So schlägt sich Eistänzer Wiederkehr (20) in der Sportler-RS

Janik Schmid
Janik Schmid

Regensdorf,

Eistänzer Laurin Wiederkehr träumt von den Olympischen Spielen. Aktuell muss er aber erst noch die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen absolvieren.

wiederkehr einstänzer
Eistänzer Laurin Wiederkehr wurde für die Spitzensport-Rekrutenschule auserkoren. - Janik Schmid

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen bietet Laurin Wiederkehr ideale Bedingungen, um sich sportlich und persönlich weiterzuentwickeln.
  • Der 20-jährige Eistänzer aus Rümlang blickt bereits nach gut der Hälfte der 18 Wochen auf eine lehrreiche Zeit zurück.

Um sechs Uhr morgens beginnt der Tag. Nach der Antrittsverlesung wird die Nationalhymne gesungen – auf Deutsch und Französisch. Danach folgen Training, Fachinputs oder praktische Übungen. Für Laurin Wiederkehr gehört dieser Ablauf seit mehreren Wochen zum Alltag.

Der 20-jährige Eistänzer aus Rümlang absolviert derzeit die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen – eine Ausbildung, die Spitzensport und Militär miteinander verbindet. «Es ist ein riesiges Privileg», betont Wiederkehr mehrfach im Gespräch. Nach drei Wochen militärischer Grundausbildung steht inzwischen vor allem der Sport im Mittelpunkt. Die rund 60 Spitzensportlerinnen und Spitzensportler pro Sommer- oder Wintereinheit profitieren von der Infrastruktur und den vielseitigen Ausbildungsangeboten.

Der Weg dorthin ist allerdings anspruchsvoll. Wer an der Spitzensport-Rekrutenschule teilnehmen möchte, meldet zunächst sein Interesse an. Anschliessend folgt ein umfangreiches Auswahlverfahren mit Interviews und der Einbindung des jeweiligen Sportverbands sowie von Swiss Olympic. Die ersten drei Wochen sind geprägt von einer verkürzten militärischen Grundausbildung.

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Ausflügler geniessen den Blick von Magglingen über das Nebelmeer bis zu den Bergen im Berner Oberland. - keystone

Materialfassung, An- und Abmelden, Zugschule, darauf folgt ein 20-Kilometer-Marsch mit Biwakieren. Danach sei man dann aber wieder «eher Sportler als Soldat», fasst Wiederkehr die Ausbildung zusammen. Eine Waffenausbildung gab es für die Spitzensportler nicht. Der Auftrag des Militärs sei vielmehr, die Schweiz international sportlich zu vertreten und dabei Vorbildcharakter zu zeigen.

In den darauffolgenden Wochen standen verschiedene sportliche Module auf dem Programm. Medientraining, Ernährungsberatung, Physiotherapie, Sportpsychologie sowie Themen wie Sponsoring und Finanzen ergänzten den Trainingsalltag. «Ich habe sehr viel Neues gelernt», erzählt Wiederkehr.

Besonders wertvoll seien für ihn die Erkenntnisse über Regeneration, Schlafqualität, Nahrungsergänzung und den Umgang mit möglichen Mangelerscheinungen gewesen. Ziel sei es, die bestmögliche Leistung auf dem Eis abrufen zu können. Da es in Magglingen keine Eishalle gibt, absolvierte der Rümlanger den Grossteil seines Trainings im Kraftraum oder bei Physiotherapie-Einheiten.

Gemeinsam mit einem Instruktor wurde ein individuelles Programm erstellt. Bei ihm lag der Fokus auf Muskelaufbau – mit Erfolg, wie er sagt. Die zusätzliche Kraft helfe ihm nun auch auf dem Eis.

Mehr als nur Training

Besonders geschätzt hat Wiederkehr den Austausch mit Athletinnen und Athleten aus den unterschiedlichsten Sportarten. Neue Menschen kennenzulernen und Einblicke in deren Alltag zu erhalten, seien für ihn die schönsten Momente gewesen. Gleichzeitig habe ihn auch das Militär selbst fasziniert. Er hätte sogar gerne eine reguläre Rekrutenschule absolviert, um noch tiefer in den militärischen Alltag einzutauchen.

Besonders das Biwakieren habe ihm grossen Spass gemacht. In Magglingen habe er auch gelernt, wann Disziplin gefragt und wann ein lockerer Umgang angebracht sei. Das Umschalten zwischen Kameradschaft und militärischem Ernst habe teilweise auch für amüsante Situationen mit den Vorgesetzten gesorgt, erzählt Wiederkehr schmunzelnd.

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Oberst Rene Ahlmann, Kommandant der Spitzensport-RS, rechts, spricht während der Brevetierung der Absolventen der Spitzensport-Rekrutenschule im Jahr 2017. (Archivbild) - keystone

Die grösste Herausforderung war für den Eistänzer jedoch nicht der militärische Teil, sondern die Rückkehr aufs Eis. Zwar konnte er an den Wochenenden trainieren, während der Woche fehlte ihm wegen der Ausbildung jedoch die regelmässige Eiszeit.

«Sich dann wieder zusammenzuraffen, war nicht ganz ohne», sagt er. Mittlerweile hat Wiederkehr gut die Hälfte der insgesamt 18 Wochen absolviert. Kürzlich wurde er am Besuchstag offiziell zum Soldaten ernannt und erhielt sein Abzeichen – ein besonderer Moment, den er gemeinsam mit Familie, Freunden und zahlreichen Gästen feiern konnte. Dass er für die Spitzensport-RS erkoren wurde, habe seinen Eltern mindestens genauso «die Brust herauswachsen» lassen, wie ihm selbst, erzählt er lachend.

Der Traum von Olympia

Sportlich verfolgt Wiederkehr klare Ziele. In der kommenden Saison möchte er bei den beiden Grand-Prix-Wettkämpfen die Top 5 erreichen, bei weiteren Wettkämpfen regelmässig auf dem Podest stehen und an der Junioren-Weltmeisterschaft einen Platz unter den besten zehn erreichen. Dabei konnte er bereits einen wichtigen Erfolg feiern.

Bei der Junioren-WM der vergangenen Saison erreichten er und seine Tanzpartnerin überraschend Rang 13. Damit gehörten sie zu den zehn besten Nationen – ein Resultat, auf das er besonders stolz ist. Die Unterstützung von Familie und Freunden in der Eishalle sei ein unvergessliches Erlebnis gewesen. Zum Eistanzen kam Wiederkehr nach einigen Jahren im Eiskunstlauf.

Als Kind beobachtete er beim Spazieren mit seiner Grossmutter zufällig Trainings auf dem Eis in Dübendorf. Zunächst spielte er zwar Eishockey beim ZSC, doch die Sprünge im Eiskunstlauf faszinierten ihn mehr. Später wechselte er vom Eiskunstlauf zum Eistanzen. Dass dort das Zusammenspiel mit einem Partner im Mittelpunkt steht, begeistert ihn bis heute.

Treibst du gerne Sport?

Vertrauen, gemeinsame Choreografien und die artistische Seite des Sports machen für ihn den besonderen Reiz aus. Zugleich kennt er aber auch die Schwierigkeiten seiner Sportart. Vor allem fehlende Eiszeiten und der hohe finanzielle Aufwand seien grosse Themen. Ab September beginnt für Wiederkehr zudem ein neuer Lebensabschnitt.

Nach dem Gymnasium startet er an der Fachhochschule Nordwestschweiz das Studium «Data Science & AI for Sports». Gerade die Verbindung von Studium und Spitzensport habe ihn an diesem Studiengang überzeugt. Langfristig blickt der 20-Jährige noch weiter voraus. Nach seiner letzten Saison in der Juniorenkategorie möchte er sich in der Elite etablieren.

Das grosse Ziel liegt jedoch in der Zukunft: die Olympischen Winterspiele 2030. «Träumen darf man und soll man», sagt Wiederkehr.

Wenn er an die Zeit in Magglingen zurückdenkt, wird ihm vor allem eines bleiben: die Menschen. Die Rekrutenschule habe alle eng zusammengeschweisst.

Ebenso werde er die Betreuung durch die Verantwortlichen und die vielen Möglichkeiten vermissen, die den Athletinnen und Athleten geboten wurden. «Ich habe nur positive Erinnerungen an diese Zeit», sagt er.

Auch der kommenden Generation von Sportlerinnen und Sportlern möchte er etwas mit auf den Weg geben: Schwierige Phasen gehörten zu jeder Karriere. «Wichtig ist, sich immer wieder aufzurappeln und vor allem die Freude am Sport nie zu verlieren.»

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Rümlanger» erschienen.

Kommentare

User #1928 (nicht angemeldet)

Der einzige in ganz Europa.

User #4202 (nicht angemeldet)

Jaja, Sportler RS. Der Arme! pffffffff

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