Stadt Zürich

    Uni Zürich und ETH messen sich im Rudern

    Sacha Beuth
    Sacha Beuth

    Zürich,

    Zum 74. Mal treten Universität Zürich und ETH am Samstag im Achter gegeneinander an. Das Rennen zieht hunderte Zuschauende an.

    Rudern bei Uni vs. Poly: Katarina McMahon (Uni), Julia Andrist (Poly), Gyan Wettstein (Uni) und Janis Jucker (Poly, v. l.).
    Rudern bei Uni vs. Poly: Katarina McMahon (Uni), Julia Andrist (Poly), Gyan Wettstein (Uni) und Janis Jucker (Poly, v. l.). - SB

    Zwar geben sich Katarina McMahon und Gyan Wettstein von der Universität Zürich sowie Julia Andrist und Janis Jucker von Poly/ETH betont gelassen, als sie auf der Polyterrasse zur anstehenden Ruderregatta zwischen den beiden Hochschulen befragt werden.

    Dennoch ist bei den Co-Captains der Studentinnenteams beziehungsweise Captains der Studentenmannschaften eine gewisse Anspannung zu spüren. Denn es geht um sehr viel Prestige, wenn sich ihre Teams auf der Rennstrecke im Seebecken zwischen Badi Utoquai und Frauenbadi messen.

    Wie üblich dürften wieder Hunderte von Schaulustigen die Ufer säumen, um die Best-of-3- Serien «ihrer» Teams zu verfolgen. «Darum haben wir natürlich alle nur ein Ziel: Gewinnen, egal mit welcher Zeit», sagt Jucker, wobei Andrist mit einem Lachen ergänzt: «Und dass unser Rennen möglichst nach zwei Läufen entschieden ist und wir nicht noch einen dritten Durchgang machen müssen.»

    Idee entstand in Vorlesung

    Während im angelsächsischen Raum sportliche Wettkämpfe zwischen Hochschulen normal sind, sind sie in der Schweiz eine Ausnahme. Zu diesen gehört die vom Akademischen Sportverband Zürich ASVZ organisierte Ruderregatta im Achter zwischen Uni und Poly, als Kürzel für Polytechnikum, dem alten Namen der ETH Zürich.

    Duell
    So sehen Sieger aus: Der Studenten-Achter der Poly mit Janis Jucker (3. v. r.) gewann das letztjährige Duell gegen die Uni. - Jan Sobotkiewicz

    Diese wird am nächsten Samstag (ab 15 Uhr) zum 74. Mal ausgetragen und schliesst längst auch die Duelle der Studentinnen, der Professoren, der Alumni (= Ehemalige) sowie der Kategorie Nachwuchs (im 16er) mit ein.

    Ins Leben gerufen wurde der Anlass 1945, als zwei Studenten – offenbar gelangweilt von einer Vorlesung über «Effektenverkehr und Börsengeschäfte» – die zündende Idee dazu kam.

    Angelehnt an den berühmten Zweikampf zwischen Oxford gegen Cambridge in England wurde noch im gleichen Jahr das erste Hochschul-Ruderduell der Schweiz ausgetragen. Aktuell führt die Poly über alle Kategorien mit 72:51 Siegen, wobei die Rennen des Nachwuchses nicht mitgezählt werden.

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    Insbesondere bei den Studenten (43:28 Siege) und Studentinnen (20:3 Siege) spricht die Statistik eine klare Sprache zugunsten der Poly. Warum die «Techniker» die «Auswendiglerner», wie sich die Studierenden gegenseitig spasseshalber nennen, derart dominieren, darüber können die Captains nur mutmassen.

    «Vielleicht hat es damit zu tun, dass der Ruf der ETH im Ausland grösser ist und sie darum aus einem grösseren Rayon ihre Ruderinnen und Ruderer auswählen können. Und vielleicht hatte die Poly einfach auch mehr Glück bei der Zusammenstellung der Teams», so ETH-Student Jucker.

    «Man darf nicht vergessen, dass die Uni- und Polyteams nur jeweils etwa acht Wochen lang existieren, von der Zusammenstellung bis zum Ende der Regatta», erklärt Wettstein von der Uni Zürich. Das heisst, es bleibt wenig Zeit, um ein Team zu formen.

    Von Jahr zu Jahr gibt es unter anderem darum nur wenige Wechsel in den Teams, meist nur zwei, ganz selten vier. Auch hat es keinen Platz für Ruder-Anfänger.

    Traditionsreich: Ruderregatta zwischen der Uni Zürich (blau) und der Poly/ETH (weiss), Bild von 2025.
    Traditionsreich: Ruderregatta zwischen der Uni Zürich (blau) und der Poly/ETH (weiss), Bild von 2025. - Nick Soland

    «Die Teams der Studierenden bestehen alle aus Personen, die bereits in einem Klub rudern und an nationalen Meisterschaften teilnehmen», betont McMahon von der Uni Zürich, die ansonsten für den RC Belvoir das Ruder in die Hand nimmt, derweil Wettstein bei GC, Jucker beim Seeclub Stäfa und Andrist beim RC Erlenbach aktiv sind.

    Alle Bewerberinnen und Bewerber haben zuvor einen Ergotest und ein Testtraining zu absolvieren. Erst dann entscheiden Captain und Trainer über eine allfällige Teilnahme. Der Trainingsaufwand alleine für das Hochschulduell hält sich zwar in Grenzen.

    «Wir trainieren dafür etwa zweimal eine Stunde pro Woche, meist frühmorgens ab 6 Uhr», so McMahon. «Das ist aber nur zusätzlich zu den sieben bis fünfzehn Stunden pro Woche, die individuell beziehungsweise im Klub gerudert werden.»

    Bei der Frage nach der angestrebten Taktik winden sich die Captains. «Das verraten wir nicht, das ist geheim», schmunzeln Andrist und Jucker unisono.

    Derweil gibt sich McMahon nüchtern: «Das Rennen ist zu kurz für eine ausgefeilte Taktik. Was man aber sagen kann: Man kann mit einem schlechten Start das Rennen verlieren, aber das heisst nicht zwingend, dass man es mit einem guten Start gewinnt».

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

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