Curvy-Model Stella: «Der Teufel trägt… Size Zero!»
Der Film «Der Teufel trägt Prada» ist zurück. «Warum mich das Comeback nostalgisch lächeln – und innerlich kochen lässt», schreibt Curvy-Model Stella.

Das Wichtigste in Kürze
- Stella Kizildag (30) ist ein Curvy-Model. Sie schreibt Kolumnen über Body Positivity.
- Heute schreibt Stella darüber, ob «Body Positivity» nur eine Illusion ist.
- Denn: Der Film «Der Teufel trägt Prada» ist in die Kinos zurückgekehrt.
- Stella sagt: «Die Schönheitsideale der 2000er Jahre gehen wieder viral.»
Im Jahr 2006 lief mit «Der Teufel trägt Prada» einer meiner absoluten Lieblingsfilme in den Kinos, Ich war damals gerade einmal 10 Jahre alt. Und schon dort wurde ich durch die damaligen Schönheitsideale geprägt.
Ich erinnere mich bis heute an die Figur «Emily». Eine ehrgeizige Assistentin, die für ihre Karriere hungerte. Sie war stolz darauf, nichts zu essen. Wenn sie kurz davor war, umzukippen, ass sie einen Käsewürfel. Damals fand ich das bewundernswert.

Mager = Macht?
Und trotzdem liebe ich «Der Teufel trägt Prada» noch immer heiss! Umso surrealer fühlt es sich an, dass dieser Kult-Film zwanzig Jahre später mit einem Teil 2 (und denselben Gesichtern) zurückkehrt.
Nur: Mit dem Film sind gleichzeitig die Schönheitsideale der 2000er Jahre wieder präsent. Auf Social Media gehen Reels zu «Skinnytok», «Pilates Princess» und «That Girl» viral.
Die 2000er sind zurück in viel besserem Licht, perfekten Filtern und einem Algorithmus, der jeden Zentimeter misst.
Aus dem damaligen «Heroin Chic» ist heute das «Ballettcore-Ideal» geworden. Ein Körper, der möglichst schmal, jugendlich und möglichst unsichtbar ist.
Wenn ich das sehe, frage ich mich: Wo sind bloss die echten Frauen mit Kurven, Kraft und Leben im Körper geblieben?

20 Jahre Fortschritt – oder doch eher Rückschritt?
Noch immer erhalte ich von Menschen Nachrichten. Mein Körper sei ungesund und ich sei ein schlechtes Vorbild. Und ich solle mich nicht zeigen, schreiben sie mir.
In Hollywood werden aber gerade Körper gefeiert, die durch Gesellschaftsdruck, Krankheiten und Abnehmspritzen entstanden sind. Was für eine Ironie!
Selbst das erfolgreiche Schweiz Model Manuela Frey sagt kürzlich in einem Interview, dass ihr an Castings in New York gesagt wurde, dass sie mit fast 30 Jahren zu alt und zu dick sei.
Mein zukünftiges Kind wird auch Körperkrieg führen müssen
Wir entwickeln Technologien, die im 2006 noch Science-Fiction waren – und wir sprechen mit künstlicher Intelligenz. Bei den Schönheitsidealen kehren wir aber zurück in die Vergangenheit.
Es ist so, als hätte es die Vielfalt gar nie gegeben. War also «Body Positivity» nur eine Illusion? Nein, es war der erste Aufbruch. Und es wird noch mehr Zeit brauchen, um kontinuierlich dafür weiterzukämpfen.
«Body Positivity» hat endlich Raum für Ausnahmen geschaffen, aber keine Gesellschaftsstrukturen verändert.
Denn: Popkultur, Marketing und Werbung sind immer noch tiefer verankert als die Selbstliebe. Und genau das zerreisst mir das Herz! Zu wissen, dass mein zukünftiges Kind nicht darüber nachdenkt, was dessen Träume sind, sondern sich den Kopf über dessen Aussehen zerbricht.
Das wird sich also wiederholen und mein Kind wird das Gleiche wie ich durchmachen. Ohne Fortschritt. Ausser, ich leiste weiterhin Widerstand dagegen und lebe es richtig vor.

Gestylte Magersucht in Designerkleidern
Die komplexe Krankheit Magersucht wird heute wieder ästhetisiert. «Wie konnte eine Krankheit zum Schönheitsideal werden?», frage ich mich.
Getrennt nach Kleidergrössen werden Frauen in Gewinnerinnen und Verliererinnen eingeteilt. Und damit wieder in alte Rollenbilder gezwängt. Das ist kontrollierend und hält uns klein.
Ich unterstütze «Longevity» und einen gesunden Lifestyle, aber gesund! Und nicht krankhaft. Mein Körper soll fit und lebendig sein. Und mich voller Lebensfreude durchs Leben tragen.
Wohl oder übel der Spiegel unserer Zeit
Trotz all dieser Bedenken kann ich es kaum erwarten, den zweiten Teil von «Der Teufel trägt Prada» zu sehen – und nostalgisch in Erinnerungen zu schwelgen.
Denn zum Glück gibt es Gegenwind und ich kann Anne Hathaway feiern: Sie verlangte nämlich, dass im zweiten Teil keine alarmierend dünnen Models gezeigt werden.

Ich bezweifle aber, dass ein starkes und selbstbewusstes «Curvy Model» im Film über den Runway laufen wird. Da würden sich nämlich Miranda Priestlys Lippen zur Decke hinauf kräuseln! Die Fans dieses Films werden wissen, was damit gemeint ist ;)
Ich kann es den Regisseuren aber auch nicht verübeln, weil es wohl oder übel eine Wiederspiegelung unserer aktuellen Zeit ist.









