Ranger PHEV: Grüner Pick-up fürs Handwerk

Maia Schmied
Maia Schmied

Bern,

Mit 281 PS und 3.5 Tonnen Anhängelast rettet Ford den Pick-up für Schweizer Berge und Baustellen – schlägt sich der Ranger PHEV auch im Alltag?

Ford Ranger PHEV
Echte Offroad-Gene: Im Gegensatz zu vielen Strassen-Hybriden behält der Ranger PHEV seinen mechanischen Allradantrieb samt Geländeuntersetzung und sperrbarem Heckdifferenzial. - Ford

Pick-ups galten auf Schweizer Strassen lange als unzeitgemässe Dinosaurier der Bau- und Forstwirtschaft. Zwischen verschärften CO2-Vorgaben aus Bern und anspruchsvollen alpinen Einsatzbedingungen drohte dem Segment hierzulande das schleichende Aus.

Ausgerechnet Ford liefert nun mit dem neuen Ranger PHEV eine bemerkenswert stimmige Antwort. Die Kölner verabschieden sich bei diesem Modell vom reinen Diesel-Dogma der leichten Nutzfahrzeuge.

Der Plug-in-Hybrid soll den Spagat zwischen strengen Flottenemissionszielen und kompromissloser Bergtauglichkeit meistern. Ein genauer Blick auf die Technik verrät, wie durchdacht das Konzept im Schweizer Arbeitsalltag aufgeht.

V6-Niveau ohne Turboloch: Kraftpaket unter der Haube

Unter der wuchtigen Fronthaube arbeitet ein 2.3-Liter-EcoBoost-Benziner im Verbund mit einer 75-kW-Elektromaschine. Gemeinsam mobilisiert das Duo eine Systemleistung von 281 PS sowie ein Drehmoment von 697 Newtonmetern.

Ford Ranger PHEV
PHEV-Exklusivität: Den Ford Ranger Plug-in-Hybrid baut Ford ausschliesslich als Doppelkabine, während die zweitürige Extrakabine den reinen Verbrennern vorbehalten bleibt. - Ford

Damit übertrifft der Teilzeitstromer selbst das prestigeträchtige Dreiliter-V6-Turbodiesel-Aggregat der Baureihe beim Drehmoment. Eine bewährte Zehngang-Automatik verteilt die Kraft sauber an den elektronisch geregelten Allradantrieb.

Der verzögerungsfreie Antritt des Elektromotors eliminiert das gefürchtete Turboloch an steilen Kehren restlos. Auf rutschigen Baustellenrampen oder verschneiten Forststrassen sorgt das System für kraftvollen und kontrollierten Vortrieb.

Hochvolttechnik am Berg: 3.5 Tonnen Anhängelast bleiben gesetzt

Im Leiterrahmen sitzt eine geschützte Lithium-Ionen-Batterie mit 11.8 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität. Rein elektrisch rollt der Pritschenwagen bis zu 45 Kilometer weit durch Schweizer Täler und Agglomerationen.

Vielen Gewerbebetrieben genügt dieser Aktionsradius vollkommen für emissionsfreie Fahrten im städtischen Nahverkehr. Entscheidend für Schweizer Forstwirte und Bauunternehmer bleibt jedoch die unverminderte Zugleistung am Haken.

Ford Ranger PHEV
Südafrikanische Wurzeln: Auch als Teilzeitstromer läuft der für Europa bestimmte Ranger im traditionsreichen Ford-Werk Silverton bei Pretoria vom Band. - Ford

Ford garantiert trotz schwerer Batterietechnik weiterhin die vollen 3.5 Tonnen gebremste Anhängelast. Schwere Baumaschinen oder voll beladene Viehanhänger gelangen so mühelos ans Ziel.

Mobile Stromquelle: Das Kraftwerk auf der Pritsche

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal für Handwerker verbirgt sich im ausgeklügelten Bordnetz namens «Pro Power Onboard». Bis zu 6.9 Kilowatt externe elektrische Leistung stellt das System über 230-Volt-Anschlüsse bereit.

Zwei Steckdosen auf der Ladefläche versorgen Schweissgeräte, Sägen oder Kompressoren direkt aus dem Fahrakku. Auf entlegenen Alphütten erübrigt diese mobile Steckdose das Mitführen schwerer und wartungsintensiver Dieselgeneratoren.

Ford Ranger PHEV Ladeklappe
Pritsche als Werkbank: Die heruntergeklappte Ladeklappe fungiert dank integrierter Massleiste, Becherhalter und spezieller Aussparungen für Schraubzwingen als mobiler Arbeitsplatz. - Ford

Allerdings fordert der zusätzliche Hybridstrang seinen Tribut auf der Fahrzeugwaage beim Leergewicht. Mit gut 2.6 Tonnen Eigengewicht schrumpft die verbleibende Nutzlast auf knapp unter eine Tonne.

Flottenbilanz und Fiskus: Was der Teilzeitstromer in der Schweiz kostet

Preislich positioniert Ford den Schweizer Marktstart der Ausstattungslinie Wildtrak bei selbstbewussten 72'250 Franken. Diese Anschaffungskosten sind eine Ansage, relativieren sich aber bei genauerer Betrachtung der Betriebskosten.

Ranger PHEV vs Ranger

Progressive Kantone wie Zürich oder Luzern belohnen den geringeren CO2-Ausstoss mit spürbaren Rabatten bei der Motorfahrzeugsteuer. Zudem sinkt der amtliche Normverbrauch im gemischten WLTP-Zyklus auf rund drei Liter Treibstoff je 100 Kilometer.

Wer diszipliniert an der betriebseigenen Wallbox lädt, drückt die operativen Kilometerkosten im Tagesgeschäft somit beträchtlich. Gewerbliche Halter profitieren zudem von den regulären Abschreibungsmöglichkeiten und dem Vorsteuerabzug bei der Mehrwertsteuer.

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Kommentare

User #5607 (nicht angemeldet)

Der Preisunterschied zwischen dem Plug-In und dem Diesel beträgt etwas mehr als 5000 Franken. Mit den im letzten Textabschnitt genannten Goodies und dem Plug-In-Vorteil sollte man diese 5000 Franken allerdings relativ schnell herausfahren können. Der Gewichtsunterschied zwischen Diesel und Plug-In ist mit 50kg zugunsten des Diesels nicht gross erwähnenswert, beide wiegen zwischen 2.5 und 2.6 Tonnen. Ein entscheidender Vorteil zugunsten des Plug-In könnte sein, dass er Onboard-Lader und "mobile" Steckdosen hat. Klingt nämlich nach einem extrem praktischen Feature.

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