Topskorer: Markus Granlung – «Die beste Linie Europas»
PostFinance hat Mitte März bei der traditionellen Topskorer-Ehrung den Genf-Servette-Stürmer Markus Granlund als Topskorer der Liga ausgezeichnet.

Auf der Zielgeraden überholte Markus Granlund den HCD-Star Matej Stransky und schwang sich zum Liga-Topskorer auf. Er ist der lebende Beweis dafür, dass Servette mit seiner aggressiven Rekrutierungspolitik unter finnischen Spielern eine gute Partie macht.
Die Linie mit ihm, Jesse Puljujärvi und Sakari Manninen harmoniert so gut, dass der Sportchef Marc Gautschi ihr einen Ritterschlag erteilt.
Im August 2021 verpflichtet Servette mit dem finnischen Center Valtteri Filppula einen Star: Filppula ist langjähriger NHL-Veteran und Mitglied im erlauchten «Triple Gold Club»: Stanley Cup-Sieger, Weltmeister und Olympiasieger. Was folgt, ist das, was die Wissenschaft als Kettenreaktion beschreibt.

Ein hochkarätiger Finne nach dem anderen landet in Genf: Im September 2021 der Offensivverteidiger Sami Vatanen, im August 2022 der spätere Torschützenkönig Teemu Hartikainen, im Mai 2023 Sakari Manninen, im Mai 2024 Markus Granlund und im Juli 2025 Jesse Puljujärvi.
Servette profitiert davon, dass die KHL für finnische Spieler seit dem Beginn des russischen Angriffkriegs auf die Ukraine von Februar 2022 tabu ist: Auch in der laufenden Saison spielt kein einziger Finne in der KHL; Jokerit Helsinki hat sich 2022 ins heimische Ligasystem zurückgezogen.
Bei der in Genf gelandeten Kolonie an Finnen handelt es sich ausnahmslos um Stars; bis auf Manninen haben alle eine ausgedehnte NHLVergangenheit. Wie kommt das?
Hat es damit zu tun, dass der Servette-Sportchef Marc Gautschi als Jüngling einst eine Saison in der zweiten finnischen Liga verteidigte, der Mestis, bei Kokkolan Hermes in der Saison 2002/03 und dort so viele Seilschaften aufbaute, dass die besten Finnen automatisch bei ihm landen?
«Ach was», sagt Gautschi lachend, «das hat mit meinem Finnland-Jahr überhaupt nichts zu tun. Filppula hat den Anfang gemacht. Und es lief für beide Seiten so gut, dass sich das herumgesprochen hat.»
Unter Peltonen ist Servette wieder ein Titelkandidat
Tatsächlich kommt es immer wieder vor, dass die Spieler einander gleich selbst zu rekrutieren versuchen – und beim Management ihre Wünsche deponieren. Hartikainen und Manninen spielten einst für Salavat Yulajev Ufa, sie fanden dort eindrücklich zur Entfaltung. Zu ihren Teamkollegen zählten:
Der Schwede Linus Omark, der 2020/21 und 2022/23 ebenfalls für Servette stürmte. Und Granlund, der 2022 von Ufa nach Lugano weiterzog. Dort riss er sich im Dezember 2023 das Seitenband im linken Knie und fiel monatelang aus. Was Lugano scheinbar davon Abstand nehmen liess, seinen Vertrag zu verlängern.
Währenddem Hartikainen und Manninen aktiv für eine Wiedervereinigung des Trio Infernale aus Ufa-Tagen weibelten – sowohl bei Granlund wie bei Servette. Und tatsächlich: Im Mai 2024 gibt Servette den Zuzug Granlunds für zwei Jahre bekannt. Inzwischen ist der Vertrag vorzeitig bis 2028 verlängert worden.
Denn Granlund, in Oulu aufgewachsen und später bei IFK Helsinki ausgebildet, hat sich längst als einer der mitreissendsten Stürmer der Liga etabliert.
Am letzten Spieltag sicherte er sich dank zwei Treffern und zwei Assists bei einem 7:0-Sieg über ein sich bereits im Ferienmodus befindendes Kloten den Titel als Liga-Topskorer, währenddem Davos den eigentlich komfortabel in Führung liegenden Matej Stransky schonte.
Wie wichtig war Granlund diese Auszeichnung, die seit dem kanadischen Center und Hobby-Skateboarder Matt Lombardi 2013/14 kein Servettien mehr gewinnen konnte? Granlund steht in der Lobby der Berner Festhalle, wo der Sponsor PostFinance Mitte März zur traditionellen Topskorer-Ehrung geladen hat.

«Na ja», sagt Granlund, «ich sah eine Chance und habe sie ergriffen. In der ersten Drittelspause des Kloten-Spiels hat mir ein Teamkollege gesagt, dass Stransky nicht spielt. Da habe ich gedacht: Versuchen wir es.»
Die individuelle Auszeichnung war die temporäre Krönung einer Saison, die für Granlund und Servette kompliziert begann. Nach zwei beschämenden Auftritten, einem 0:11 in Lausanne und einem 0:8 in Biel, war der französische Headcoach Yorick Treille seinen Job los.
Treille, an der WM 2025 mit Frankreich abgestiegen, war ohnehin nur ein Platzhalter, bis im Sommer der aktuelle schwedische Nationalcoach Sam Hallam übernimmt.
Er wurde durch Ville Peltonen – 2004 als Stürmer in Lugano selbst noch Liga-Topskorer (schon damals von der PostFinance gesponsert – zuvor hatte es sich bis 2002 um die «UBS Key Player» gehandelt) – ersetzt, der das Team zu stabilisieren vermochte und für die kommende Saison als möglicher Cheftrainer des SC Bern im Gespräch ist.
Unter Peltonen erstarkte der Champion von 2023, nachdem er zuletzt trotz eines hoch veranlagten, teuren Kaders bitter enttäuschte: 2024 und 2025 fanden die Playoffs ohne Servette statt.

Nun gehört das Team erneut zu den meistgenannten Titelkandidaten. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Servette seine anhaltenden Torhüterprobleme mit der Rückkehr von Stéphane Charlin gelöst hat. Und natürlich ist bei der Renaissance dieser Mannschaft auch Granlund ein wichtiger Faktor.
Wenn man den Manager Gautschi nach dem Erfolgsgeheimnis des Stürmers fragt, erhält man diese Antwort: «Er ist ein Musterprofi, ein geborener Leader. Und natürlich hilft es, dass er mit Manninen und Puljujärvi spielt. Die drei bilden zusammen die beste Linie in Europa.»
Was die Skorerliste angeht, stimmt das fraglos: Puljujärvi landete auf Platz 3, Manninen auf Rang 6.
Markus Granlund
Nationalität: FIN
Geboren: 16. April 1993
Grösse: 180 cm
Gewicht: 85 kg
Stock: links
Bei Genf-Servette HC seit: 2024
Vertrag bis: 2028
Bisherige Klubs: HC Lugano (NL), Salavat Yulaev (KHL), Bakersfield Condors (AHL), Edmonton Oilers (NHL), Vancouver Canucks (NHL), Stockton Heat (AHL), Calgary Flames (NHL), Adirondack Flames (AHL), Abbotsford Heat (AHL), HIFK Helsinki (SM-Liiga)
Granlunds Bruder verdient sieben Millionen Dollar pro Saison
Doch es ist eine Aussage, die schon nur in Zürich kontrovers diskutiert werden dürfte, weil beim ZSC ja das kongeniale Trio Andrighetto/ Balcers/Malgin wirbelt. Aber fraglos ergänzen sich die drei Finnen prächtig. Wie finden sich die finnischen Exporte in Genf eigentlich zurecht?
Granlund sagt: «Von Zuhause vermisse ich die Saunakultur. Aber man kann sich auch hier arrangieren.» Hat er inzwischen ein finnisches Restaurant entdeckt, das Rentiergeschnetzeltes und Piroggen serviert? «Bis jetzt nicht …», sagt er. Granlund ist weit gereist, er hat kein Problem, sich fernab der Heimat zurechtzufinden, während der Saison.
Im Sommer zieht es ihn zurück nach Hause, zum Fliegenfischen. Aber in seinem Job war er seit 2012/13 nicht mehr in Finnland engagiert. Die Calgary Flames drafteten ihn 2011 in der zweiten Runde an 45. Position. In sieben Jahren bestritt er für Calgary, Vancouver und Edmonton 335 NHL-Partien.

Es ist eine respektable Bilanz, aber sie wird von seinem um ein Jahr jüngeren Bruder Mikael bei weitem übertroffen: Auch Mikael ist Stürmer, er hat inzwischen mehr als 1000 NHL-Partien bestritten und verdient bei den Anaheim Ducks derzeit sieben Millionen Dollar pro Saison. Daneben wirkt er als «Senior Advisor» bei seinem Ex-Klub IFK Helsinki, dem letztjährigen Spengler Cup-Teilnehmer.
Ist es denkbar, dass die beiden Brüder dereinst gemeinsam ihre Karriere in Helsinki beenden, dort, wo sie schon vor knapp 15 Jahren Seite an Seite stürmten? Granlund sagt: «Ich habe bei Servette einen Vertrag bis 2028. Wer weiss, was danach kommt. Aber schön wäre es schon, noch einmal mit ihm zu spielen.»
Vorher soll mit dem Genève-Servette HC der Meistertitel her. Granlund hat in seiner Karriere viele Erfolge gefeiert, 2022 etwa den Gewinn von Olympiagold mit Finnland. Eine Meisterschaft steht noch nicht in seinem Palmarès. Granlund ist guter Dinge, dass sich das schon in diesem Frühjahr ändert. Er sagt: «Wir haben in unserer Mannschaft alles, um den Titel zu gewinnen.»
Die Liga-Topskorer der letzten 15 Jahre:
2025/26 Markus Granlund (FIN), Servette-Genf HC, 54 Punkte
2024/25 Austin Czarnik (USA), SC Bern, 56 Punkte
2023/24 Marcus Sörensen (Schweden), Fribourg-Gottéron, 63 Punkte
2022/23 Roman Cervenka (Tschechien), Rapperswil-Jona Lakers, 59 Punkte
2021/22 Roman Cervenka (Tschechien), Rapperswil-Jona Lakers, 64 Punkte
2020/21 Jan Kovar (Tschechien), EV Zug, 63 Punkte
2019/20 Pius Suter (Schweiz), ZSC Lions, 53 Punkte
2018/19 Dominik Kubalik (Tschechien), HC Ambri-Piotta, 57 Punkte
2017/18 Dustin Jeffrey (Kanada), Lausanne HC, 57 Punkte
2016/17 Mark Arcobello (USA), SC Bern, 55 Punkte
2015/16 Pierre-Marc Bouchard (Kanada), EV Zug, 67 Punkte
2014/15 Fredrik Pettersson (Schweden), HC Lugano, 69 Punkte
2013/14 Matthew Lombardi (Kanada), Genève-Servette HC, 50 Punkte
2012/13 Linus Omark (Schweden), EV Zug, 69 Punkte
2011/12 Damien Brunner (Schweiz), EV Zug, 60 Punkte








