Der Titlis gilt international als ganz besonderer Skiberg. Weshalb? Nau war mit Skilehrer-Experte Kilian Weibel unterwegs, um es rauszufinden.
Unterwegs mit Kilian Weibel.
Unterwegs mit Kilian Weibel. - Beat Eichenberger

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Titlis zieht Touristen aus aller Welt an.
  • Wohl kaum einer kennt die Gegend so gut wie Kilian Weibel.
  • Auf Instagram begeistert der versierte Skilehrer Zehntausende mit seinen Tricks.
  • Wir waren mit dem Profi auf und neben der Piste unterwegs.

Am Vortag fielen in der Höhe dreissig bis vierzig Zentimeter Neuschnee. Die Morgensonne vertreibt die letzten Wolken und Nebelbänke.

An der Talstation des Titlis-Express dominieren die Freerider mit ihren breiten Skis und Rucksäcken. Sie haben nur ein Ziel: Erste Fahrten im noch unverspurten Gelände.

Mit Kilian Weibel geht es vorerst zu einer Aufwärmrunde auf den hervorragend präparierten Pisten bei Stand und am Laubersgrat.

«Achte auf die Dynamik der Schwungauslösung», so ein wertvoller Tipp. Auch an der Körperspannung kann noch gefeilt werden.

Dann erste Schwünge in kurzen Neuschneehängen neben der Piste: «Die Skier etwas ausgeglichener belasten, sanft hochentlasten», empfiehlt Kilian. Das Erlebnis in der verzauberten Berglandschaft von Engelberg ist grossartig.

Ein Ausnahmekönner

Kilian Weibel weiss ohne Zweifel, wovon er spricht. Aufgewachsen in Dallenwil, steht er seit Kindsbeinen auf den Ski. Er strebte einst eine Karriere als Rennfahrer an.

Diesen vielversprechenden Traum musste er aber früh verletzungsbedingt aufgeben. «Ich nahm mir deshalb vor, als Skilehrer das Maximum zu erreichen», macht Kilian kein Geheimnis aus seiner Motivation.

Von Verbissenheit kann aber nicht die Rede sein – im Gegenteil: Seine coole, lockere Art zeugt von grosser Leidenschaft für den Skisport.

Seit 16 Jahren ist Kilian Weibel nun als Skilehrer der Schweizer Skischule Engelberg Titlis tätig. Heute ist er Technischer Leiter der Skischule und auf nationaler Ebene als Ausbildner tätig.

Auch als Mitglied des Swiss Snow Demo Teams gehört er zur absoluten Elite der Schneesportler. Und er weiss sich smart zu vermarkten: Mit Videos und auf Instagram begeistert er weltweit Tausende von Fans.

Der besondere Skiberg

Mit der Rotair-Gondel geht es von Stand auf 2428 Meter hoch bis 3020 Meter. Der Titlis kann zwar nicht mit einer unverkennbaren Silhouette wie das Matterhorn oder das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau aufwarten.

Doch dies tut der Popularität des Berges keinen Abbruch. Im Sommer beliebtes Ausflugsziel mit ewigem Schnee, bietet der Gletscher von Oktober bis Mai die längste Skisaison der Schweiz.

Über eine Passage unterhalb des Hauptgipfels steuert Kilian einen noch weitgehend unverspurten Hang an. «Ein guter Rhythmus ist hilfreich», sagt er und legt gekonnt vor.

Schwung an Schwung stiebt auch bei den nachfolgenden Fahrern der Schnee auf. Ein leichtes, schwebendes Hochgefühl kommt auf – ja, das ist es!

Freeriden am Titlis.
Freeriden am Titlis. - Beat Eichenberger

«Der Titlis ist ein sehr schneesicherer Skiberg. Dazu tragen auch die nordseitig ausgerichteten Hänge und Pisten bei», charakterisiert Kilian sein Heimrevier. Der Berg ist aber auch recht anspruchsvoll: Vom Gletscher führt nur die schwarze Rotegg-Piste in die tieferen Lagen.

Zwischen Stand und Trübsee schlängeln sich rote und schwarze Abfahrten durch das coupierte Gelände. Diese Vielseitigkeit garantiert viel Fahrspass.

«Wer Lust hat, der legt vom Titlis bis Engelberg 2000 Höhenmeter in einem Zug auf der Piste zurück», ergänzt Kilian.

Das Freeride-Eldorado

In der internationalen Freeride-Szene ist Engelberg aber für die attraktiven Tiefschnee-Varianten bekannt. Am Titlis der Steinberg, der Galtiberg oder das Laub.

Und drüben am Jochstock das Steintäli oder das Sulz heissen die berühmten «Big Five». Sie verlangen nicht nur fahrerisches Können, sondern zwingend auch gute Kenntnis des Geländes, der Schneebeschaffenheit und der möglichen Risiken.

Ein Freerider am Titlis.
Ein Freerider am Titlis. - zVg

«Dank modernem Material tummeln sich heute auch ungeübtere Fahrende neben der Piste», weist Kilian auf eine Schattenseite des Booms hin.

Dazu trägt auch bei, dass die Varianten mit einer Bergbahn erreichbar sind und keinen Aufstieg verlangen.

Gefahren nicht unterschätzen

Doch es lauern Gefahren: Gletscherspalten, Lawinen oder Abstürze fordern immer wieder Opfer. «Wenn man den Berg und die Verhältnisse nicht wie seine Hosentasche kennt, immer mit Skilehrer oder Bergführer fahren!» Die Empfehlung von Kilian fällt eindringlich aus.

Der Nachmittag rückt vor, zum Abschluss packen wir das Laub an. Diese Variante führt über 1200 Höhenmeter rückwärtig des Laubersgrats eine breite, oben recht steile Bergflanke hinunter zur Gerschnialp.

Die 3,2 Kilometer Tiefschnee sind ein traumhaftes, aber auch forderndes Unternehmen. Wenn die Oberschenkel brennen, weiss man: Der Titlis verlangt seinen Bezwingern einiges ab.

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