Rücktritt, Krieg: Gibt es jetzt erste Risse in der Maga-Basis?
Streit, Rücktritt und Iran-Krieg: In Trumps Maga-Lager brodelt es. Doch ein Experte warnt vor voreiligen Schlüssen.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Iran-Krieg spaltet prominente Stimmen im Maga-Umfeld.
- US-Experte Heinisch sieht jedoch keine echte Erosion der republikanischen Basis.
- Für die Midterms könnten die Spannungen dennoch Folgen haben.
Der Ton ist schrill, die Angriffe persönlich. Auf der Plattform X liefern sich Figuren wie Mark Levin, Megyn Kelly und Tucker Carlson eine öffentliche Schlammschlacht.
Im Kern geht es um den Krieg der USA gegen den Iran. Für die einen ist er notwendig. Für die anderen einen Verrat an zentralen Maga-Versprechen.
Zum Beispiel das Wahlkampf-Credo von Donald Trump, die USA in keine neuen Kriege zu ziehen. Oder das Schlagwort «America First», das gemäss konservativen Kritikern nicht konsequent gelebt wird.
Streitpunkt Israel spaltet Lager
Und dann sorgt auch die Rolle von Israel für Sprengstoff. Ein Teil der Maga-Bewegung wirft Israel vor, die USA in den Iran-Krieg gedrängt zu haben. Andere halten fest zu Präsident Donald Trump und unterstützen das Vorgehen seiner Regierung.

Die Fronten verlaufen quer durch das konservative Lager. Auch prominente Republikaner stehen sich gegenüber. Marjorie Taylor Greene etwa hat sich schon lange von Trump abgewendet. Der Rücktritt von Anti-Terror-Chef Joe Kent befeuert die Kritiker zusätzlich.
Auf der Pro-Israel-Seite stehen etwa die Senatoren Ted Cruz und Lindsay Graham, die Fox-News-Kommentatoren wie Sean Hannity und Laura Ingraham. Oder die Influencer Ben Shapiro und Laura Loomer.
Experte relativiert: «Keine substanzielle Veränderung»
Feuer im Dach also im Lager von Trumps Maga-Bewegung? Politikwissenschaftler und US-Experte Reinhard Heinisch von der Universität Salzburg sieht die Lage nüchtern.
«Maga ist keine Partei, sondern eine lose definierte, heterogene Bewegung», sagt er. Die Konflikte spielten sich vor allem online ab. Sie hätten «kaum Breitenwirkung» in der Wählerschaft.
Laut aktuellen Umfragen stützen rund 80 Prozent der republikanischen Kernwähler den Iran-Kurs der Trump-Regierung. Heinisch folgert klar: «Ich sehe derzeit keine substanzielle Veränderung der politischen Lage.»
Harte Kernbasis bleibt stabil
Entscheidend sei Trumps stabile Kernwählerschaft. Diese liege bei etwa 30 Prozent aller Wähler. «Um diese Kernschichten zu verlieren, müsste deutlich mehr passieren», erklärt Heinisch.
Viele Anhänger lebten in einem eigenen Informationssystem. Sie filterten Nachrichten entsprechend, erhalten nur News aus der eigenen Filterblase. Nur eine massive wirtschaftliche Erosion könnte diese Gruppen zu einem Umdenken bewegen.
Ein zentraler Faktor bleibt die Person Trump selbst. Viele Anhänger seien emotional an ihn gebunden. Heinisch sagt: «Sie empfinden eine emotionale Bindung zu jemandem, der ihnen als Erlöserfigur erscheint.»
Häufig liege die Bindung auch darin, dass Trump Dinge ausspreche, an denen viele selbst verzweifeln. «Nicht unbedingt, weil er die Probleme löst, sondern weil er sie in einer Weise artikuliert, die ihren Frust spiegelt.» Das stärke die Loyalität zusätzlich.
Antisemitismus kein neues Phänomen
Auch antisemitische Tendenzen innerhalb der Maga-Bewegung überraschen Heinisch nicht. Solche Strömungen existierten schon länger. «Es gibt dort offen rechtsextreme, teils neonazi‑affine Gruppen.»
Dass der Antisemitismus intensiver wird, sobald nach einem Sündenbock gesucht werde, sei möglich, sagt Heinisch. «Bislang ist es aber politisch noch zu unterschwellig, um wahlstrategisch nennenswerte Auswirkungen zu entfalten.»
Folgen für die Midterms
Trotz dieser stabilen Basis sieht Heinisch bei den Mid-Terms Anfang November Risiken für die Republikaner. «Insgesamt gehe ich derzeit davon aus, dass die Republikaner das Abgeordnetenhaus knapp verlieren werden.»
Dafür sprächen mehrere Indizien: Die Rücktrittswelle republikanischer Abgeordneter, die sichtbare Nervosität innerhalb der Partei angesichts des aktuellen Chaos, die anhaltend negative wirtschaftliche Entwicklung.

Auch die Mobilisierung könnte leiden. Dazu kämen die langfristigen Trends, die bei Zwischenwahlen in der Regel gegen die Partei im Amt laufen. Sprich: Die Partei, die aktuell den Präsidenten stellt, verliert eigentlich immer Wähleranteile.
Dieser mögliche Wahlsieg der Demokraten stehe für Heinisch jedoch unter zwei Vorbehalten: Erstens die Neuzeichnung der Wahlbezirke in verschiedenen Bundesstaaten und die noch offenen juristischen Auseinandersetzungen dazu.
Kein echter Republikaner wählt plötzlich den Feind
Zweitens das von Trump angekündigte neue Bundeswahlgesetz, das zahlreiche Personen von der Wahl ausschliessen würde. Allerdings ist völlig unklar, ob dieses Gesetz überhaupt den Kongress passieren kann. Und welche Folgen sich im Anschluss ergeben würden.
Ganz grundsätzlich erwartet Heinisch indes kein Abwandern der Republikaner zu den Demokraten: «Jemand, der aufgrund des Irankriegs (oder anderer Entwicklungen) über Trump verärgert ist, wählt deshalb nicht automatisch den Feind – die Demokraten.»
Im Zweifel entscheide sich ein solcher Wähler immer noch für das aus seiner Sicht kleinere Übel. Und das wäre weiterhin Trump.



















