Am Donnerstag startet die erste rein virtuelle Ferienmesse. Mit ihrem Namen «Land in Sicht» verströmt sie Optimismus.
Virtueller Vortragsraum
Ein virtueller Vortragsraum. - Bild: PD

Das Wichtigste in Kürze

  • Noch kann man sich für die erste virtuelle Schweizer Messe «Land in Sicht» anmelden.
  • Zum Auftakt haben drei Experten über die künftige «Normalität» beim Reisen diskutiert.
  • 2023 soll das frühere Niveau des Tourismus wieder erreicht werden.

Von Donnerstag bis Sonntag findet die erste ausschliesslich virtuelle Ferienmesse der Schweiz statt. Sie nennt sich «Land in Sicht».

Cäsar Bolliger, Spezialist für digitale Transformation, ist der Initiant der Messe. Er ist zuversichtlich, dass Reisen bald wieder möglich sein wird, wenn auch unter geänderten Bedingungen.

Mit der Messe will Bolliger «einen starken Impuls setzen. Reiselust und Nachholbedarf sind enorm».

Cäsar Bolliger, Messeleiter
Cäsar Bolliger, Initiant und Messeleiter der virtuellen Ferienmesse. - Bild: PD

Zum Auftakt der Messe haben am Montag drei hochkarätige Touristiker über die Situation der Reiseanbieter und die Zukunft des Reisens diskutiert.

Dieter Zümpel, CEO von DER Touristik Suisse (Kuoni, Helvetic Tours und viele spezialisierte Anbieter); Deniz Ugur, CEO von Bentour Reisen (Türkei-Spezialist) und digitaler Branchen-Innovator; Karim Twerenbold, VR-Präsident Twerenbold Reisen und Experte für Pauschal-, Gruppen- und Carreisen sowie Flusskreuzfahrten.

Moderiert wurde die Runde von Jean-Claude Raemy, dem Chefredaktor des digitalen Branchenmagazins «Travelnews».

Wie gross ist Ihre Reiselust?

Die Reisebranche steckt in der «grössten Krise seit den beiden Weltkriegen», wie Dieter Zümpel bemerkte. Sogar von der «Mutter aller Krisen» sprach Deniz Ugur.

Nicht nur die globale Pandemie selber sorgt für extreme Unsicherheit und massivste Umsatzrückgänge von mehr als 70 Prozent bei Twerenbold und DER.

Auch die permanenten Änderungen und viele als willkürlich empfundene Weisungen des BAG schaffen «enorme Unsicherheit», so Zümpel. Momentan sei das Tourismusgeschäft kaum planbar.

Touristiker an der Pressekonferenz
Am Montag diskutierten Touristiker an einer Medienorientierung. - Bild: PD

Die Branche habe diese Zeit jedoch nicht untätig hinter sich gebracht, betonten die Gesprächsteilnehmer: Strikte Schutzkonzepte wurden erarbeitet.

Twerenbold Reisen installierte zum Beispiel in allen Reisebussen und auf allen Flussschiffen Ionisierungsanlagen, welche Viren abtöten.

Die Sicherheit der Gäste hat bei allen seriösen Reiseunternehmen Priorität. Wichtig sind aber auch die Mitarbeitenden. Bei DER z. B. wurden sie weitergebildet, um künftig mit Kunden noch besser auf digitalen Kanälen und in den Social Media kommunizieren zu können.

2023 zurück zur Normalität?

In der Krise merke der Mensch, «wie wichtig und positiv Urlaub ist», meinte Deniz Ugur. Die Tourismusbranche werde deshalb «nach der Krise so bedeutsam sein wie nie zuvor».

Und dabei gehe es nicht nur um das Ferienvergnügen. Sondern auch darum, dass der Tourismus weltweit eine wirtschaftlich äusserst wichtige Branche ist: Er erbringt elf Prozent aller Wirtschaftsleistungen. Wenn er ausfällt, verarmen ganze Landstriche.

Die grosse Frage ist deshalb, wann im Tourismus wieder Normalität eintreten wird. Im Sommer 2021 wird es eine gewisse Erholung auf relativ tiefem Niveau geben. Die Unsicherheit bei den Anbietern, den Destinationen und den Kunden ist immer noch gross.

Die Planbarkeit leidet unter den oft als willkürlich empfundenen Regeln bezüglich Impfungen, Tests und Quarantäne. Und das nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Europa, wo jedes Land seine eigenen Regeln erlässt. «Für den nächsten Winter bin ich etwas optimistischer», sagte Zümpel.

Dank Sicherheitsvorkehren, Teststrategien und wirksamen Impfungen könnte der Tourismus 2023 wieder das ursprüngliche Niveau erreichen, hoffte die Talk-Runde.

Vielfältige Aussteller

Die virtuelle Ferienmesse findet am Donnerstag und Freitag, 22. und 23. April, von 14 bis 22 Uhr, am Samstag, 24. und Sonntag, 25. April, von 12 bis 20 Uhr statt. Zahlreiche Reiseveranstalter und -büros werden sich bei «Land in Sicht» den Besucherinnen und Besuchern präsentieren.

Eingang zur digitalen Ferienmesse
Die virtuelle Ferienmesse «Land in Sicht» öffnet am Donnerstag ihre Tore. - Bild: PD

Darunter sind grosse Veranstalter wie DER Touristik Suisse, Hotelplan, TUI Suisse, Globetrotter-Gruppe, Knecht Reisen und Twerenbold. Aber auch spezialisierte Anbieter wie Let’s go Tours, Tourasia, Kira Travel oder Smeraldo Tours sowie Destinationsvertretungen aus aller Welt.

Daneben ist die Kreuzfahrtbranche prominent vertreten: AIDA, e-hoi, Hapag-Lloyd, Reisebüro Mittelthurgau und Thurgau Travel. Initiator Cäsar Bolliger ist «sehr zufrieden mit dieser Vielfalt an Ausstellern».

Modernste 3-D-Technik

«Land in Sicht» ist eine browserbasierte, virtuelle Erlebniswelt in 3-D. Sie ähnelt damit einem ausgeklügelten Computerspiel. Die Gestaltung der «Land in Sicht» ist einer echten Messe nachempfunden. Vier Messehallen mit 39 Messeständen und zwölf Vortragsräume können besucht werden.

Avatare an der Ferienmesse
Messebesuch als Avatar. - Bild: PD

Wer sich einloggt, bekommt einen Avatar zugeteilt – eine Spielfigur, die sich durch den virtuellen Raum bewegt. Per Computermaus oder Tastatur wird sie von der realen Persona am PC, Tablet oder Smartphone gesteuert. Jeder kann seinen Avatar nach persönlichen Vorlieben gestalten: Geschlecht, Haarfarbe, Frisur, Outfit.

Wer sich in diesem virtuellen Raum bewegt, kann mit jedem in Kontakt treten. Man klickt einfach einen anderen Avatar an. Sofort werden dessen Name und bei den Reiseexperten Funktion und Spezialgebiet der realen Person angezeigt. Man kann mit ihr einen schriftlichen oder mündlichen Dialog starten.

Zudem besteht die Möglichkeit, in einen privaten Videocall zu wechseln. Dank einer Suchfunktion, «Matchmaking» genannt, findet man rasch den passenden Ansprechpartner für seine individuellen Bedürfnisse. Vorgesehen sind auch 550 Vorträge zu nicht weniger als 170 Themen. «Es ist das grösste und vielfältigste Vortragsprogramm, das Schweizer Ferienmessen je gesehen haben», betont Cäsar Bolliger.

«Dieser heutige Tag», das heisst der Auftakt zur virtuellen Ferienmesse, «macht mich wirklich glücklich», freut sich Deniz Ugur von Bentour.

Mehr zum Thema:

Smartphone Hotelplan Mutter Kuoni