Aus Käse und Wein: Grüner Sprit für Autos
Wein und Molke statt Erdöl: Wie aus Käserei- und Traubenresten sauberer Biosprit mit über 105 Oktan für Verbrennungsmotoren gewonnen werden könnte.

Auch wenn es kurios klingt: Ausrangierte Molke aus der Käserei und vergorener Wein können tatsächlich moderne Verbrennungsmotoren antreiben. Spezielle Destillationsanlagen spalten diesen zuckerhaltigen Rohstoff zusammen mit regionalen Traubenresten in hochreines Bioethanol für Verbrenner auf.
Das destillierte Kraftpaket erreicht mühelos eine beachtliche Klopffestigkeit von über 105 Oktan für anspruchsvolle Motoren. Dieser edle Tropfen verbrennt im Brennraum fast ohne russende Rückstände und schont die Umwelt.
Königliche PS auf Wein und Molke
König Charles III. betankt seinen legendären Aston Martin DB6 Volante bereits seit vielen Jahren mit massgeschneidertem Biosprit. Eine spezialisierte britische Biokraftstoff-Firma mischt dafür überschüssigen englischen Weisswein mit reichhaltiger Schotte aus einer traditionellen Käserei.

Der britische Sportwagen nutzt somit bestehende Reststoffe und umgeht gleichzeitig den immensen Stromhunger synthetischer E-Fuels der Konkurrenz.
Die Technik verlangt gezielte Umbauten
Wichtig ist: Schweizer Autofahrer dürfen reine Reststoff-Treibstoffe keinesfalls ohne technische Anpassungen in einen gewöhnlichen Benzintank füllen. Der hochkonzentrierte Alkohol zersetzt blanke Aluminiumteile im Treibstoffsystem und versprödet empfindliche Dichtungen aus gewöhnlichem Fahrzeug-Gummi.
Moderne Flexible-Fuel-Fahrzeuge oder speziell angepasste Turbomotoren vertragen das Gemisch dank gehärteter Ventilsitze und korrosionsfester Einspritzdüsen jedoch problemlos. Diese optimierten Aggregate nutzen die hohe Oktanzahl für deutlich mehr Ladedruck sowie bessere Beschleunigungswerte.
Bei frostigen Schweizer Wintertemperaturen benötigt der reine Biokraftstoff allerdings eine zusätzliche elektrische Zündhilfe für verlässliche Kaltstarts. Ohne eine gezielte Vorwärmung des Gemischs verweigern hochverdichtete Motoren bei klirrender Kälte den Motorstart.
Biokraftstoffe fordern den Markt nur bedingt heraus
Die heimische Landwirtschaft garantiert jährlich Millionen Liter energiereiche Schotte. Im Vergleich zu Batterien für Elektrofahrzeuge spart Molke-Treibstoff theoretisch den gigantischen Ressourcenabbau für Traktionsbatterien.
Begrenzte Rohstoffmengen verhindern aber eine flächendeckende Versorgung des gesamten Schweizer Pkw-Bestands durch Käsereien und Winzer. Was in der Theorie funktioniert, wird also auch in Zukunft nicht mehr als ein Nischenprodukt werden.







