XPENG X9: Hightech-Luxusvan im Alltagscheck
800-Volt-Power gegen Stuttgarter Tradition: Kann der Xpeng X9 den Mercedes EQV bei Ladezeit, Reichweite und Alltagstauglichkeit schlagen? Der Fakten-Check.

Der chinesische Hersteller Xpeng greift mit dem futuristischen X9 die Schwachstellen von Mercedes-Benz an. Auf 5.29 Metern Länge kombiniert der Van modernste Siliziumkarbid-Architektur mit erstaunlicher Wendigkeit.

Doch blendet der Newcomer nur mit digitalen Spielereien oder liefert er echte Schweizer Alltagsqualitäten? Ein schonungsloser Blick auf die nackten Fakten zeigt enorme Vorsprünge, aber auch handfeste Nachteile.
Ladezeiten und Reichweite im Härtetest
Der Xpeng X9 deklassiert den Mercedes EQV beim Laden an der Autobahn ohne jeden Zweifel. Dank seiner 800-Volt-Architektur zieht der Chinese bis zu 542 Kilowatt Gleichstrom und lädt von 10 auf 80 Prozent in nur 12 Minuten.
Der Mercedes EQV 300 verharrt dagegen bei maximal 110 Kilowatt und benötigt für denselben Hub quälende 40 Minuten. Auch bei der Batteriekapazität setzt der X9 mit bis zu 110 Kilowattstunden und 615 Kilometern WLTP-Reichweite ein deutliches Zeichen.

Mercedes liefert im EQV lediglich 90 Kilowattstunden Netto-Kapazität für maximal 364 Kilometer Reichweite auf dem Papier. Im Schweizer Winter schrumpft der Stuttgarter Aktionsradius damit empfindlich zusammen, während Xpeng serienmässig auf eine sparsame Wärmepumpe setzt.
Fahrdynamik und Schweizer Parkhaus-Tauglichkeit
Auf engen Passstrassen und in Zürcher Parkhäusern entscheidet nicht nur der Motor über den Fahrspass. Xpeng verbaut serienmässig eine aktive Hinterachslenkung, die den Wendekreis auf verblüffende 10.8 Meter drückt.
Der Mercedes EQV benötigt für die gleiche Kehre sperrige 12.9 Meter und verlangt spürbar mehr Kurbelarbeit am Lenkrad. Mit bis zu 503 PS Spitzenleistung und Allradantrieb sprintet der X9 zudem in 5.7 Sekunden auf Tempo 100.

Der frontgetriebene EQV wirkt mit seinen 204 PS bei voller Beladung eher phlegmatisch. Das serienmässige Luftfahrwerk des XPENG bügelt Fahrbahnunebenheiten zudem deutlich souveräner weg als das modifizierte Nutzfahrzeug-Chassis von Mercedes.
Wo der Herausforderer im Alltag patzt
Trotz aller Hightech-Vorteile leistet sich der Xpeng X9 im praktischen Nutzwert so manche Schwächen. Seine luxuriösen Einzelsitze im Fond lassen sich nicht ausbauen, was das maximale Ladevolumen auf 2'550 Liter begrenzt.
Mercedes schluckt mit entnommenen Sitzen gewaltige 4'630 Liter und bleibt der unangefochtene Lademeister für Gewerbe und Sportler. Zudem misst der X9 fast zwei Meter in der Breite und überragt viele standardisierte Schweizer Einstellhallen-Plätze.
In wenigen Monaten bringen die Stuttgarter zudem den neuen VLE in die Schweiz, der dem Xpeng X9 in Sachen Leistung und Ladegeschwindigkeit in nichts nachstehen wird. Der aktuelle technologische Vorteil des chinesischen Herstellers wird also nicht allzu lange Bestand haben.






