Seiten wurden schwere Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen vorgeworfen.
Seither hat sich das Verhältnis zwischen Äthiopien und Eritrea deutlich verschlechtert. Ein wichtiger Streitpunkt ist Äthiopiens langjähriger Wunsch nach einem eigenen Zugang zum Roten Meer. Seit Eritreas Unabhängigkeit ist das Land ein Binnenstaat, dessen Seehandel fast vollständig über das benachbarte Dschibuti läuft.
Äthiopien hat nach UN-Angaben rund 139 Millionen Einwohner. Etwa sechs Millionen Menschen leben in der Region Tigray, darunter Hunderttausende Vertriebene, die vielfach keinen ausreichenden Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung haben. Das Nachbarland Eritrea hat rund 3,7 Millionen Einwohner. Der bitterarme, weitgehend abgeschottete Staat wird seit seiner Unabhängigkeit 1993 von Präsident Isaias Afwerki autoritär regiert.










