Warum dieser Roadtrip-Klassiker noch immer begeistert
Die USA bieten ideale Roadtrips. Eine klassische Route führt von Las Vegas über den Zion-Nationalpark bis zum Grand Canyon.

Soll man derzeit überhaupt in die USA reisen? Die politische Lage polarisiert und Berichte über strengere Einreisekontrollen sorgen für Verunsicherung. Das hinterlässt Spuren: Im ersten Halbjahr 2026 lagen die internationalen Besucherzahlen 4,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
An der landschaftlichen Faszination des Landes ändert das wenig. Kaum irgendwo zeigt sie sich eindrücklicher als im amerikanischen Südwesten. Wir haben uns deshalb entschieden, es selbst auszuprobieren.
Dafür wählten wir einen echten Roadtrip-Klassiker im amerikanischen Südwesten: Von Las Vegas über den Zion National Park zum Grand Canyon und auf der legendären Route 66 zurück nach Nevada.
Die erste positive Überraschung erlebten wir bereits bei der Ankunft. Nach dem Nonstop-Flug mit Edelweiss von Zürich nach Las Vegas verlief die Einreise schnell und völlig unkompliziert.
Wenige Fragen, freundliche Beamte, und kurze Zeit später standen wir mit unserem Gepäck in der Ankunftshalle. Natürlich ist das eine Momentaufnahme und keine Garantie dafür, dass jede Einreise gleich verläuft.
Unsere persönliche Erfahrung unterschied sich jedoch deutlich von manchem Szenario, das derzeit in europäischen Medien diskutiert wird. Spätestens als wenige Tage später die roten Felswände des Zion Canyon in der Ferne zu sehen sind, rückte die politische Grosswetterlage ziemlich weit in den Hintergrund.
Las Vegas als Ausgangspunkt
Bevor der Mietwagen zum Einsatz kommt, lohnt sich ein zweitägiger Aufenthalt in Las Vegas. Ein Auto ist dafür nicht nötig: Entlang des Strips lassen sich viele Attraktionen zu Fuss erreichen, für grössere Distanzen stehen Uber und Lyft zur Verfügung.
Als Ausgangspunkt haben wir das Paris Las Vegas gewählt. Der Eiffelturm des Resorts steht direkt gegenüber den Bellagio Fountains.

Dass sich Las Vegas als Entertainment-Metropole laufend neu erfindet, zeigt insbesondere die AREA15. Der Erlebnis-Komplex etwas abseits des Strips beherbergt unter anderem Meow Wolfs surrealen Omega Mart.
Wir entschieden uns zusätzlich für Interstellar Arc, eine immersive Experience, die ihre Besucher für rund eine Stunde auf eine virtuelle Reise durch den Weltraum schickt. Technisch ist das Erlebnis so gut gemacht, dass man zeitweise vergisst, mit einer VR-Brille durch eine Halle in Nevada zu laufen.
Am Abend zeigt sich, dass auch langjährige Vegas-Institutionen nichts von ihrer Wirkung verloren haben. «Mystère» von Cirque du Soleil wird im Treasure Island bereits seit den frühen 1990er-Jahren aufgeführt.
Die Mischung aus Akrobatik, Musik, Humor und spektakulären Bühnenbildern funktioniert auch mehr als drei Jahrzehnte später. Fürs Dinner lohnt sich das Ramsay's Kitchen im Harrah's Las Vegas. In der offenen Küche kann man den Köchen bei der Arbeit zuschauen.
Mit dem Mietwagen nach Utah
Den Mietwagen bereits bei der Ankunft zu übernehmen, ist nicht nötig. Sinnvoller ist es, ihn erst unmittelbar vor Beginn des Roadtrips im Rental Car Center beim Flughafen Las Vegas abzuholen. Von dort führt die erste Etappe nach Springdale in Utah.
Für die rund 260 Kilometer sollte man ungefähr drei Stunden einplanen. Schon unterwegs verändert sich die Szenerie: Die Wüste Nevadas verschwindet langsam und immer häufiger tauchen rote und orangefarbene Felsen auf.
Springdale liegt spektakulär zwischen den Felswänden direkt am Eingang zum Zion-Nationalpark und eignet sich hervorragend als Basis für mehrere Nächte.
Mit dem E-Bike durch den Zion Canyon
Für den ersten Tag empfiehlt sich eine E-Bike-Tour. Sie bietet eine entspannte Möglichkeit, sich einen Überblick über den Nationalpark zu verschaffen. In weniger als einer Stunde gelangt man weit in den Zion Canyon hinein.
Mit dem warmen Fahrtwind im Gesicht rollten wir durch das Tal, während links und rechts die fast senkrechten Sandsteinwände in den Himmel ragten. Man kann jederzeit anhalten, fotografieren und bekommt gleichzeitig ein Gefühl für die Dimensionen des Parks.
Das Besondere: Während der Shuttle-Saison ist die Zion Canyon Scenic Drive für den normalen Privatverkehr gesperrt. Auf dem E-Bike teilt man sich die Strasse deshalb fast nur mit den regelmässig verkehrenden Park-Shuttles und anderen Velofahrern.

Kleiner Tipp: Beim Parkeingang wird der Eintritt fällig. Wer auf einer USA-Reise mehrere Nationalparks besucht, sollte prüfen, ob sich der «America the Beautiful»-Jahrespass lohnt.
Für internationale Gäste kostet er seit 2026 250 US-Dollar und ermöglicht während eines Jahres den Zugang zu mehr als 2’000 staatlich verwalteten Erholungsgebieten, darunter die grossen Nationalparks.
Unter dem Sternenhimmel von Utah
Wenn die Sonne hinter den Felswänden verschwindet, zeigt Zion eine völlig andere Seite. Bei einer geführten Stargazing Zion Tour liegt man gemütlich auf Kissen und Decken und blickt in den Nachthimmel.
Ein Guide erklärt Neugierigen die Sternbilder, Planeten und andere Phänomene am Himmel. Durch die geringe Lichtverschmutzung sind wesentlich mehr Sterne sichtbar als in dicht besiedelten Gebieten Europas.
Ein erstaunlich simples Erlebnis und gerade deshalb eines jener, die uns besonders in Erinnerung geblieben sind.
Wandern im Virgin River
Am nächsten Morgen tauschten wir die E-Bikes gegen wasserdichte Wanderschuhe. Die Narrows gehören zu den bekanntesten Naturerlebnissen im Zion-Nationalpark und sind im wahrsten Sinne des Wortes eine Wanderung im Fluss.
Die passende Ausrüstung lässt sich in Springdale mieten. Wasserdichte Wanderschuhe und vor allem ein stabiler Stock sind empfehlenswert, denn auf den runden Steinen im Virgin River kann es rutschig werden.

Vom Ende des Riverside Walk geht es direkt ins Wasser. Mit jedem Schritt rücken die Felswände näher zusammen, teilweise bleibt über einem nur noch ein schmaler Streifen Himmel sichtbar.
Wir liefen rund eineinhalb Stunden flussaufwärts und kehrten anschliessend auf demselben Weg zurück. Das reicht bereits für einen Einblick in diese aussergewöhnliche Schlucht.
Von Utah nach Arizona
Die nächste Etappe mit dem Auto Richtung Grand Canyon ist mit fünf bis sechs Stunden die längste der Rundreise. Ein Zwischenstopp, für den man genügend Zeit reservieren sollte, liegt bei Page: Der Horseshoe Bend.
Vom grossen Besucherparkplatz führt ein gut ausgebauter Weg in etwa 15 Minuten zum Aussichtspunkt. Auf den letzten Metern öffnet sich plötzlich die Landschaft und gibt den Blick auf den Colorado River frei, der rund 300 Meter tiefer seine berühmte Hufeisenkurve durch den roten Sandstein zieht.

Das Panorama ist spektakulär und entsprechend beliebt für Fotos. An Teilen der Felskante gibt es allerdings keine Absperrungen.
Ein gesunder Sicherheitsabstand ist hier definitiv wichtiger als das perfekte Selfie. Nach dem Sightseeing-Stopp geht es mit dem Auto weiter nach Tusayan am South Rim des Grand Canyon.
Grand Canyon im Abendlicht
Kaum ein Naturwunder ist so oft fotografiert worden wie der Grand Canyon. Und trotzdem kann einen niemand auf den Moment vorbereiten, in dem man zum ersten Mal über den Rand blickt.
Einen guten Einstieg bietet der IMAX-Film «Grand Canyon: Rivers of Time» im Visitor Center von Tusayan. Danach entschieden wir uns für die rund zweieinhalbstündige Pink Jeep Desert View Sunset Tour.
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Auf der Tour fahren die Guides verschiedene Aussichtspunkte entlang des South Rim an und erzählen unterwegs von Geologie, Tierwelt und Geschichte des Canyons. Gerade für Erstbesucher ist das angenehm: Statt selbst nach den besten Viewpoints zu suchen, wird man gezielt zu interessanten Stellen gebracht.
Wir starteten gegen 17.30 Uhr. Als die Sonne langsam tiefer sank, begann sich der Canyon minütlich zu verändern. Aus Beige wurde Orange, aus Orange Rot, Die Schatten wurden länger.
Auch wenn wir den Grand Canyon zuvor unzählige Male auf Bildern gesehen hatten: Vor dieser Kulisse zu stehen, ist eine andere Erfahrung.
Route 66 statt Interstate
Für die Rückfahrt nach Las Vegas gibt es schnelle Wege. Wir entschieden uns bewusst für Teile der Route 66. Ein besonders schöner Stopp ist Williams.
Historische Häuserfassaden, Neonreklamen, Diners und Motels erinnern an jene Zeit, als die «Mother Road» eine der wichtigsten Verbindungen durch den amerikanischen Westen war.
Noch skurriler wird es in Seligman. Ein Lunch bei Delgadillo's Snow Cap gehört hier praktisch zum Pflichtprogramm.
Das Kultlokal wurde 1953 eröffnet und ist ein Sammelsurium aus alten Autos, Schildern und amerikanischem Humor. Burger und Milkshakes gehören genauso zum Erlebnis wie die Inszenierung rundherum.

Weiter westlich wartet Kingman. Im historischen Powerhouse erzählt das Route 66 Museum die Geschichte der legendären Strasse und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Region.
Nach Tagen voller gewaltiger Natur ist dies ein spannender letzter Blick auf die Geschichte des amerikanischen Roadtrips. Von Kingman sind es noch knapp zwei Stunden bis Las Vegas.
Neun bis zehn Tage wären ideal
Wir haben die gesamte Runde in sechs Tagen geschafft. Wer die Zeit hat, sollte sich aber neun bis zehn Tage gönnen. Vor allem im Zion-Nationalpark und am Grand Canyon lohnt sich eine zusätzliche Nacht für weitere Wanderungen oder spontane Stopps.
Auch für Roadtrip-Neulinge ist die Strecke problemlos machbar. Die Strassen sind gut ausgebaut und die Navigation unkompliziert. Empfehlenswert sind Offline-Karten für Gebiete ohne Mobilfunkempfang und vor allem ausreichend Wasser im Auto.
Das Ende unserer Reise war besonders unkompliziert. Wir fuhren direkt zum Rental Car Center beim Flughafen Las Vegas, gaben den Mietwagen zurück und nahmen den kostenlosen Shuttlebus zum Terminal. Wenig später sassen wir bereits in der Edelweiss-Maschine Richtung Zürich.
Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst auf «Travelnews.ch» publiziert.








