Vernetzte Autos: Ein Risiko für die Sicherheit?
Gefahr im CAN-Bus: Wie Hacker Zugriff auf Bremsen und Lenkung erhalten. Wir zeigen die Risiken moderner Autos und was die neuen UN-Sicherheitsregeln bringen.

Moderne Fahrzeuge sind rollende Computer mit permanentem Internetzugriff. Während du entspannt den Tempomaten nutzt, kommuniziert dein Wagen im Hintergrund mit unzähligen Servern.
Die unsichtbare Gefahr im System
Diese Vernetzung bietet viel Komfort, öffnet aber auch digitale Hintertüren für Kriminelle. Ein kleiner Softwarefehler im Infotainment-System kann im schlechtesten Fall zur kritischen Sicherheitslücke für die gesamte Elektronik werden.
Der Zugriff erfolgt dabei unbemerkt über das Mobilfunknetz oder lokale Schnittstellen. Experten warnen schon lange vor den fatalen Folgen eines solchen externen Eingriffs auf die Fahrsicherheit.
Hacker nutzen Schwachstellen in der Bordelektronik, um gezielt Steuersignale zu manipulieren. Meist gelangen sie über das Entertainment-System oder die Reifendrucksensoren in das interne Netzwerk.
Risiken und regulatorische Antworten
Einmal im sogenannten CAN-Bus-System angekommen, haben Angreifer theoretisch freien Zugriff auf alle Funktionen. Die Software übernimmt dann plötzlich das Kommando über die Bremsen oder die Lenkung.
Solche Szenarien sind keine Science-Fiction mehr, sondern wurden von Sicherheitsforschern bereits erfolgreich demonstriert. Die enorme Komplexität moderner Codes macht es den Herstellern schwer, jede Lücke sofort zu schliessen.
Die Vereinten Nationen führten mit der Regelung R155 weltweit neue Sicherheitsstandards für vernetzte Fahrzeuge ein. Hersteller müssen nun verbindlich nachweisen, dass ihre Autos gegen Cyberangriffe geschützt sind.
Prävention und Versicherungsschutz
In der Schweiz überwacht das Bundesamt für Cybersicherheit die aktuelle Bedrohungslage für die digitale Infrastruktur. Autobesitzer sollten unbedingt regelmässig die neuesten Software-Updates ihres Herstellers installieren.
Vermeide zudem den Anschluss von unbekannten USB-Sticks an die Schnittstellen des Wagens. Ein wachsames Auge auf ungewöhnliche Systemmeldungen im Display kann im Ernstfall Leben retten.
Schweizer Versicherungsgesellschaften beobachten die Entwicklung der Cyber-Kriminalität im Strassenverkehr mit grosser Sorge. Bisher decken herkömmliche Kaskoversicherungen Schäden durch gezielte Hackerangriffe nur in Einzelfällen ab.
Spezielle Zusatzversicherungen könnten deshalb bald zum neuen Standard für moderne Fahrzeughalter werden. Experten raten dazu, die bestehenden Policen genau auf Klauseln zur IT-Sicherheit zu prüfen.
Haftungsfragen und digitale Abwehr
Im Falle eines Unfalls durch externe Steuerung stellt sich zudem eine äusserst komplexe Haftungsfrage. Klare gesetzliche Richtlinien müssen hier schnellstmöglich für rechtliche Sicherheit bei allen Beteiligten sorgen.
Zukünftige Fahrzeuggenerationen setzen vermehrt auf künstliche Intelligenz zur aktiven Abwehr von digitalen Eindringlingen. Diese Systeme erkennen untypische Datenströme im Bordnetz und blockieren verdächtige Befehle sofort.
Zusätzlich arbeiten Ingenieure an einer strikten digitalen Trennung der verschiedenen Steuergeräte im Fahrzeug. Dadurch soll verhindert werden, dass ein Zugriff auf das Infotainment Auswirkungen auf den Motor oder die Bremsen haben könnte.







