Silvia Steiner : «Fall Jegge wäre heute nicht mehr möglich»

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Zürich,

Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP), die den Untersuchungsbericht zum Fall Jegge in Auftrag gegeben hat, ist überzeugt, dass es eine solche Geschichte heute nicht mehr geben könnte.

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Die Kontrollen seien viel strenger, die Führung der Lehrer professioneller. Heute sei die Sensibilisierung für das Thema Missbrauch auch grösser, sagte Steiner am Donnerstag. Dass sich ein Erwachsener an einem Kind vergeht, sei damals gar nicht denkbar gewesen. «Weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte.«

Eine hundertprozentige Sicherheit vor pädophilen Übergriffen gibt es laut Steiner aber auch heute nicht. Trotz aller Kontrollmechanismen könne man nie ausschliessen, dass eine Person das System ausnutze.

Für die Übergriffe Jegges gebe es keine Entschuldigung, sagte Steiner weiter. «Sie waren damals wie heute strafbar und können nicht mit dem Zeitgeist gerechtfertigt werden.« Auch wenn die Taten verjährt seien, werde der Kanton nicht aus der Verantwortung entlassen. «Wir haben die Pflicht zur Aufarbeitung.«

Zeitgeist als Entschuldigung

Markus Zangger, der von Jegge missbraucht wurde und mit seiner Biographie den Fall ins Rollen brachte, ist mit dieser Aufarbeitung zufrieden. «Der Bericht zeigt gut, wie das System Jegge funktionierte», sagte er. Jegge habe nicht nur seine Schüler manipuliert, sondern auch die Behörden.

Trotzdem könne man den Behörden Vorwürfe nicht ersparen. «Sie haben ihre Pflicht nicht wahrgenommen.« Die Schüler, auch er selber, seien in den Fängen eines Lehrers gewesen, der sich als Gutmensch habe feiern lassen und eigentlich nur seine Bedürfnisse befriedigt habe.

Jegge habe sich fast täglich an einem Schüler vergangen. «Er erklärte uns, dass wir sexuell verklemmt seien. Wir waren zwölf Jahre alt.« Die psychischen Schäden, die Jegge damit angerichtet hat, bezeichnet Zangger als immens. Viele ehemalige Schüler würden noch heute darunter leiden und seien in Süchte abgerutscht.

Jegge hat sich bis heute nicht ohne Einschränkung bei den Betroffenen entschuldigt. Er gab zwar zu, dass es sexuelle Kontakte gegeben habe und entschuldigte sich für allfälliges Leid, das dadurch entstanden sei. Er begründete die Übergriffe aber immer auch mit dem damaligen Zeitgeist.

-Mitteilung der SDA (mis)

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