Der Kommandant der Berner Kantonspolizei hat sich am Mittwoch mit einem offenen Brief an die Besucherinnen und Besucher der Berner Reitschule gerichtet.
James arthur leduc
Party (Symbolbild). - shutterstock

Stefan Blättler sagt darin, die Polizei stelle die Reitschule «keineswegs in Frage». «Auch Mitarbeitende von uns, deren Freunde oder Kinder nutzen und schätzen das kulturelle Angebot», schreibt Blättler im offenen Brief, den die Kantonspolizei im Blog auf ihrer Internetseite veröffentlichte. «Solche Freiräume sind für eine Gesellschaft unbestritten ein Mehrwert».

Die Polizei sei aber «beauftragt und verpflichtet», den Drogenhandel auf der Schützenmatte zu bekämpfen, «der mit seinen Strukturen Menschen in schwierigen Situationen ausnützt und ausbeutet». Es gehe darum, auf der Schützenmatte eine Umgebung zu gewährleisten, in der sich die Menschen sicher fühlen könnten.

Deshalb würden in diesem Gebiet Kontrollen durchgeführt. «Wir wollen die ständige Spirale, welche Konflikte zwischen der Reitschule und der Kantonspolizei Bern heraufbeschwört und wohl auch verursacht, durchbrechen», schreibt Blättler weiter.

Die Kantonspolizei wolle versuchen, «gemeinsam Wege zu unser aller Wohle zu finden.»

Keine weiteren Aussagen

Die Medienstelle der Kantonspolizei wollte am Mittwoch keine Stellung nehmen zur Frage, ob der Brief mit der Politik abgesprochen worden sei. Keine Antwort gab es auch auf die Frage, ob die Idee intern entstand oder von aussen her an die Polizei herangetragen wurde.

Mediensprecher Christoph Gnägi sagte auf Anfrage, er könne und wolle keinen weiteren Aussagen zu diesem Brief machen. Es handle sich eben um einen offenen Brief. Als solcher sei er zu nehmen. Polizeikommandant Blättler müsste die Fragen beantworten. Doch stand dieser am Mittwoch gegen Abend für Fragen nicht zur Verfügung.

Dritte behindern Polizei

Die Berner Kantonspolizei ist in den letzten Monaten wiederholt gegen den Drogenhandel auf der Schützenmatte vorgegangen. Das ist der Platz vor der Reitschule. Einzelne Polizisten verfolgten dabei flüchtende mutmassliche Dealer auch ins Gebäude hinein, so etwa am 22. Januar dieses Jahres.

Die Medienstelle der Polizei berichtete nach dem Einsatz, in der Reitschule seien die Polizisten von Drittpersonen behindert worden.

Anfang März kam es zwischen den Betreibern des Kulturzentrums und der Kantonspolizei zu einer Kontroverse um ein ziviles Polizeifahrzeug, das das Trottoir vor der Reitschule befuhr. Die Mediengruppe der Reitschule sagte, es sei in eine Gruppe von Menschen gefahren.

Die Polizei widersprach dieser Darstellung. Der Einsatz sei in Zusammenhang mit Sprayereien auf der Neubrückstrasse und Angriffen auf ein ziviles Polizeifahrzeug erfolgt. Der Lenker des Autos habe bei seiner Fahrt gehupt und sei in angepasstem Tempo gefahren.

Nach offenem Brief weiterer Einsatz

Rund zwei Stunden nach der Veröffentlichung des offenen Briefs meldete die Kantonspolizei per Twitter, es sei eine weitere Aktion gegen den Drogenhandel auf der Schützenmatte im Gang. «Wir erfüllen damit unseren gesetzlichen Auftrag», schrieb sie.

Im weiteren Verlauf des Abends teilte sie mit, sie habe trotz Störungen fünf Personen angehalten. Bei mindestens einem Mann sei Kokain gefunden worden. Alle fünf Personen seien für weitere Abklärungen in Polizeiräumlichkeiten gebracht worden.

Die Kantonspolizei schrieb auch, zu Beginn der Aktion habe aus dem Inneren der Reitschule eine Sirene ertönt. In der Folge seien mehrere Personen in den Innenhof des Gebäudekomplexes gerannt und das Tor sei geschlossen worden.

Mehr zum Thema:

Reitschule