High-Tech-Autodiebe an der Goldküste
Lautlos in unter 60 Sekunden weg: An der Zürcher Goldküste knacken Banden Luxus-SUV per Bordnetz-Hack. Wie sicher sind vernetzte Autos noch?

An der Zürcher Goldküste verschwinden hochpreisige Elektroautos und Luxus-SUV in weniger als 60 Sekunden lautlos aus den Einfahrten. Kein Glas splittert, keine Alarmanlage heult auf und kein physischer Schlüssel wird entwendet.
Die internationale Autodiebstahl-Szene hat die wohlhabende Schweiz als lukratives Testlabor für digitales «Crime-Engineering» auserkoren. Im Fokus der organisierten Banden stehen vor allem Premiumfahrzeuge jenseits der 150'000-Franken-Marke wie der Porsche Taycan oder der Range Rover Sport.

Für den Einbruch nutzen die Täter sogenannte CAN-Bus-Injections über freigelegte Kabelbäume, oft im Radkasten oder hinter der Stossstange. Ein modifizierter Mikrocontroller speist dabei gefälschte Datenpakete direkt in das Bordnetz ein.
Fluchtrouten und Spurensicherung
Die elektronische Wegfahrsperre kapituliert binnen Sekunden vor diesen gefälschten Freigabebefehlen. Über die nahe Autobahn A3 fliehen die Täter mit dem Diebesgut meist in der Dunkelheit in Richtung Rheintal.
Für die kantonalen Polizeikorps beginnt die Fahndung oft erst am nächsten Morgen, wenn die leere Garage bemerkt wird. Allerdings erweisen sich moderne Oberklassefahrzeuge als rollende Zeugen, da Flash-Speicher jede Millisekunde des Zugriffs protokollieren.
Die polizeiliche Telematik-Forensik analysiert anschliessend GPS-Koordinaten, Beschleunigungsvektoren und Mobilfunk-Handshakes der verbauten eCall-Module, um wichtige Hinweise zu sammeln.
Ermittlungserfolge im Flash-Speicher
Selbst gewaltsam manipulierte Antennen hinterlassen verräterische Fehlereinträge im CAN-Speicher des Zentralrechners. Schweizer Ermittler kooperieren bei der Rekonstruktion eng mit fedpol sowie den IT-Sicherheitsabteilungen der Hersteller.
Anhand verschlüsselter Telematikdaten lässt sich die exakte Fluchtroute bis auf wenige Meter nachzeichnen. Oft setzen die Banden aber Breitband-Störsender ein.
Ein solcher Jammer blockiert GSM-, LTE- und Satellitensignale vollständig und unterbricht jeglichen Kontakt zur Cloud des Herstellers.
Gegenmassnahmen der Schweizer Assekuranz
Für Schweizer Assekuranzen wie Zurich oder Mobiliar steigen die Schadenssummen durch solche Totalentwendungen rapide an. Die Versicherer verlangen bei Fahrzeugwerten über 200'000 Franken deshalb vermehrt redundante Ortungssysteme mit unabhängiger Stromversorgung.
Ergänzend raten Experten zu mechanischen Sperren, da reine Softwarearchitekturen gegen gezielte Code-Angriffe verwundbar bleiben. Für die Schweizer Justiz verliert sich die Spur der gestohlenen Nobelkarossen meist an der Schengen-Aussengrenze.

Hersteller stehen vor der Herausforderung, ihre CAN-Bus-Architekturen durch durchgehende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung abzusichern. Solange Sicherheitslücken in älteren Modellreihen bestehen, bleibt die Schweiz aber leider ein beliebter Jagdgrund professioneller Autodiebe.







