Die NHL hat Europa im Visier
Die NHL will ihre Präsenz in Europa ausbauen. Phil Schuler erklärt, welche Rolle Deutschland und mögliche NHL-Spiele in der Schweiz dabei spielen.

Seit gut einem Jahr hat die NHL ein Büro in Zürich und will von hier aus ihre Präsenz in Europa ausbauen. Phil Schuler, Director im Bereich International Business Development & Partnerships tätig, erklärt, weshalb Deutschland derzeit im Mittelpunkt steht, dass europäische Fans bald mehr Spiele zur besten Sendezeit sehen können und warum die Schweizer Hockey Fans sich berechtigte Hoffnungen auf NHL-Partien in der Schweiz machen können.
Phil Schuler erinnert sich genau an den Moment, in dem seine berufliche Laufbahn eine neue Richtung nahm. Am 24. Dezember 2024 machten ihn mehrere Personen auf ein Stelleninserat eines Headhunters aufmerksam: Die NHL suchte Mitarbeitende für ihr geplantes Büro in Zürich.
Obwohl sich die Weihnachtsvorbereitungen in der finalen Phase befanden, schickte Schuler seine Bewerbung noch am selben Abend ab. Seit September 2025 arbeitet er für die Liga im Bereich Partnerschaften und Geschäftsentwicklung.
Zuvor war Schuler unter anderem beim Schweizer Eishockeyverband und acht Jahre lang bei der Champions Hockey League tätig gewesen. Nun gehört er zum Team des ersten NHL-Büros ausserhalb Nordamerikas, das so etwas wie ein verlängerter Arm des Hauptbüros in New York ist.

Fünf Personen arbeiten derzeit in Zürich, weitere Stellen werden besetzt. Im Verlaufe der aktuellen Saison 2026/27 sollen laut Schuler zwölf Mitarbeitende in Zürich tätig sein. Das Büro ist der Ausdruck einer Veränderung.
Die NHL trägt schon seit mehreren Jahren Meisterschaftsspiele in Europa aus. Lange waren solche Besuche aber auf wenige Tage beschränkt. «Wir wollen hier in Europa immer mehr Fuss fassen und ganzjährig und nachhaltig präsent sein», sagt Schuler.
Deshalb werden Aktivitäten und Events wie die Global Fan Tour – eine Roadshow –, die Hockey Days oder auch Street-Hockey-Projekte in verschiedenen Ländern durchgeführt.
In der internationalen Strategie sind Schweden, Finnland und Tschechien als Kernmärkte definiert, aber Deutschland bekommt in den nächsten Jahren eine grössere Bedeutung. «Massgeblich dafür verantwortlich sind die Marktgrösse und das Sportinteresse, auch wenn der Fussball sehr stark ist», erklärt Phil Schuler.
Die heimische Liga ist gut aufgestellt, die Arenen sind gross und deren Infrastruktur auf einem sehr guten Level, dazu kommen sportbegeisterte Fans. «Es ist ein Markt, den wir aktuell intensiv bearbeiten, mit dem Ziel unsere Fan-Community deutlich auszubauen. Schlussendlich geht es vor allem darum, das Interesse am Eishockey im Allgemeinen zu erhöhen und die nächste Generation von NHL-Fans aufzubauen.»
In Deutschland soll auch die vor wenigen Wochen angekündigte Partnerschaft mit dem FC Bayern München helfen, die Ziele zu erreichen. «Bayern erreicht ein nationales Publikum, das Eishockey aus eigener Kraft nicht erreichen kann und sorgt auch für eine europaweite Ausstrahlung.»
Es sei vielleicht ein unkonventioneller Weg, aber ein Volltreffer, zumal die Münchner mit Alphonso Davies einen Kanadier im Team haben, der in Edmonton aufgewachsen und bekennender Oilers-Fan ist.
Die Stars in ihrer Heimat
Die NHL will nahbarer und greifbarer werden. Wichtige Faktoren in dieser Strategie sind die Meisterschaftsspiele in Europa, die NHL Global Series, und die Zugänglichkeit der Spiele. Bereits seit einigen Jahren werden am Samstag und Sonntag Spiele zur europäischen Prime Time ausgetragen.
Nun kommen rund ein Dutzend Spiele am Montagabend dazu, erstmals Ende November. Und für 2028 ist es das Ziel, jede Woche ein Monday-Night-Hockey-Game im Programm zu haben.
«Es ist nicht ganz einfach, das mit den Klubs zu regeln, denn sie müssen lokal um die Mittagszeit spielen. Ein Test mit Nashville im März hat aber gezeigt, dass ein Mittagsspiel durchaus erfolgreich sein kann: Die Predators haben beispielsweise Schulklassen und gemeinnützige Organisationen eingeladen. Es wurden mehr Merchandising-Artikel gekauft. Gleichzeitig sind solche Spiele am Mittag für Geschäftskunden sehr interessant», erklärt Phil Schuler und verweist darauf, dass fast 30 Prozent der NHL-Spieler aus Europa stammen.
Und diese Spieler sind bei den Spielen der NHL Global Series zentral. Im November spielen die Carolina Hurricanes und die Seattle Kraken in Helsinki gegeneinander, mit dabei sind dann u.a. die Finnen Sebastian Aho und Kaapo Kakko.
Im Dezember treten die Ottawa Senators mit dem deutschen Ausnahmetalent Tim Stützle in Düsseldorf gegen die Chicago Blackhawks an. Und bereits jetzt steht fest, dass im nächsten Jahr die Boston Bruins mit JJ Peterka in München und die Edmonton Oilers mit Leon Draisaitl in Köln um Punkte kämpfen werden.

Die NHL-Stars in ihrer Heimat – es ist ein Leckerbissen für alle Hockey-Fans. Solche Duelle mit Schweizer Spielern in der Schweiz sehnen die Hockeyfans hierzulande ebenfalls herbei – und es könnte in Zukunft durchaus Realität werden.
Die Leistungen der Schweizer Nati, die Begeisterung fürs Eishockey und die Schweizer Stars in der NHL seien gute Argumente für einen NHL-Auftritt hierzulande, sagt Phil Schuler: «Ich denke, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir erstmals ein Meisterschaftsspiel der NHL in der Schweiz austragen werden. Auch wenn es kurzfristig wahrscheinlich noch nicht der Fall sein wird.»
Die NHL strebt nach noch mehr Präsenz – die Spieler nach mehr best-on-best-Wettbewerben auf Nationalmannschafts-Ebene. Das zeigt sich auch am World Cup of Hockey, der 2028 erstmals seit 2016 wieder ausgetragen wird.
«Im neuen Gesamtarbeitsvertrag zwischen der NHL und der Spielergewerkschaft NHLPA widerspiegelt sich der Wunsch der Spieler wieder regelmässig best-on-best spielen zu können, u.a. an den Olympischen Winterspielen, da fast eine ganze Generation an Spielern – und natürlich auch die Fans – nicht in diesen Genuss kamen», so Schuler.
2026 waren die NHL-Stars an Olympia wieder mit dabei, 2028 wird der World Cup of Hockey mit je einer Gruppe in Prag und in Calgary und den Halbfinals und dem Final in Edmonton stattfinden. Der weitere Plan sieht vor, dass 2030 Olympia in Frankreich auf dem Programm steht und 2032 wieder der World Cup of Hockey.
Der Rhythmus scheint also gefunden. Die NHL will weiter wachsen und auch in Europa mehr Fans für sich und den Eishockeysport im Allgemeinen gewinnen.








