Bremgarten statt Barcelona: Diese Schweizer Kleinstädte überraschen

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Grenchen,

Städtetrip muss nicht Metropole bedeuten. Neun Schweizer Kleinstädte zeigen, wie viel Geschichte, Genuss und Überraschungen in kleinen Orten stecken.

Bremgarten Stadt Aargau
Das von der Reuss umschlossene Städtchen Bremgarten ist ein Kleinod voller hübscher Geschäfte. - Bremgarten Tourismus/Michael Briner

Das Wichtigste in Kürze

  • Schweizer Kleinstädte bieten spannende Alternativen zu europäischen Metropolen.
  • Von historischen Altstädten über Street Art bis zu Rosen, Käse und Tessiner Bergwelten.
  • Neun Orte zeigen, dass für einen abwechslungsreichen Tag keine lange Reise nötig ist.

Barcelona, London oder Stockholm? Für einen spannenden Städtetrip muss man nicht zwingend ins Ausland. Diese neun Schweizer Kleinstädte überraschen mit historischen Schätzen, kulinarischen Entdeckungen und besonderen Geschichten.

Büren a.d. Aare BE

Ein Spaziergang durch das Altstädtchen von Büren an der Aare mit seinen bunten Fassaden ist ein wahrer Augenschmaus. Das ist kein Zufall. Die Farben wurden 1978 nach einem Farbrichtplan des Bürener Malers, Plastikers und Grafikers Peter Travaglini gewählt. Doch auch die Aare zieht an. Während auf der Holzbrücke die Autos dominieren, herrscht am Wasser Ruhe und Beschaulichkeit.

Büren an der Aare
Ein Spaziergang durch das Altstädtchen von Büren an der Aare mit seinen bunten Fassaden ist ein wahrer Augenschmaus. - Silvia Schaub

Kaum vorstellbar, dass Büren einst ein bedeutender Warenumschlagplatz war: Salz aus dem Burgund, Käse aus Brienz, Wein aus der Waadt. Vorbei am Egli-Egge (einst ein Hotspot zum Egli-Fischen) führt der Weg Richtung Naturschutzgebiet Häftli. Dabei passiert man auch den Gedenkstein des ehemaligen Polenlagers.

Ein spezielles Kapitel Schweizer Geschichte: Hier befand sich im Zweiten Weltkrieg das grösste Internierungslager, das sogenannte «Concentrationslager». Bevor man die rund dreistündige «Schloufe-Tour» unter die Füsse nimmt, lohnt sich vom Beobachtungsturm ein Blick auf den Altwasserarm der Aare, der durch die Juragewässerkorrektion stillgelegt wurde.

Lichtensteig SG

Schon erstaunlich, dass wir diesem Ort die Sekunde verdanken – genauer gesagt seinem einstigen Einwohner Jost Bürgi (1552-1632). Dem Uhrmacher und Entwickler der ersten astronomisch genutzten Sekundenuhr begegnet man in Lichtensteig auf Schritt und Tritt – etwa am Schabeggweg mit seinem Denkmal oder an der Hintergasse, wo er seine Lehre absolvierte.

Lichtensteig Toggenburg Städtchen
Lichtensteig haben wir die Sekunde zu verdanken. - Ein Spaziergang durch das Altstädtchen von Büren an der Aare mit seinen bunten Fassaden ist ein wahrer Augenschmaus.

Ebenfalls an der Hintergasse stösst man auf die Gall’schen Offizin im Erdgeschoss des «Schmalzhauses». Das ist nicht nur ein Museum, sondern stellt noch heute mit antiken Geräten und Schriftsätzen Urkunden und Karten her. Ein kurzer Abstecher aus dem historischen Städtchen lohnt sich ebenfalls: An der Uttenwilerstrasse arbeitet Willi Schmid, dessen Städtlichäsi weit über die Region hinaus bekannt ist – und vor allem eines: hervorragend schmeckt.

Gruyères FR

Wen wunderts, dass hier so vieles im Zeichen des Käses steht? Das mittelalterliche Städtchen Gruyères ist Namensgeber für die Region La Gruyère und des weltberühmten Gruyère AOP, der in der Region hergestellt wird. Doch vor dem Genuss steht ein Rundgang an: Das auf einem Hügel gelegene Städtchen verzaubert mit Kopfsteinpflasterstrassen und weiten Ausblicken.

Gruyères Käse Fribourg
Das mittelalterliche Städtchen Gruyères ist Namensgeber für die Region La Gruyère und des weltberühmten Gruyère AOP. - FTV/Yannick Romagnoli

Umso überraschender ist es, hier auch das Museum und die Bar des Künstlers und Oscarpreisträgers H.R. Giger zu entdecken. Seine fantastischen, teils apokalyptischen Werke sollte man sich unbedingt anschauen. Hungrig geworden? Dann muss es eine der berühmten Spezialitäten der Region sein: Chaletsuppe, Älplermagronen oder Fondue. Wer schon immer wissen wollte, wie man letzteres perfekt zubereitet, besucht am besten einen Kurs in der Fondue Academy.

Bremgarten AG

Wer unter dem Spittelturm mit der astronomischen Uhr hindurchtritt, fühlt sich wie in eine andere Zeit versetzt. Eine Filmkulisse? Die verwinkelten Gässchen mit ihren historischen Beschriftungen würden sich jedenfalls anbieten. Das von der Reuss umschlossene Städtchen ist ein Kleinod voller hübscher Geschäfte (unsere Favoriten: Freiämter Gelateria, Kabuff und Patané Home) und geschichtsträchtiger Häuser, etwa an der Antonigasse, wo einst der spätere französische König Louis-Philippe von Orléans wohnte.

Auch Reformator Heinrich Bullinger ist präsent: An der Marktgasse 22 wuchs der wohl berühmteste Bremgarter Bürger auf. Unten an der Reuss, beim Katzenturm, rankt sich zudem die Geschichte um die «weisse Frauengestalt», die in den Reussfluten verschwand, just als Bullinger mit Zwingli 1531 die Stadt durchs Katzentörli verliess. Ein düsteres Omen für dessen baldigen Tod in der Schlacht bei Kappel?

Le Locle NE

Wer auf dem Weg nach La Chaux-de-Fonds ist, sollte noch ein Stück weiterfahren – bis nach Le Locle. Die Uhrenstadt im Neuenburger Jura gehört wie diese zum UNESCO-Welterbe aufgrund ihrer einzigartigen Verbindung von Uhrenindustrie und Stadtplanung, steht aber oft etwas im Schatten ihrer Nachbarin.

Le Locle Street Art
Neben viel Uhrengeschichte und einer hübschen Altstadt hat sich in Le Locle eine lebendige Street Art-Szene entwickelt. - Silvia Schaub

Zu Unrecht: Neben viel Uhrengeschichte und einer hübschen Altstadt hat sich hier eine lebendige Street Art-Szene entwickelt. 2018 lancierte die Lokaljournalistin Sylvie Balmer und ihr Mann François das Projekt «Exomusée». Seither verwandeln international renommierte Künstler die Fassaden der Stadt.

Entstanden sind eindrückliche Murals wie «Grande Gentiane», «Jouer avec des bouts de ficelles» oder «Les gardiens du temps». Aktuell sind es 48 Gemälde, die entlang einer sich ständig verändernden Route durch Le Locle entdeckt werden können – oft mit Bezug zu lokalen Themen.

Stans NW

Zwar Hauptort im Kanton Nidwalden, sprechen die Stanserinnen und Stanser dennoch liebevoll von ihrem Dorf. Wer vom Bahnhof zum Dorfplatz geht, staunt über die intakte Altstadt mit der Pfarrkirche St. Peter und Paul, den beiden Beinhäusern, der Ölbergkapelle, dem Rathaus und dem Denkmal für den Helden Arnold von Winkelried.

Culinarium Alpinum Stans
Das ehemalige Stanser Kloster ist heute das Culinarium Alpinum – ein Hotel und Zentrum alpiner Kulinarik. - Timo Schwach

Gemütlich geht’s vorbei am Kloster St. Klara, an den Bürgerhäusern und dem Zeughaus bis zum Culinarium Alpinum – einem Zentrum alpiner Kulinarik. Am besten bleibt man gleich über Nacht in einem der 14 Zimmer des ehemaligen Klosters, geniesst die regionale Küche oder vertieft sich in einem Seminar. Auch kulturell wird in Stans einiges geboten: etwa an den Musiktagen, am Bergwelten-Filmfestival oder an den diversen Märkten.

Bischofszell TG

Während der Rosenblüte wird das Städtchen Bischofszell zum duftenden Hotspot. Dann zieht sich der Rosenduft durch alle Gassen, und man flaniert von Garten zu Garten. Sieben öffentlich zugängliche Rosengärten gibt es – und zahlreiche private Gärten. Besonders schön sind der Barocke Rosengarten, der Rosengarten Känzeli oder der Frauenrosengarten Lindenbänkli – der so heisst, weil hier alle Rosen einen Frauennamen tragen.

Bischofszell Rosen Thurgau
Während der Rosenblüte wird das Städtchen Bischofszell zum duftenden Hotspot. - Während der Rosenblüte wird das Städtchen Bischofszell zum duftenden Hotspot.

Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts galt das schmucke Städtchen als Rosenstadt, und seit der Gründung der Bischofszeller Rosen- und Kulturwoche im Jahr 2000 erst recht. Doch auch unabhängig davon lohnt sich ein Besuch der barocken Altstadt mit dem reich verzierten Rathaus oder der Kirche St. Pelagius aus dem 14. Jahrhundert.

Orbe VD

Von der einstigen Festung der Herren von Montfaucon ist in Orbe nur wenig erhalten – ein Rundturm und ein viereckiger Turm. Dafür bietet der grosse Vorplatz mit seinen Kastanienbäumen einen weiten Blick über das mittelalterliche Städtchen und das Waadtländer Mittelland. Der Weg dorthin führt über die malerische Pont du Moulinet von der Neuf-Bourg hinauf zur Vieux-Bourg durch enge Gässchen, vorbei am Marktplatz und zur Abtei, in der einst die erste orthopädische Klinik der Welt untergebracht war.

Orbe Waadt Städtchen
Kleine Boutiquen laden zum Flanieren ein. - ADNV/Lionel Bourgeois

Kleine Boutiquen laden zum Flanieren ein. Etwas nördlich von Orbe liegen zudem die römischen Mosaike bei Boscéaz aus dem 2. und 3. Jahrhundert – sie zählen zu den bedeutendsten nördlich der Alpen.

Biasca TI

Dank des Treno Gottardo bietet sich eine entspannte Alternative zu den oft etwas überfüllten Tessiner Städten Lugano und Locarno: Biasca. Das Städtchen am Knotenpunkt der Täler Leventina, Blenio und Riviera besitzt ein kleines, aber reizvolles Borgo. Die grosszügige Piazzetta beherbergt das Museo Casa Cavalier Pellanda. Ritter Giovan Battista Pellanda (1541-1615) liess sich hier ein repräsentatives Haus bauen und empfing illustre Persönlichkeiten wie Kardinal Federico Borromeo und den Erzherzog von Österreich.

Nur ein paar Schritte entfernt beeindruckt die Steinkirche San Carlo mit ihrer imposanten, kreuzförmigen Architektur. Ein Rundgang führt weiter hinauf zur Pfarrkirche San Pietro e Paolo – mit schönem Ausblick über Biasca.

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