FC Luzern – Trainer Udo Portmann: «Wollen und müssen uns steigern»
Vor der Nati-Pause wartet das Heimspiel gegen YB auf den FC Luzern. Trainer Udo Portmann zieht im Interview mit Nau.ch schon vorher ein Zwischenfazit.

Das Wichtigste in Kürze
- Nach 12 Runden belegt der FC Luzern mit 13 Punkten Platz 8 in der Super League.
- Trainer Udo Portmann erklärt, weshalb die Tabelle aus seiner Sicht derzeit nicht wichtig ist.
- Am Samstag empfängt der 49-Jährige mit seinem Team die Young Boys.
Seit Sommer ist Udo Portmann Trainer beim FC Luzern. 14 Spiele hat er bisher absolviert, in der Liga belegen die Innerschweizer nach zwölf Runden Rang 8. Im Cup steht der FCL nach Siegen über Buochs und Winterthur im Achtelfinal, wo man auf Wil trifft.
Nau.ch-Fussball-Chefreporter Mischi Wettstein zieht mit Portmann, der seinen Übernamen bekanntlich wegen Udo Jürgens (†80) trägt, eine Zwischenbilanz.

Mischi Wettstein: Udo Portmann, wir starten mit einem Song von Udo Jürgens: «Aber bitte mit Sahne». Der passt aktuell nicht ganz zum FC Luzern?
Udo Portmann: Nein, es könnte derzeit bestimmt mehr Sahne drauf sein. Der Match in Zürich (1:2) war aufwühlend, weil wir die ersten 60 Minuten nicht so performt haben, wie wir uns das vorgenommen hatten. Zuletzt gegen Sion (1:1) konnten wir zumindest defensiv eine Reaktion zeigen, das ist positiv zu werten.
Das war ein bisschen «Sahne» – aber auf Kosten der Balance: Nach vorne waren wir zu wenig gefährlich und in einigen Momenten nicht mutig genug. Jetzt gilt es, diese Waage gegen YB möglichst gut wieder einzustellen: Hinten dicht und vorne gefährlich.

Wettstein: Neuzugang Loïc Lüthi spielt kaum von Anfang an, Stefan Knezevic findet sich plötzlich auf der Tribüne wieder. Gibt es beim FC Luzern zurzeit viele hausgemachte Probleme?
Portmann: Das interpretiere ich anders: Eine Saison ist aus meiner Sicht ein Prozess von zwölf Monaten. Da wäre es komisch, wenn es am 1. Juni gleich ausschauen würde wie am 1. Dezember.
Das sind Menschen und keine Maschinen: Ein Spieler performt vielleicht mal besser, ein anderer ist verletzt – und andere sind in einem Flow, den man nicht bremsen will.
Als Trainer muss man immer analysieren, wo Anpassungen nötig sind, um dem Team zu helfen. Dass nicht jeder Entscheid immer einfach ist, wenn man über 28 Profis betreut, ist klar.
Wettstein: Mir persönlich sticht Knezevic aber schon besonders ins Auge: Er ist ein absoluter Mentalitätsspieler. Wenn ich mir das Torverhältnis des FCL anschaue (19:25), dann wurde hinten die richtige Mischung noch nicht gefunden?

Portmann: Wir kriegen immer noch zu viele Gegentore, da gebe ich dir recht. Es ist aber auch so, dass Knezevic mehrfach gespielt hat – er gehört genauso zu dieser Saison wie alle anderen Spieler. Wir schauen immer darauf, welches die beste Kombination ist, dabei berücksichtigen wir alle Faktoren.
Wettstein: Glaubst du an Zufälle?
Portmann: (überlegt) Es gibt Sachen, die man als Trainer nicht komplett kontrollieren kann. Das muss man akzeptieren.
Wettstein: Ich möchte auf ein konkretes Beispiel hinaus: Im Spiel gegen Sion sind Lucas Silva und Loïc Lüthi am Gegentor schuld. Silva ist momentan nicht in Topform und Lüthi scheint das Selbstvertrauen zu fehlen. Ist es ein Zufall, dass ausgerechnet diese beiden beim Gegentor involviert sind?

Portmann: Das ist etwas weit hergeholt. Ich würde sogar sagen, dass Loïc Lüthi ein sehr anständiges Spiel gemacht hat. Dass Fehler passieren, liegt in der Natur der Sache. Als Innenverteidiger werden deine Fehler halt einfach schneller bestraft. Darum teile ich deine Interpretation nicht.
Wettstein: Das ist absolut okay. Schauen wir voraus, am Samstag reist YB nach Luzern. Der Blick auf die Tabelle zeigt: Ihr habt 19 Tore erzielt – bei YB sind es mit 38 gleich doppelt so viele. Kassiert haben die Berner aber 23 – muss der FCL das Heil also in der Offensive suchen?
Portmann: Das wäre kein guter Ratschlag. Ich habe schon zu Beginn unseres Gesprächs von Balance gesprochen. Was wir sicher vorhaben: Wir wollen zielstrebiger auftreten und mutiger in der Offensive sein.
Das war schon gegen Sion so: In der Anfangsphase haben wir mutig vorwärtsverteidigt. Das wollen wir auch gegen YB machen. Aber wir können nicht nur mit Hauruck nach vorne rennen, das wäre gegen diesen Gegner extrem gefährlich.

Wettstein: Eine kurze Zwischenbilanz: Zwölf Runden sind gespielt, der FCL hat 13 Punkte geholt – damit liegt man drei Zähler hinter Platz sechs. Aber: Auch die Barrage ist nur drei Zähler entfernt. Ist der FCL jetzt näher an der Championship Group oder dem Barrage-Platz?
Portmann: Ich glaube, die Tabelle lügt nicht. Wir dürfen nicht das Gefühl haben, dass wir diese Liga im Griff haben und nur nach vorne schauen. Aber wir haben grundsätzlich in einigen Spielen auch gezeigt, dass Platz 6 nicht allzu weit von uns entfernt ist.
Die aktuelle Situation eignet sich perfekt dazu, eben nicht auf die Tabelle zu schauen – sondern auf die Leistungen. Und die waren noch nicht gut und konstant genug, das merke ich selber selbstkritisch an. Wir sind noch nicht dort, um sagen zu können, dass wir in die Top 6 gehören. Wir wollen und müssen uns steigern.

Wettstein: Wie wichtig wäre es jetzt, vor der Nati-Pause noch einen Dreier einzufahren? Dann würde die Tabelle gleich viel freundlicher ausschauen?
Portmann: Auch da gilt: Die Tabelle würde dadurch nicht automatisch rosig ausschauen. Fakt ist: Wenn wir YB schlagen, haben wir eine gute Leistung gezeigt.
Das kann in den zwei Wochen Nati-Pause für ein gutes Gefühl sorgen. Aber das hatten wir auch vor der letzten Pause nach dem Sieg gegen GC – und da kamen wir dann schlecht aus den Startlöchern.
Darum: Sollten wir gegen YB gewinnen, dürften wir den Moment geniessen – aber dann sehr schnell wieder den Fokus finden. Für mich ist die Tabelle im Moment nicht das Wichtigste. Wir müssen unsere Leistungen steigern. Das ist eine coole Situation für mich als Trainer: Ich weiss, was wir verbessern müssen – und wo die Hebel sind.
Wettstein: Natürlich schliessen wir unser Gespräch auch mit einem Udo-Titel ab: «Und immer wieder geht die Sonne auf». Kannst du damit leben?
Portmann: Ja, auf jeden Fall! Die Sonne geht bei mir fussballtechnisch zwar nie ganz unter – aber sie darf gerne mal wieder höher scheinen.
Zur Person
Im Sommer wird Udo Portmann beim FC Luzern zum Cheftrainer befördert. Er wurde damit zum Nachfolger von Mario Frick, der den FCL 4,5 Jahre trainierte. Zuvor war der 49-jährige Portmann mehrere Jahre im Nachwuchs der Innerschweizer tätig.
Mit bürgerlichem Namen heisst der FCL-Coach eigentlich Jörg Portmann. Seinen Spitznamen verdankt er Schlagersänger Udo Jürgens (†80) und dessen Lied «17 Jahr, blondes Haar», wie er in einem früheren Nau.ch-Interview erklärt: «Das ist mein namensgebender Song – als ich 17 war, hatte ich lange blonde Haare. Aus Jörg wurde Jürgen und dann Udo Jürgens. Dann ist der Name Udo geblieben, und ich habe mich nicht dagegen gewehrt.»
| Super League (06.11.2026) | Sp | S | N | U | Tore | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 12 | 11 | 0 | 1 | 36:10 | 34 | |
| 2. | ![]() | 12 | 7 | 1 | 4 | 38:23 | 25 | |
| 3. | ![]() | 12 | 7 | 3 | 2 | 25:18 | 23 | |
| 4. | ![]() | 12 | 6 | 4 | 2 | 25:26 | 20 | |
| 5. | ![]() | 12 | 6 | 5 | 1 | 19:22 | 19 | |
| 6. | ![]() | 12 | 5 | 6 | 1 | 17:16 | 16 | |
| 7. | ![]() | 12 | 4 | 6 | 2 | 18:22 | 14 | |
| 8. | ![]() | 12 | 3 | 5 | 4 | 19:25 | 13 | |
| 9. | ![]() | 12 | 4 | 7 | 1 | 24:34 | 13 | |
| 10. | ![]() | 12 | 3 | 8 | 1 | 24:25 | 10 | |
| 11. | ![]() | 12 | 2 | 6 | 4 | 15:28 | 10 | |
| 12. | ![]() | 12 | 1 | 8 | 3 | 11:22 | 6 | |
| Super League (06.11.2026) | Sp | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 12 | 34 | |
| 2. | ![]() | 12 | 25 | |
| 3. | ![]() | 12 | 23 | |
| 4. | ![]() | 12 | 20 | |
| 5. | ![]() | 12 | 19 | |
| 6. | ![]() | 12 | 16 | |
| 7. | ![]() | 12 | 14 | |
| 8. | ![]() | 12 | 13 | |
| 9. | ![]() | 12 | 13 | |
| 10. | ![]() | 12 | 10 | |
| 11. | ![]() | 12 | 10 | |
| 12. | ![]() | 12 | 6 | |
























