Zürcher Stadtrat muss bei Schauspielhaus-Sanierung über die Bücher
Der Zürcher Stadtrat muss seine Sanierungspläne fürs Schauspielhaus am Pfauen überarbeiten.

Statt den alten, geschichtsträchtigen Saal einfach herauszureissen, muss er nun weitere Informationen liefern. Das Stadtparlament hat ihm am Mittwoch entsprechende Aufträge erteilt.
Das Schauspielhaus sei ein lebendiger und hochstehender Ort der Kultur, sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) bei der Vorstellung der stadträtlichen Pfauen-Pläne im vergangenen Sommer. Dies solle auch in Zukunft so sein.
Der Pfauen entspreche aber nicht mehr den heutigen und künftigen Bedürfnissen des Publikums. So sind die Sicht auf die Bühne, die Akustik, das Raumklima sowie die Situation im Foyer für die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht ideal. Auch sind Bühnen-Situation und -Technik veraltet.
Für den Stadtrat kommt ein Rückbau der prägenden Fassade nicht in Frage. Hingegen will er die sogenannte Hofbebauung hinter der Fassade mit dem jetzigen Theatersaal abreissen. Es soll ein komplett neuer Zuschauerraum im ersten Stock entstehen. Das Foyer im Parterre würde dadurch grösser und einladender.
Um den Zuschauerraum abreissen zu können, hat ihn der Stadtrat aus dem Denkmalschutz entlassen. Dagegen rekurrierte der Heimatschutz, das Urteil des Baurekursgerichts steht noch aus.
Im Gemeinderat gab es grosse und grundsätzliche Opposition zum Vorgehen des Stadtrates. Der Sanierungsbedarf hingegen war unbestritten.
AL und SVP taten sich zusammen und reichten eine Motion zur Erhaltung des geschichtsträchtigen Saals ein. Durchgekommen ist am Mittwochabend eine Variante, die weitere Abklärungen fordert. Der Abänderungsantrag stammte von der SP. Die AL nahm ihn an, die SVP nicht und stimmte am Ende als einzige gegen die abgeänderte Motion. Diese passierte den Rat mit 99 Ja- und 16 Nein-Stimmen.
Der Stadtrat wird nun beauftragt, dem Gemeinderat eine Projektierungskredit-Weisung zu unterbreiten. Diese soll aufzeigen, wie das Schauspielhaus entweder unter weitgehender Erhaltung des Zuschauerraums saniert werden kann oder mittels teilweisem oder ganzem Rückbau des denkmalgeschützten Zuschauerraums und weiteren Massnahmen für einen ökonomisch, künstlerisch und betrieblich sinnvollen künftigen Theaterbetrieb erweitert und modernisiert werden kann.
Es sollen die möglichen Lösungsvarianten, die geplanten Nutzungen, der notwendige Zeitbedarf für die Bauzeit mit dafür notwendigen betrieblichen Lösungen und die gesamten Kosten mit den Betriebskosten aufgezeigt werden.
Dabei sollen die Möglichkeiten von Fremdmieten und Möglichkeiten bei Land- und Immobilienerwerb einbezogen und ebenfalls dargelegt werden, weshalb kein Ersatzneubau der gesamten Liegenschaft angestrebt wird.
Guckkastenbühne und Repertoire-Theater
Grundsätzlich sollen auch das heutige Betriebskonzept (Repertoirebetrieb, Guckkastenbühne) beibehalten werden. Dies konnte Corine Mauch zusichern. Die Pfauen-Bühne werde kein zweiter Schiffbau.
Die abgeänderte Motion sei sinnvoll, sagte Mauch weiter. Danach lägen Fakten auf dem Tisch. Der Gemeinderat könne Vor- und Nachteile abwägen und dann entscheiden.
Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) betonte, der Stadtrat habe eine sorgfältige Güterabwägung vorgenommen. Unzweifelhaft sei der Pfauen ein Erinnerungsort für die Nazi-Zeit. Aber man müsse dringend Sanierungsarbeiten durchführen, es brauche Eingriffe in die Bausubstanz. Er freue sich aber auf die «vielgestaltige Diskussion», die noch folgen werde.






