Die Akte Autowelt: Wenn Profitgier über Leichen geht

Maia Schmied
Maia Schmied

Bern,

Profit über Menschenleben: Erfahre die schmutzigsten Abgründe der Autowelt – von VWs Dieselgate bis zu Fords tödlichen Fehlberechnungen.

Airbag
Der Takata-Airbag-Skandal: Durch Feuchtigkeit wurde das Treibmittel instabil, sodass Airbags bei Unfällen wie Splittergranaten zerbarsten und Metallteile durch den Innenraum schleuderten. - Bild (Screenshot)

Auch in der Automobilindustrie triumphiert Profitgier teilweise über Gesetze oder gar Menschenleben. Die Geschichte des Autos ist eben nicht nur eine Chronik des Fortschritts, sondern auch eine Akte skrupellosen Wirtschaftsdenkens.

1. «Dieselgate» – Der VW-Abgasskandal (2015)

Der wohl grösste und teuerste Skandal der jüngeren Geschichte. Die US-Umweltbehörde EPA deckte auf, dass Volkswagen eine illegale Software (eine sogenannte Abschalteinrichtung) in Millionen von Dieselmotoren eingebaut hatte.

Auspuff
Der Auslöser: US-Forscher der West Virginia University deckten die manipulierten Werte 2015 bei routinemässigen Strassentests auf. - Pixabay
  • Der Betrug: Die Software erkannte, wenn das Auto auf dem Prüfstand stand, und regelte die Abgase herunter. Auf der Strasse stiessen die Autos dann ein Vielfaches der erlaubten Stickoxide aus.
  • Die Folgen: Rückrufe von Millionen Fahrzeugen weltweit, Milliardenstrafen für VW und eine massive Vertrauenskrise für den Dieselmotor allgemein, die den Wandel zur E-Mobilität extrem beschleunigt hat. Auch andere Hersteller wie Daimler wurden später in den Sog gezogen.

2. Der Fall Ford Pinto – Berechnung gegen das Leben (1970er)

Ein Paradebeispiel für skrupelloses Management. Der Ford Pinto neigte bei leichten Auffahrunfällen dazu, dass der Benzintank aufplatzte und das Auto sofort in Flammen aufging.

Ford Pinto: Der explodierende Skandal
  • Der Skandal: Das Schockierende war nicht nur der Konstruktionsfehler, sondern ein internes Ford-Memo, das später an die Öffentlichkeit gelangte. Darin rechnete der Konzern kühl vor, dass es günstiger sei, Entschädigungen für die Todesopfer und Brandverletzten zu zahlen, als alle produzierten Autos für rund 11 Dollar pro Fahrzeug sicherer umzurüsten. Erst nach massivem Druck wurden 1.5 Millionen Autos zurückgerufen.

3. Der Takata-Airbag-Skandal (Ab 2013)

Der grösste Rückruf der Automobilgeschichte betraf nicht einen Autohersteller direkt, sondern den japanischen Zulieferer Takata.

  • Die Gefahr: Aufgrund eines fehlerhaften Treibmittels konnten die Airbags bei einer Auslösung regelrecht explodieren und Metallsplitter wie Schrapnelle durch den Innenraum schleudern.
  • Die Folgen: Weltweit mussten über 100 Millionen Airbags quer durch fast alle Marken (BMW, Honda, Toyota, Ford etc.) getauscht werden. Der Skandal führte zu zahlreichen Todesfällen und der Insolvenz von Takata.

4. General Motors: Das defekte Zündschloss (2014)

Über ein Jahrzehnt lang ignorierte GM Berichte über fehlerhafte Zündschlösser in Modellen wie dem Chevrolet Cobalt.

Die geheime Teilenummer: Im Jahr 2006 segnete ein GM-Ingenieur klammheimlich ein verbessertes, strafferes Zündschloss ab – allerdings ohne die Teilenummer zu ändern.
  • Das Problem: Während der Fahrt konnte das Zündschloss durch schwere Schlüsselanhänger oder Erschütterungen von der Position «Run» auf «Accessory» springen. Dadurch schaltete sich der Motor ab – und damit auch die Servolenkung, der Bremskraftverstärker und die Airbags.
  • Der Skandal: GM wusste seit 2004 von dem Problem, scheute aber die Kosten für ein neues Bauteil (das nur wenige Cent gekostet hätte). Mindestens 124 Todesfälle wurden mit dem Defekt in Verbindung gebracht.

Legendäre Pannen und Kriminalfälle:

  • Der Mercedes-Elchtest (1997): Eigentlich kein krimineller Skandal, aber eine epische Image-Katastrophe. Die brandneue A-Klasse kippte bei einem schwedischen Ausweichtest (der sogenannte Elchtest) einfach um. Mercedes reagierte erst mit Leugnung, baute dann aber serienmässig das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) ein – was die Sicherheit von Kleinwagen nachhaltig verbesserte.
  • John DeLorean und der Koks-Deal (1982): Der Erfinder des berühmten Flügeltürers DMC-12 (bekannt aus «Zurück in die Zukunft») steckte in massiven Geldnöten. Um seine Autofirma zu retten, liess er sich auf ein vermeintliches Drogengeschäft mit Kokain im Wert von 24 Millionen Dollar ein. Er wurde vom FBI verhaftet. Später wurde er zwar wegen «Entrapment» (Verleitung zu einer Straftat durch verdeckte Ermittler) freigesprochen, die Autofirma war jedoch am Ende.

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