E-Auto-Occasion: Was wir in Georgien gelernt haben

    Maia Schmied
    Maia Schmied

    E-Auto-Boom in Georgien: Dank null Steuern und günstigen USA-Importen erobert das gebrauchte Tesla Model 3 das Taxi-Geschäft in Tiflis.

    Automarkt Rustavi
    Der grösste Automarkt des Kaukasus: Auf dem riesigen Gelände des Automarkts Rustavi in Georgien stehen täglich über 5'000 Fahrzeuge zum Verkauf. - Autobazroba (Screenshot)

    Kaukasische Metropolen lassen den klassischen Verbrennungsmotor im Eiltempo hinter sich. Im georgischen Strassenverkehr dominiert eine überraschende Occasion als tonangebendes Verkehrsmittel das gesamte Stadtbild.

    Wenn Sie am Flughafen Tiflis landen, umzingeln Sie sogleich lautstarke Taxifahrer mit ihren Angeboten. Zwischen historischen Holzbalkonen, uralten Schwefelbädern und moderner Architektur fällt ein ungewohntes Bild ins Auge:

    Tesla Model 3
    Tesla Model 3 aus dem Jahre 2023: Sehr beliebt und technisch ausgereift. - Alexander Migl

    Geräuschlos rollt ein Tesla Model 3 heran und schaltet seinen hocheffizienten Drehstrom-Synchronmotor geräuschlos auf Durchzug. Die elektrische Antriebstechnik verdrängt etablierte Verbrenner in Georgien mit erstaunlicher Effizienz.

    Vom Flughafen Rustavi direkt in die Stadt

    Während das Elektro-Taxi dynamisch durch das georgische Verkehrschaos gleitet, zeigt sich der wahre Grund für den Stromer-Boom. Die georgische Finanzbehörde erhebt auf reine Elektrofahrzeuge nämlich eine Verbrauchssteuer von exakt null Lari.

    Geschäftstüchtige Händler ersteigern leicht verunfallte Fahrzeuge auf US-Auktionsplattformen wie Copart zu Spottpreisen. Im nahegelegenen Autohandelszentrum Rustavi setzen geschickte Karosseriebauer die importierten Elektroautos mit erstaunlicher Routine wieder instand.

    Automarkt Rusatvi
    Günstige Hauptstadt-Nähe: Das automobile Zentrum liegt nur gut 20 Kilometer südöstlich der georgischen Hauptstadt Tiflis. - Autobazaaer

    Im direkten Vergleich zu einer etablierten Benzin-Limousine wie dem BMW 5er entfällt die teure Zolleinfuhrabgabe beim Stromer komplett. Die Fahrer sparen dadurch bereits bei der Anschaffung mehrere tausend Franken gegenüber einem herkömmlichen Auto.

    Wartungsarme Technik für Tiflis

    Der amerikanische Stromer punktet im harten Taxialltag vor allem durch seine extrem minimalistische und robuste Mechanik. Anfällige Bauteile wie Zündkerzen, Keilriemen, Lichtmaschinen oder komplexe Automatikgetriebe fehlen im elektrischen System komplett.

    Tiflis
    Pioniernetzwerk E-Space: Das georgische Unternehmen E-Space baute ein flächendeckendes Ladenetz auf, an dem E-Autos jahrelang völlig kostenlos Strom tanken konnten. - Expedia (Screenshot)

    Das hocheffiziente rekuperative Bremssystem schont die mechanischen Bremsbeläge selbst auf den steilen Hügeln der Altstadt ganz erheblich. Die jährlichen Servicekosten reduzieren sich im Vergleich zu einem gewöhnlichen Service bei einem Audi A4 oder einer Mercedes E-Klasse auf ein absolutes Minimum.

    Tesla 3 Cockpit
    Lenkrad-Evolution: Beim Model 3 «Highland» verschwanden die klassischen Hebel zugunsten von haptischen Buttons direkt auf den Lenkradspeichen. - Tesla

    Zusätzlich profitieren die Halter von extrem günstigen lokalen Strompreisen für den täglichen Ladevorgang an der Haushaltssteckdose. Die reinen Energiekosten pro Kilometer liegen dadurch weit unter den hohen Preisen für importierte Treibstoffe.

    Schwachstellen zwischen Pflasterstein und Kaukasus

    Trotz der gewaltigen Ersparnis offenbart das amerikanische Elektroauto auf georgischen Strassen auch spürbare Schattenseiten. Das straff abgestimmte Fahrwerk leidet auf den teilweise stark beschädigten Asphaltstrassen deutlich unter dem hohen Batteriegewicht.

    Ein Tesla als Bolt-Taxi in Tiflis.

    Zudem sorgen ungleichmässige Spaltmasse an der Karosserie und das fehlende offizielle Servicenetze von Tesla für tägliche Herausforderungen. Lokale Schrauber in Tiflis behelfen sich deshalb oft mit kreativen Eigenlösungen und Ersatzteilen aus dem Internet.

    Dennoch bleibt das gebrauchte Model 3 im Gesamtkostenvergleich für Vielfahrer ungeschlagen und prägt das Stadtbild nachhaltig. Die Georgier beweisen damit eindrücklich, wie langlebig ein Model Tesla trotz Dauereinsatz im Taxibetrieb sein kann.

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    Kommentare

    User #6301 (nicht angemeldet)

    Es scheint hier haben sich viele Verbrennungsmotoren Lobbyisten gefunden. Einfach nur lustig. Jetzt steigt aber wieder auf euren Baum hoch. LOL

    User #3221 (nicht angemeldet)

    Oder versucht man Elektro-Schrott dort loszuwerden . So hat man die teure und unausgereifte Entsorgung ausgelagert in ein anderes Land .

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