Umfrage bestätigt Unbehagen gegen Gruppentourismus in Luzern

In der Luzerner Altstadt gibt es nach Ansicht der Stadtbevölkerung zu viele Touristen. Vor allem Gäste aus Asien sowie der Cartourismus stossen auf Skepsis. Gleichzeitig sind sich die Luzerner bewusst, dass der Fremdenverkehr für Luzern sehr wichtig ist.

Nach zwei Jahren Corona-Pause ist der Reise-Nachhohlbedarf auch bei Amerikanern riesig. - Keystone

Dies hat eine repräsentative Bevölkerungsbefragung ergeben, die die Hochschule Luzern im Auftrag der Stadt Luzern durchgeführt hat. Der Stadtrat will die Ergebnisse in seine Tourismuspolitik aufnehmen.

Namentlich geht es dabei um die «Vision Tourismus Luzern 2030» und um das künftige Carregime, die aufzeigen sollen, wie sich der Fremdenverkehr in Luzern entwickeln solle. Die Bevölkerungsbefragung sei ein Element der Analyse, sagte Stadträtin Franziska Bitzi-Staub (CVP) am Dienstag an einer Medienorientierung. Es sei deswegen noch zu früh, Schlussfolgerungen zu ziehen.

Zusammengefasst zeige die Befragung, dass die Stadtbevölkerung den Tourismus grundsätzlich positiv einschätze, teilte die Stadt mit. Viele Aspekte des Fremdenverkehrs würden aber kritisch beurteilt. So werde die Verteilung des Nutzens und der Kosten hinterfragt, besonders was die weitere Entwicklung betreffe.

87 Prozent der Befragten gaben an, dass der Tourismus eine grosse Bedeutung habe, 63 Prozent schätzen ihn als positiv ein. Anerkannt wird namentlich die wirtschaftliche Bedeutung. Bei den kritischen Aspekten des Tourismus schwingt bei 70 Prozent die Meinung oben aus, dass er zu Verkehrsproblemen führe.

Aus Sicht von 79 Prozent der Befragten ist die Zahl der Touristen in der Altstadt zu gross. Besonders kritisch zeigten sich hier die Luzerner, die sich öfters an den touristischen Hotspots wie dem Schwanenplatz aufhalten oder in der Innenstadt wohnen.

Die tiefste Akzeptanz haben gemäss der Umfrage Gäste aus Asien und Gruppenreisende. Man könne vermuten, dass die tiefe Akzeptanz der asiatischen Gäste mit ihrem Reiseverhalten und ihrem Auftreten in Grossgruppen geprägt und nicht durch ihre Herkunft bedingt sei, heisst es in der Studie.

Gemäss der Umfrage unterstützt die Bevölkerung eine stärkere Regulierung und Lenkung des Tourismus, vor allem was den Cartourismus anbelangt. Es sei nicht überraschend, dass sie keine weitere Zunahme der Anzahl Touristen wünsche, teilte die Stadt mit. Viel eher werde ein ausgewogener Gästemix angestrebt.

Bitzi bezeichnete die Umfrage als eine Bestätigung von bisherigen Annahmen. Tourismusdirektor Marcel Perren sagte, es sei für ihn nicht erstaunlich, dass der asiatische und der Gruppengast kritisch betrachtet werde.

Allerdings machen die Gruppengäste nur 23 Prozent der Übernachtungen aus, wie Perren ausführte. Darauf hingewiesen wurde an der Medienorientierung auch, dass Reisebusse flächeneffiziente Verkehrsmittel und Gruppenreisende leicht lenkbar sind.

Wegen der Coronakrise ist eine zu grosse Zahl an Touristen in Luzern aktuell kein Thema. Eine Erholung sei erst im Frühjahr 2021 zu erwarten, sagte Perren. Logiernächtezahlen wie 2019 dürfte es erst ab 2023 wieder geben.

Befragt wurden im Januar und Februar in zwei Wellen 1530 Personen befragt. Dies ermöglicht, auch auf die einzelnen Stadtteile bezogen repräsentative Aussagen zu machen.