10 Hängebrücken mit Aussicht
Von der familienfreundlichen Einsteigerbrücke bis zur luftigen Mutprobe: Diese zehn Hängebrücken zeigen die Schweiz von ihrer spannendsten Seite.

Das Wichtigste in Kürze
- Entdecke 10 atemberaubende Hängebrücken in der Schweiz.
- Von Einsteigerbrücken bis Adrenalinkicks – für jeden etwas dabei.
- Der Hängebrückenführer Schweiz bietet weitere Abenteuer-Tipps.
Hängebrücken sind mehr als nur Übergänge: Sie bringen Landschaften in Bewegung – und manchmal auch die eigenen Knie.
Wir stellen zehn Hängebrücken in der Schweiz vor, die Sie kennen sollten.
Charmey (FR)
Die Gwagglibrücke bei Charmey ist gleich aus zwei Gründen eine Einsteigerbrücke. Erstens braucht es für ihre Überquerung – sie ist 62 Meter lang – wenig Überwindung, und zweitens führt ein Wanderweg weiter in die wilde Jaunbachschlucht nach Broc hinunter. Start ist beim Coop in Charmey. Schon bald gelangt man nach Presqu’Ile, eine idyllische Halbinsel am Lac de Montsalvens. Und hier steht sie, die Gwagglibrücke.
Es schaukelt zwar ordentlich – aber alles halb so wild. Die Brücke führt nicht über eine tiefe Schlucht, sondern über einen fjordähnlichen Seitenarm des Sees. Danach folgt ein schmaler, meist leicht erhöhter Pfad dem Ufer entlang, bevor es in die Jaunbachschlucht geht. Allein die bizarren Felsformationen und Wasserfälle machen die Wanderung lohnenswert – und die erste kleine Mutprobe ist schnell verdaut.
Sattel Hochstuckli (SZ)
Schon die Gondel hinauf auf den Mostelberg hält eine Besonderheit bereit: Als erste Drehgondelbahn der Welt eröffnet sie einen schönen Rundumblick auf die Zentralschweizer Alpen mit den beiden Mythen, Rigi und Pilatus. Und oben wartet für Familien ein wahres Freizeitparadies – angefangen bei der Hüpfburganlage über die Rodelbahn «Stuckli Run» und die Tubingbahn bis zur Hängebrücke.

«Raiffeisen Skywalk» heisst sie, und das zu Recht. Direkt neben der Bergstation geht es auch schon los auf die 374 Meter lange Fussgängerbrücke, die in bis zu 58 Metern Höhe das wilde Lauitobel überspannt und Ausgangspunkt für diverse Wanderwege ist, wie zum Beispiel Richtung Rothenturm.
Mürren (BE)
Wer den Adrenalinkick sucht, trittsicher und schwindelfrei ist, sollte diese Hängebrücke nicht verpassen. Die Nepalbrücke zwischen Mürren und Gimmelwald ist definitiv nichts für Anfängerinnen und Anfänger. Sie ist Teil eines anspruchsvollen Klettersteigs mit Einstieg durch einen Stollen auf der Südseite der Tennisplätze in Mürren.

Die Route ist zwar gut gesichert, verlangt aber Erfahrung und sicheres Gehen in ausgesetztem Gelände. Ungeübte sollten die Tour nur gut ausgerüstet und idealerweise mit einem Guide angehen. Erst kurz vor Gimmelwald wartet die spektakuläre Brücke mit einer Höhe von 250 Metern: kaum einen halben Meter breit und entsprechend luftig. Für diese insgesamt zwei Kilometer lange Tour sollte man mindestens drei Stunden Zeit einplanen.
Someo (TI)
Wer die längste Hängebrücke im Tessin begehen möchte, braucht weniger Mut als vielmehr Ausdauer. Sie ist nur fünf bis sechs Meter über Boden, dafür aber ganze 390 Meter lang und damit eine der längsten der Schweiz. Je nach Jahreszeit und Witterung bekommt man eindrückliche Einblicke in die Naturgewalten. Mal ist die Maggia, die man überquert, nur ein beschauliches Rinnsal, nach starken Regenfällen ein reissender Fluss.
Im Sommer laden die breiten Ufer mit ihren Sandstränden und Kiesbänken zum Sonnenbaden und zu einem erfrischenden Bad ein. Hat man die Brücke überquert, geht’s im Schatten der Bäume auf einem schmalen Pfad Richtung Giumaglio – wo gleich die nächste Hängebrücke wartet. Und spätestens dort merkt man: Die Länge war die eigentliche Herausforderung.
Saillon (VS)
Der kleine Ort zwischen Martigny und Sion überrascht mit ein paar Besonderheiten. Saillon gehört nicht nur zum Netzwerk der schönsten Schweizer Dörfer, dank des milden Klimas gedeihen hier sogar Mandel- und Feigenbäume. Zudem steht hier der kleinste Weinberg der Welt mit bloss drei Rebstöcken. Und dann ist da noch die Hängebrücke: die «Passarelle à Farinet».

Der Name erinnert an den legendären Falschmünzer und «Robin Hood der Alpen», Joseph-Samuel Farinet, der hier auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kam. Der Aufstieg zur 97 Meter langen Hängebrücke führt steil durch die Rebberge bis zur eindrücklichen Schlucht der Salentse. Früher führten hier Suonen vorbei, die historischen Wasserleitungen. Über Montagnon gelangt man wieder zum Ausgangspunkt in Saillon, wo man sich nach der Wanderung in den Bädern erholen kann.
Trin (GR)
Die bis zu 400 Meter tiefe und rund 13 Kilometer lange Rheinschlucht – rätoromanisch Ruinaulta – wird nicht umsonst auch als «Swiss Grand Canyon» bezeichnet. Lange war sie zwischen Reichenau und Ilanz schwierig durchgehend zu bewandern. Erst seit 2014 überspannt bei der Station Trin ein architektonisches Juwel den Rhein: die Punt Ruinaulta des Ingenieurs Walter Bieler.
Die 105 Meter lange Hängebrücke aus Holz ermöglicht nun eindrückliche Perspektiven auf das Wasser. Wer die Schluchtlandschaft intensiv erleben will, startet in Reichenau, folgt dem Viaduktsteg entlang der RhB-Linie bis nach Trin Staziun, überquert dort die Brücke und kehrt via Burg Wackenau nach Reichenau zurück.
Les Diablerets (VD)
Ein Gipfelrundgang auf 3000 Metern Höhe? Auf dem Glacier 3000 in Les Diablerets ist das möglich. Der «Peak Walk by Tissot» ist die erste Hängebrücke, die zwei Berggipfel verbindet: den Vorgipfel View Point und den Hauptgipfel Scex Rouge. Höhenangst darf man hier keine haben: Der 107 Meter lange Brückenboden ist teilweise verglast.

Wer sich hinüber wagt, wird mit einem spektakulären Panorama belohnt: Bei klarer Sicht sieht man sowohl Matterhorn wie auch Montblanc, Eiger, Mönch und Jungfrau. Die Anreise erfolgt übrigens bequem mit der Seilbahn vom Col du Pillon auf den Scex Rouge. Im Winter lässt sich der Besuch mit einer Skitour im Gletschergebiet des Berner Oberlandes kombinieren.
Frutigen (BE)
Die Hängebrücke Hohstalden entstand ursprünglich aus einem ganz pragmatischen Grund: Sie sollte den Kindern von Karin und Martin Wäfler einen sicheren Schulweg ermöglichen. Heute steht sie – ähnlich wie die ebenfalls private Triftbrücke – auch Wandernden offen, wenn auch mit einer kleinen Besonderheit: Wer im Hängebrügg-Beizli etwas konsumiert, überquert sie gratis, ansonsten bezahlt man einen Franken. Aber das Beizli wird mit so viel Herzblut betrieben, dass es einem schwerfällt, dort ohne eine Einkehr vorbeizugehen.

Es gibt zahlreiche Wanderwege ab Frutigen, die zu dieser 153 Meter langen Brücke führen. Sie ist allerdings nicht ganz ohne, denn sie führt über ein sehr blickdurchlässiges Gitter in 38 Meter Höhe über den rauen Fluss.
Niedergesteln (VS)
Im Vergleich zu vielen anderen Hängebrücken ist diejenige von Niedergesteln mit rund 24 Metern eher kurz. Dennoch lohnt sich ihr Besuch. Beim Überqueren blickt man 25 Meter in die Tiefe. Allein schon der Einstieg zur Brücke zwischen Niedergesteln und der Lötschberg-Südrampe ist recht spektakulär.

Der Weg dorthin führt durch das sogenannte Ritterdorf Niedergesteln und entlang historischer Suonen zu einem Stollen, der in die Jolischlucht mündet. Über einige Gitterroste, Treppen und lange Leitern gelangt man zur Brücke, die auf einer Seite direkt im Felsen verankert ist.
Arosa (GR)
Der Besuch der Hängebrücke Welschtobel lässt sich mit einer angenehmen Wanderung ab Arosa in zwei Stunden erreichen. Mit 30 Metern Länge ist sie vergleichsweise unspektakulär und überspannt eine Erosionsrinne, die durch Sturzwasser oder Lawinen entstanden ist.

Gebaut wurde sie, um den Zugang zur Ramozhütte sicherzustellen. Diese bietet sich als idealer Zwischenhalt an – sei es für eine Rast aus dem eigenen Rucksack (die Hütte ist als Selbstversorgerhütte eingerichtet) oder sogar für eine Übernachtung. Von hier aus lassen sich Gipfel wie das Aroser Rothorn, das Erzhorn oder der Pizzo Naira in Angriff nehmen.
Das Buch: Im Buch «Hängebrückenführer Schweiz» von Milo Häfliger (Weber Verlag) findet man weitere abenteuerliche Wanderungen in schwindelerregender Höhe.








