Curvy-Model Stella: «Der Teufel trägt… Size Zero!»

    Stella Kizildag
    Stella Kizildag

    Zürich,

    Der Film «Der Teufel trägt Prada» ist zurück. «Warum mich das Comeback nostalgisch lächeln – und innerlich kochen lässt», schreibt Curvy-Model Stella.

    Nau.ch-Kolumnistin Stella
    Nau.ch-Kolumnistin Stella. Sie schreibt über «Body Positivity». - zvg

    Das Wichtigste in Kürze

    • Stella Kizildag (30) ist ein Curvy-Model. Sie schreibt Kolumnen über Body Positivity.
    • Heute schreibt Stella darüber, ob «Body Positivity» nur eine Illusion ist.
    • Denn: Der Film «Der Teufel trägt Prada» ist in die Kinos zurückgekehrt.
    • Stella sagt: «Die Schönheitsideale der 2000er Jahre gehen wieder viral.»

    Im Jahr 2006 lief mit «Der Teufel trägt Prada» einer meiner absoluten Lieblingsfilme in den Kinos, Ich war damals gerade einmal 10 Jahre alt. Und schon dort wurde ich durch die damaligen Schönheitsideale geprägt.

    Ich erinnere mich bis heute an die Figur «Emily». Eine ehrgeizige Assistentin, die für ihre Karriere hungerte. Sie war stolz darauf, nichts zu essen. Wenn sie kurz davor war, umzukippen, ass sie einen Käsewürfel. Damals fand ich das bewundernswert.

    Stella
    Stella ist eine Kinoliebhaberin. - zvg/klimkin.visuals

    Mager = Macht?

    Und trotzdem liebe ich «Der Teufel trägt Prada» noch immer heiss! Umso surrealer fühlt es sich an, dass dieser Kult-Film zwanzig Jahre später mit einem Teil 2 (und denselben Gesichtern) zurückkehrt.

    Nur: Mit dem Film sind gleichzeitig die Schönheitsideale der 2000er Jahre wieder präsent. Auf Social Media gehen Reels zu «Skinnytok», «Pilates Princess» und «That Girl» viral.

    Die 2000er sind zurück in viel besserem Licht, perfekten Filtern und einem Algorithmus, der jeden Zentimeter misst.

    Aus dem damaligen «Heroin Chic» ist heute das «Ballettcore-Ideal» geworden. Ein Körper, der möglichst schmal, jugendlich und möglichst unsichtbar ist.

    Wenn ich das sehe, frage ich mich: Wo sind bloss die echten Frauen mit Kurven, Kraft und Leben im Körper geblieben?

    Stella
    Stella: «In Hollywood feiern sie jugendliche Körper bei den Ü30, ich will den Körper einer echten Frau.» - zvg/klimkin.visuals

    20 Jahre Fortschritt – oder doch eher Rückschritt?

    Noch immer erhalte ich von Menschen Nachrichten. Mein Körper sei ungesund und ich sei ein schlechtes Vorbild. Und ich solle mich nicht zeigen, schreiben sie mir.

    In Hollywood werden aber gerade Körper gefeiert, die durch Gesellschaftsdruck, Krankheiten und Abnehmspritzen entstanden sind. Was für eine Ironie!

    Selbst das erfolgreiche Schweiz Model Manuela Frey sagt kürzlich in einem Interview, dass ihr an Castings in New York gesagt wurde, dass sie mit fast 30 Jahren zu alt und zu dick sei.

    Schaust du dir Teil 2 von «Der Teufel trägt Prada» an?

    Mein zukünftiges Kind wird auch Körperkrieg führen müssen

    Wir entwickeln Technologien, die im 2006 noch Science-Fiction waren – und wir sprechen mit künstlicher Intelligenz. Bei den Schönheitsidealen kehren wir aber zurück in die Vergangenheit.

    Es ist so, als hätte es die Vielfalt gar nie gegeben. War also «Body Positivity» nur eine Illusion? Nein, es war der erste Aufbruch. Und es wird noch mehr Zeit brauchen, um kontinuierlich dafür weiterzukämpfen.

    «Body Positivity» hat endlich Raum für Ausnahmen geschaffen, aber keine Gesellschaftsstrukturen verändert.

    Denn: Popkultur, Marketing und Werbung sind immer noch tiefer verankert als die Selbstliebe. Und genau das zerreisst mir das Herz! Zu wissen, dass mein zukünftiges Kind nicht darüber nachdenkt, was dessen Träume sind, sondern sich den Kopf über dessen Aussehen zerbricht.

    Das wird sich also wiederholen und mein Kind wird das Gleiche wie ich durchmachen. Ohne Fortschritt. Ausser, ich leiste weiterhin Widerstand dagegen und lebe es richtig vor.

    Stella
    «Fortschrittliches Denken in der Gesellschaft fehlt noch immer», findet Stella. - zvg/klimkin.visuals

    Gestylte Magersucht in Designerkleidern

    Die komplexe Krankheit Magersucht wird heute wieder ästhetisiert. «Wie konnte eine Krankheit zum Schönheitsideal werden?», frage ich mich.

    Getrennt nach Kleidergrössen werden Frauen in Gewinnerinnen und Verliererinnen eingeteilt. Und damit wieder in alte Rollenbilder gezwängt. Das ist kontrollierend und hält uns klein.

    Ich unterstütze «Longevity» und einen gesunden Lifestyle, aber gesund! Und nicht krankhaft. Mein Körper soll fit und lebendig sein. Und mich voller Lebensfreude durchs Leben tragen.

    Wohl oder übel der Spiegel unserer Zeit

    Trotz all dieser Bedenken kann ich es kaum erwarten, den zweiten Teil von «Der Teufel trägt Prada» zu sehen – und nostalgisch in Erinnerungen zu schwelgen.

    Denn zum Glück gibt es Gegenwind und ich kann Anne Hathaway feiern: Sie verlangte nämlich, dass im zweiten Teil keine alarmierend dünnen Models gezeigt werden.

    «Der Teufel trägt Prada»
    Der zweite Teil von «Der Teufel trägt Prada» läuft seit dem 30. April 2026 in den Deutschschweizer Kinos. - zvg

    Ich bezweifle aber, dass ein starkes und selbstbewusstes «Curvy Model» im Film über den Runway laufen wird. Da würden sich nämlich Miranda Priestlys Lippen zur Decke hinauf kräuseln! Die Fans dieses Films werden wissen, was damit gemeint ist ;)

    Ich kann es den Regisseuren aber auch nicht verübeln, weil es wohl oder übel eine Wiederspiegelung unserer aktuellen Zeit ist.

    Stella
    Schönheitsideale hin oder her. Stella freut sich auf den Film «Der Teufel trägt Prada». - zvg/klimkin.visuals

    Zur Person

    Stella Kizildag (30) ist Plus-Size-Model und «Body-Positivity»-Kolumnistin aus der Schweiz. Auf Instagram als @stellakizildag teilt sie ihren Alltag zwischen Fashion, Selbstakzeptanz und klaren Grenzen – immer mit Witz, Haltung und einer guten Portion Mut.

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    Kommentare

    User #3947 (nicht angemeldet)

    Gibt’s eigentlich nur noch dick (plus size) oder dünn??? Es gibt doch auch ganz „normale „ Menschen, die 55 bis 69 Kg schwer sind.

    User #1824 (nicht angemeldet)

    Meiner Meinung nach geht es bei Body Positivity um Personen, die vielleicht 15-25kg zu viel haben. Stella ist wunderschön, gut proportioniert, macht einen tollen Job. Aber, ist das Gewicht viel zu viel, glaube ich persönlich nicht, dass sich diese Menschen wohl fühlen. Da gibts keine Beschönigung.

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