75 Millionen Kinder leben in Krisengebieten oder sind auf der Flucht. Ihr Zugang zu Bildung ist erschwert und vermindert ihre Chancen, der Armut zu entfliehen.
Schwarzes Mädchen schreibt
Bildung ist als Menschenrecht in der «Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte» verankert. - World Vision

Das Wichtigste in Kürze

  • Bildung ist ein Menschenrecht.
  • Dennoch haben 17% der Kinder weltweit keinen Zugang zu Bildung.
  • Für Kinder auf der Flucht oder in Flüchtlingslagern gibt es kaum Bildungsmöglichkeiten.
  • Bildung eröffnet Zukunftschancen und vermittelt Hoffnung und Würde.

Bildung ist ein Menschenrecht und in der «Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte» der Vereinten Nationen (UNO) verankert. Dennoch haben nach Schätzungen der UNO 17 Prozent der Heranwachsenden weltweit keinen Zugang zu Bildung.

75 Millionen Kinder im Schulalter leben in Krisengebieten oder sind auf der Flucht. Für sie ist der Zugang zu Bildung besonders schwierig. Denn nur zwei Prozent der weltweiten Nothilfe-Fonds werden für Bildung ausgegeben, sagt das internationale Kinderhilfswerk World Vision.

«Bei Hilfsgütern für Menschen in Kriegs- und Krisengebieten denkt man zuerst an Wasser, Nahrungsmittel, Zelte. Aber was ist mit Bildungsangeboten für die Kinder?», kritisiert das Hilfswerk. Auch diese Kinder brauchen sichere Orte, an denen sie lernen können und Unterricht erhalten.

Bildung gibt Hoffnung und Würde

Inmitten von Krieg und Konflikten wird Bildung oft als Luxus angesehen. Doch Bildung ist unverzichtbar, um Geflüchteten wieder Hoffnung und Würde zu geben.

Bildung von Kindern kann nicht warten, bis der Krieg endet oder sie eine feste Bleibe finden. Das Risiko ist zu gross, dass sie jahrelange Lücken in der Bildung aufweisen – oder die Schule nie abschliessen können und somit in einem Kreislauf aus schlechter Bildung und Armut gefangen bleiben.

Mädchen schreibt auf Boden
In Flüchtlingslagern ist das Bildungsangebot eingeschränkt oder nicht vorhanden, wie zum Beispiel in Cox’s Bazar in Bangladesch. - World Vision

Für zwei Drittel der Flüchtlingskinder endet er Unterricht bereits nach der Grundschule, wie der Bildungsreport 2020 des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) zeigt.

Ein Grund für die Misere seien mangelnde Ressourcen, um einen tragfähigen Unterricht für viele Flüchtlingskinder zu garantieren.

Gleichzeitig trieben Konflikte und Gewalt immer mehr Menschen in die Flucht – mit fatalen Folgen, sagt UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi: «Ohne Bildung ist die Zukunft dieser Kinder und ihrer Gemeinschaften unwiderruflich zerstört.» Bildung sei für die Geflüchteten der Schlüssel zum Wiederaufbau ihrer Länder, so Grandi.

Familie auf der Flucht
Die Flucht bedeutet für die Kinder den Unterbruch oder das Ende ihrer Schulbildung. - World Vision

Während der Flucht machen Flüchtlingskinder häufig traumatische Erfahrungen. Gewohnte Strukturen, wie der regelmässige Unterricht, gemeinsames Lernen und Spielen, können helfen, das Erlebte zu verarbeiten.

Die Bildung fortzusetzen und zu lernen, bedeutet auch, die Chance zu bekommen, aktiv an der Gestaltung der eigenen Zukunft mitzuwirken.

Eine Schule in Kolumbien zeigt, wie es geht

Seit mehreren Jahren befindet sich Venezuela in einer schweren politischen Krise. Laut Angaben der Vereinten Nationen haben über 5,6 Millionen Millionen Venezolaner jeden Alters ihr Heimatland verlassen und vor allem in den Nachbarländern Aufnahme gefunden.

In La Guajira, einer Region in Kolumbien, die viele Geflüchtete aus dem benachbarten Venezuela aufgenommen hat, betreibt das internationale Kinderhilfswerk World Vision gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und Education Cannot Wait mehrere Schulen für Flüchtlingskinder.

Kind im Schulzimmer
Die Kinder können trotz der Flucht aus Venezuela ihre Bildung fortsetzen. - World Vision

«Dieses Projekt entstand aus der Notsituation in La Guajira aufgrund der Flüchtlingskrise», erklärt Julieth Bolaños, eine Lehrerin. «Wir arbeiten mit Geflüchteten, aber auch mit den Gastgebern und Rückkehrern.»

Die Schule bietet den geflüchteten Kindern Sicherheit und Zuversicht. Auch wenn die Schulen einfach sind – ein paar Pfosten mit einem Dach darauf, ein paar Reihen Stühle mit Klapptischchen – eröffnet sie ihnen die Möglichkeit, sich neue Zukunftschancen aufzubauen.

Schulgebäude Kolumbien
Das einfache Schulzimmer in La Guajira bietet den Kindern Sicherheit, Halt und Normalität. - World Vision

Nicht nur die Kinder profitieren von diesem Angebot, sondern auch ihre Familien. Der Schulbesuch ist eine Chance auf Normalität, Integration und Würde.

«Sie hat unsere ganze Routine verändert», sagt Zamira, eine Mutter. «Es gibt einem ein neues Selbstwertgefühl: Ich fühle wieder, dass ich existiere.»

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