Solarstrom speichern: Was Salzbatterien leisten können
Die Schweizer Firma inesco AG bietet Natrium-Ionen-Speicher für Solarstrom an. Sie kommen ohne Lithium aus.

Das Wichtigste in Kürze
- Natrium-Ionen-Batterien speichern überschüssigen Solarstrom für die spätere Nutzung und Verbrauchsoptimierung.
- Die inesco AG entwickelt die Software in der Schweiz und lässt die Speicher in Solothurn montieren.
- Die Systeme eignen sich für Eigenheime, öffentliche Bauten, Wohnüberbauungen, Gewerbebetriebe und Energieversorger.
Mittags liefert Ihre Solaranlage reichlich Strom. Doch wenn Sie abends kochen, die Beleuchtung einschalten oder den Fernseher nutzen, produziert sie kaum noch Energie. Ein Batteriespeicher überbrückt diese zeitliche Lücke. Er nimmt überschüssigen Solarstrom auf und stellt ihn später wieder bereit.
Dafür kommen häufig Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz. Mit Natrium-Ionen-Speichern bietet sich inzwischen eine weitere Möglichkeit. Das Schweizer Unternehmen inesco vertreibt solche Systeme bereits. Seinen «sodistore home» bezeichnet es als erste vollintegrierte Natrium-Ionen-Heimspeicherlösung auf dem Markt. Damit wird die Technologie für Hausbesitzende konkret nutzbar.
Was hinter der Salzbatterie steckt
Die Natrium-Ionen-Batterie wird auch «Salzbatterie» genannt. Natrium ist ein Bestandteil von Kochsalz und kommt weltweit reichlich vor. Ein solcher Speicher besteht allerdings nicht einfach aus gewöhnlichem Speisesalz.
Das Grundprinzip ähnelt dem einer Lithium-Ionen-Batterie: Beim Laden und Entladen bewegen sich elektrisch geladene Teilchen zwischen zwei Elektroden. In diesem Fall übernehmen Natrium-Ionen diese Aufgabe. So kann die Batterie elektrische Energie aufnehmen und später wieder abgeben.
Wichtig ist die Unterscheidung zu älteren Salzschmelze-Batterien. Diese arbeiten mit hohen Betriebstemperaturen. Die Natrium-Ionen-Technologie von inesco benötigt diesen heissen Betrieb nicht, es sind Kaltbatterien. «Salzspeicher» ist deshalb ein verständlicher Sammelbegriff, beschreibt aber nicht automatisch dieselbe Technik.
Weshalb Natrium eine Alternative ist
Ein Vorteil liegt in der Verfügbarkeit und unproblematischen Gewinnung der Rohstoffe. Natrium ist weit verbreitet. Dadurch bietet die Technologie die Chance, die Abhängigkeit von Lithium zu verringern, die Materialversorgung breiter abzustützen und dabei einen positiven Beitrag für die Umwelt zu leisten. Laut dem Unternehmen kommen seine Batterien zudem ohne Kobalt aus.

Auch bei der Sicherheit sieht inesco Vorteile. So weist das Unternehmen auf das geringere Brandrisiko seiner Natrium-Ionen-Technologie hin. Daraus sollte jedoch keine pauschale Sicherheitsgarantie für alle Salzbatterien abgeleitet werden. Ausschlaggebend sind das konkrete System, seine Schutzfunktionen und eine fachgerechte Installation.
inesco gibt für seine Heimspeicher einen Temperaturbereich von minus 20 bis plus 55 Grad an. Das eröffnet unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten. Dennoch sollten Sie den geeigneten Aufstellort anhand der Montagevorgaben mit Ihrem Installationsbetrieb klären.
Solarstrom für den Abend und die Nacht
Wie sieht die Anwendung im Eigenheim aus? Ein Beispiel ist ein System mit vier Batteriemodulen und insgesamt 18 Kilowattstunden Speicherkapazität. Ein vollständig geladener Speicher dieser Grösse kann laut inesco einen Haushalt über die Nacht hinaus versorgen.
Wie lange die Energie tatsächlich reicht, hängt vom Verbrauch ab. Eine laufende Wärmepumpe oder ein Elektroauto verändert den Bedarf deutlich. Auch die verfügbare Solarproduktion entscheidet darüber, ob die Batterie tagsüber vollständig geladen wird.
Ein passend ausgelegter Natrium-Ionen-Speicher erhöht somit den Anteil des Solarstroms, den Sie selbst nutzen können. Er macht jedoch aus einer Photovoltaikanlage keine ganzjährig unabhängige Stromversorgung. Besonders im Winter bleiben Produktion und Bedarf sorgfältig aufeinander abzustimmen.
Das Energiemanagement spielt dabei eine wichtige Rolle. Es koordiniert, wann Energie gespeichert und wann sie im Haus genutzt wird.
inesco setzt beim Wachstum auf praktische Erfahrungen. Zunächst konzentrierte sich das Unternehmen auf Speicher für Einfamilienhäuser. Danach folgten Lösungen für Mehrfamilienhäuser, Landwirtschaft, Gewerbebetriebe und Energieversorger.
Schrittweise gewachsen und erstmals profitabel
inesco setzt beim Wachstum auf praktische Erfahrungen. Zunächst konzentrierte sic Mehrfamilienhäuser, Landwirtschaft, Gewerbebetriebe und Energieversorger. So konnte das Team die Technik zunächst im kleineren Rahmen verbessern und seine Erkenntnisse auf grössere Anlagen übertragen. Ende 2026 geht mit dem sodistore industry zum ersten Mal eine Industrielösung von inesco ans Netz.

Diese Strategie zeigt erste Erfolge: Im Juni 2026 kam inesco nach eigenen Angaben erstmals in die Gewinnzone. Bis Ende September hatte das Unternehmen über 600 Batterien verkauft. Zur Einordnung: Für ein Heimspeichersystem mit 18 Kilowattstunden werden vier Batteriemodule benötigt.
Preislich ligenagen die Salzbatterien im damaligen Vergleich noch leicht über entsprechenden Lithiumsystemen. Für das beschriebene Einfamilienhaus beträgt der Unterschied mit den aktuellen Preisen jedoch bereits weniger als 10 Prozent. Unternehmensgründer Hans-Ulrich Zwahlen und Geschäftsführer Roger Nyffenegger erwarten jedoch sinkende Kosten.
Günstigere Rohstoffe und grössere Produktionsmengen könnten die Natrium-Ionen-Speicher mittelfristig preiswerter machen. Langfristig halten sie sogar einen Preisvorteil gegenüber Lithiumbatterien für möglich.
Entwickelt in der Schweiz, montiert mit sozialer Wirkung
Heute verbindet inesco internationale Komponenten mit Schweizer Entwicklungsarbeit zu einem Gesamtsystem. Gemäss inesco wird für die Hardware intensiv mit dem chinesischen Unternehmen Biwatt zusammengearbeitet. Die Software hingegen entwickelt das Team vollständig in der Schweiz. Montage und Verkabelung übernimmt die Genossenschaft VEBO in Solothurn. Die VEBO übernimmt auch die Auslieferung der Batteriesysteme an die Kunden. Sie bietet Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen Arbeitsmöglichkeiten. Der Schweizer Anteil liegt damit insbesondere bei Entwicklung, Steuerung und Zusammenbau des Batteriesystems.






