Aus Käse und Wein: Grüner Sprit für Autos

Maia Schmied
Maia Schmied

Bern,

Wein und Molke statt Erdöl: Wie aus Käserei- und Traubenresten sauberer Biosprit mit über 105 Oktan für Verbrennungsmotoren gewonnen werden könnte.

Käse_Wein_Bioethanol
Aus rund 4000 Litern anfallender Käsemolke lässt sich genügend Bioethanol gewinnen, um einen Pkw über 1000 Kilometer weit anzutreiben. - KI-generiert

Auch wenn es kurios klingt: Ausrangierte Molke aus der Käserei und vergorener Wein können tatsächlich moderne Verbrennungsmotoren antreiben. Spezielle Destillationsanlagen spalten diesen zuckerhaltigen Rohstoff zusammen mit regionalen Traubenresten in hochreines Bioethanol für Verbrenner auf.

Das destillierte Kraftpaket erreicht mühelos eine beachtliche Klopffestigkeit von über 105 Oktan für anspruchsvolle Motoren. Dieser edle Tropfen verbrennt im Brennraum fast ohne russende Rückstände und schont die Umwelt.

Königliche PS auf Wein und Molke

König Charles III. betankt seinen legendären Aston Martin DB6 Volante bereits seit vielen Jahren mit massgeschneidertem Biosprit. Eine spezialisierte britische Biokraftstoff-Firma mischt dafür überschüssigen englischen Weisswein mit reichhaltiger Schotte aus einer traditionellen Käserei.

Aston Martin DB6
Wein und Käse im Tank: Der Klassiker wurde so umgebaut, dass er mit nachhaltigem Bioethanol (E85) aus der Wein- und Käseproduktion fährt. - Top Gear (Screenshot)

Der britische Sportwagen nutzt somit bestehende Reststoffe und umgeht gleichzeitig den immensen Stromhunger synthetischer E-Fuels der Konkurrenz.

Die Technik verlangt gezielte Umbauten

Wichtig ist: Schweizer Autofahrer dürfen reine Reststoff-Treibstoffe keinesfalls ohne technische Anpassungen in einen gewöhnlichen Benzintank füllen. Der hochkonzentrierte Alkohol zersetzt blanke Aluminiumteile im Treibstoffsystem und versprödet empfindliche Dichtungen aus gewöhnlichem Fahrzeug-Gummi.

Moderne Flexible-Fuel-Fahrzeuge oder speziell angepasste Turbomotoren vertragen das Gemisch dank gehärteter Ventilsitze und korrosionsfester Einspritzdüsen jedoch problemlos. Diese optimierten Aggregate nutzen die hohe Oktanzahl für deutlich mehr Ladedruck sowie bessere Beschleunigungswerte.

Molke erklärt! | Was ist Molke?

Bei frostigen Schweizer Wintertemperaturen benötigt der reine Biokraftstoff allerdings eine zusätzliche elektrische Zündhilfe für verlässliche Kaltstarts. Ohne eine gezielte Vorwärmung des Gemischs verweigern hochverdichtete Motoren bei klirrender Kälte den Motorstart.

Biokraftstoffe fordern den Markt nur bedingt heraus

Die heimische Landwirtschaft garantiert jährlich Millionen Liter energiereiche Schotte. Im Vergleich zu Batterien für Elektrofahrzeuge spart Molke-Treibstoff theoretisch den gigantischen Ressourcenabbau für Traktionsbatterien.

Schweizer Ethanol aus Zuckerrüben – die Anlage in Aarberg

Begrenzte Rohstoffmengen verhindern aber eine flächendeckende Versorgung des gesamten Schweizer Pkw-Bestands durch Käsereien und Winzer. Was in der Theorie funktioniert, wird also auch in Zukunft nicht mehr als ein Nischenprodukt werden.

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Kommentare

User #2487 (nicht angemeldet)

Das ist aber wieder viel halbwissen im Bericht. Der Kern ist richtig: Mit Bioethanol kann man Benziner sehr nachhaltig betreiben. Ethanol verbrennt viel sauberer als Benzin und produziert praktisch kein CO2, da es aus nachwachsenden Rohstoffen produziert wird Erwiesenermassen falsch ist aber die Geschichte mit den speziellen Umbauten. Bei Vergasern stimmt das zwar, weil die Einspritzmenge geändert werden muss, aber moderne Autos mit gereggelter Einspritzung und Katalysator regeln ihr gemisch automatisch. Nur wenn das Kennfeld nicht ausreicht, muss elektronisch nachgeholfen werden. Mit Dichtungen, Schläuchen und Ventilen passiert aber überhaupt nichts. Frankreich und Schweden verkaufen E85 seit vielen Jahren flächendeckend und es gibt auch an normalen Benzinern keinerlei schäden. Schweiz und Deutschland hatten es auch lange, aber henau wegen dem "Auto nimmt Schaden" Märchen wurde es nicht akzeptiert. Es gibt nur ganz wenige Hochdruck-Einspritzer, die wirklich schaden nehmen, weil sie unpassendes Aluminium verbaut haben. Eine Serie von VAG, die mittlerweile 20 Jahre alt sein dürfte und längst nicht mehr produziert wird.

User #5607 (nicht angemeldet)

Nachdem man aus altem Frittenöl und aus den Ausscheidungen von Kühen schon lange Sprit machen kann, ist es nicht abwegig, auch Käse und Wein mal zu probieren. Nennt sich Recycling und ist weitaus besser als einfach wegwerfen, ergo Food Waste zu betreiben.

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