Wie kommt die Schweiz an den Biontech Impfstoff?

Nach den vielversprechenden Studienergebnissen zum Biontech Impfstoff stellt sich die Frage, wie und wann die Schweiz Zugang dazu erhält – Covax könnte helfen.

Der Corona-Impfstoff von Pfizer und Biontech soll einen 90-prozentigen Schutz vor dem Virus bieten. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die klinische Studie des Coronaimpfstoffs von Biontech und Pfizer liefert gute Ergebnisse.
  • Die Schweiz hat keine Impfdosen vorbestellt – die ersten sind bereits vergriffen.
  • Die Schweiz könnte 2021 über das Covax-Programm dennoch an den begehrten Stoff kommen.

Die Nachricht des Jahres am Montag kam aus Mainz: Die Unternehmen Biontech und Pfizer vermeldeten einen 90-prozentigen Schutz gegen Covid-19 beim Impfstoff «BNT162b». So lautet das Ergebnis der Zwischenanalyse der laufenden Phase-III-Studie.

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Doch bevor die erste Impfdosis einer Person in der Schweiz verabreicht wird, gilt es zwei essenzielle Hürden zu überwinden: Die Zulassung und die Beschaffung des Impfstoffs.

Swissmedic prüft Impfstoff bereits

Die Zulassung wurde bereits eingeleitet. Das Zulassungsgesuch für die sogenannte «Rolling submission» wurde am 19. Oktober bei der Swissmedic eingereicht.

Die Heilmittelbehörde behandelt die Gesuche in Verbindung mit dem Coronavirus prioritär und mit erhöhtem Personaleinsatz. Nach der Einreichung der Ergebnisse der klinischen Studie dürfte die Zulassung nach rund 100 Tagen vorliegen.

Swissmedic ist die Schweizer Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte. - Keystone

Der Zeitplan von Biontech sieht vor, die Ergebnisse der Phase-III bis Ende November einzureichen. Damit dürfte die Zulassung wohl frühestens Ende Februar erfolgen.

Der Schweiz blieben damit noch rund vier Monate Zeit, um den Impfstoff zu beschaffen.

Biontech verspricht 1,3 Milliarden Dosen bis 2021

Biontech geht aktuell davon aus, bis Ende Jahr bereits 50 Millionen Dosen herstellen zu können. Doch bei dieser ersten Lieferung hat die Schweiz sehr wahrscheinlich das Nachsehen: Allein die EU hat sich bereits im September 200 Millionen Dosen gesichert.

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer gegen das Coronavirus ist in Produktion. - Pfizer Inc.

Die Kapazität für nächstes Jahr schätzt das Unternehmen bei 1,3 Milliarden Dosen ein. Bis Ende 2021 könnte somit ein Zwölftel der Weltbevölkerung mit dem Impfstoff versorgt werden – jede Person benötigt zwei Dosen.

Schweiz hat auf andere Impfungen gesetzt

Die Schweiz hat bisher auf zwei andere Impfstoffe gesetzt. Beim US-Konzern Moderna wurden 4,5 Millionen Dosen bestellt, bei der britischen Astra Zeneca 5,3 Millionen. Auch diese befinden sich in der dritten Phase der klinischen Studie.

AstraZeneca arbeitet an Corona-Impfstoff - AFP/Archiv

Es werden jedoch auch weiterhin Gespräche mit anderen Impfstoffherstellern geführt. Das Projekt in Kollaboration zwischen Biontech und Pfizer zeichnete sich bereits seit Monaten als vielversprechend aus. Kaum vorstellbar, dass die Schweiz noch nie am virtuellen Verhandlungstisch gesessen hat.

Covax-Programm als Notfallplan

Die Schweiz hat im September die Teilnahme am Covax-Programm bestätigt. Covax steht unter Federführung der Impfstoff-Allianz Gavi, der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) und der WHO.

Dieses Programm wurde ins Leben gerufen, um die faire Verteilung künftiger Covid-19-Impfstoffe zu sichern. So soll den 172 beteiligten Ländern Zugang zu Impfstoff für 20 Prozent der Bevölkerung ermöglicht werden.

Pflegepersonal in der Covid-19-Abteilung am HRC Hospital in Rennaz VD auf dem Höhepunkt der Corona-Krise im April. - Keystone

Dies würde längst nicht ausreichen, um die vom BAG angestrebte Impfquote von 60 Prozent zu erreichen. Doch es wäre ein wichtiger erster Schritt. So könnten als erstes ältere Menschen und Risikogruppen geimpft werden sowie Angestellte des Gesundheitswesens und andere besonders exponierte Berufsgruppen.

Laut Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, stehe eine Impfung der breiten Bevölkerung derzeit nicht im Vordergrund: «Dafür müsste man nachweisen können, dass der Impfstoff nicht nur den Einzelnen schützt, sondern auch die Übertragung des Virus verhindert. Das sind zwei komplett unterschiedliche Dinge», sagt er gegenüber der «Basler Zeitung».