Jetzt werden Berner Poller zum Vorbild für Stadt Baden
Baden AG liess einen Problem-Poller in der Altstadt evaluieren. Nun wird Bern dank seinen gemachten Erfahrungen als Beispiel zitiert.

Das Wichtigste in Kürze
- Versenkbare Poller sorgen immer wieder für Unfälle.
- Die Stadt Baden AG hat sich deshalb beraten lassen.
- Die Erkenntnis: Von Bern kann man dank jahrelanger Erfahrungen lernen.
Vorsichtig ausgedrückt könnte man sagen: Bern hat über die Jahre viel Erfahrung mit versenkbaren Pollern gesammelt. Jahrelanger Streit mit Einsprachen, Unfälle mit Velos, Autos und sogar Fussgängern, Ausweichverkehr durchs Quartier statt Verkehrsberuhigung. Bei mehreren hunderttausend Franken pro Standort sind die Kosten auch nicht gerade vernachlässigbar.
Legendär ist etwa der Matte-Poller, bei dem der Streit zwischen Anwohnern, Autofahrern und Gewerbe zu jahrelangen Verzögerungen führte.
Auch fix installierte Steinpoller kommen Autos regelmässig in die Quere. Zum Beispiel der Altstadt-Poller bei der Gerechtigkeitsgasse 1: Dabei soll er doch nur den Verkehr davor bewahren, in den offenen Stadtbach zu fahren.

Doch nun scheint sich diese leidvolle Geschichte wenigstens auszuzahlen. Wenn auch nicht in Franken und Rappen, so doch immerhin in lobender Erwähnung.
Beim Altstadt-Poller von Bern lernen
Denn Problem-Poller kennt man auch in anderen Schweizer Städten. In Baden AG kam das Fass zum Überlaufen, als der Poller beim Eingang zur Weiten Gasse ein ziviles Polizeiauto aufspiesste.
Nun holte man sich Hilfe bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU): Sie sollte sich die Anlage mal anschauen und Empfehlungen abgeben.
Jetzt liegt der Bericht vor, schreibt das «Badener Tagblatt». Immerhin: Nachts sei die Polleranlage beleuchtet und gut erkennbar.
Doch tagsüber «sind die Poller jedoch schlecht sichtbar», hält die BfU fest und entlastet damit etwas die verunfallten Autolenkenden.

Im Altstadt-Pflaster seien die versenkten Poller schlecht zu erkennen und eine Warnleuchte leuchte nur in eine Richtung.
Die Poller sollten deshalb besser gekennzeichnet werden, so die Empfehlung: mit einer weissen Dreiecks-Markierung am Boden, Velopiktogramm zwischen den Pollern und einer Signalisation.
Und, weiss die BfU: In der Stadt Bern gebe es orange Bodenleuchten, die beim Anheben der Poller auf die Gefahr hinwiesen. Diese könne man allenfalls bei einer Sanierung nachrüsten.
Weiter Weg bis zum perfekten Poller
Doch auch Bern hat sich seine Poller-Vorbild-Funktion über die Jahre erst erarbeiten müssen. Zwar gibt es mittlerweile lehrbuchmässig signalisierte Polleranlagen mit allen von der BfU erwähnten Schikanen.
Doch ging dem ein Lernprozess voraus: So wurden etwa die vier am Boden blinkenden LED-Leuchten zunächst ab 2012 an der Hotelgasse im Rahmen eines Pilotversuchs getestet.

Weitere Bodenleuchten wurden danach jeweils installiert, wenn bestehende Polleranlagen das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht hatten und ersetzt werden mussten.
Ähnlich scheint man es nun in Baden handhaben zu wollen: Vorläufig wurde lediglich eine vorgeschlagene zusätzliche Signalisation beauftragt, um den heimtückischen Poller-Angriffen auf Polizei- und andere Fahrzeuge entgegenzuwirken.








