Zofingen

    Sandro Freda: Kickboxer will von Oftringen AG aus an die Weltspitze

    Joel Dreier
    Joel Dreier

    Zofingen,

    Zuerst Bronze, dann Silber und nun endlich Gold: Mit dem Titel an der Kickbox-Junioren-WM hat Sandro Freda (17) seine Medaillensammlung komplettiert.

    Sandro Freda erkämpfte jeweils eine Bronze-, Silber- und Goldmedaille an den Kickbox-Junioren-Weltmeisterschaften
    Sandro Freda erkämpfte jeweils eine Bronze-, Silber- und Goldmedaille an den Kickbox-Junioren-Weltmeisterschaften. - zVg

    Was im venezianischen Jesolo das bisherige Highlight seiner noch jungen Karriere war, nahm in Oftringen AG seinen Anfang. Sandro Freda jagte zeitweise im Fussballclub dem Ball nach und turnte an den Geräten des Satus ORO, bis ihn sein Bruder Davide mit acht Jahren ins Kickboxen mitnahm.

    «Ich habe gespürt, dass er sich in diesem Sport wohlfühlen würde», sagt er heute. Der grosse Bruder bewies ein gutes Händchen: Sandro war sofort in seinem Element.

    Während er auf dem Fussballplatz wohl einige rote Karten für seine Aktionen kassiert hätte, blühte er unter dem Vollkontakt, dem direkten Duell mit seinem Gegner, im Kampfsport regelrecht auf.

    Dass in ihm ein Kämpfer steckt, hätte er schon auf dem Pausenhof bei den «Spass-Kämpfli» ahnen können. Dort blieb er bis heute übrigens ungeschlagen, schmunzelt er.

    Zwölf Einheiten, sechs Tage

    Was mit wenigen Trainingseinheiten begann, wurde schnell zu einem zweiten Vollzeitpensum. Zwölfmal pro Woche trainiert der Oftringer, neben seiner vierjährigen Sportlerlehre bei der Aargauischen Kantonalbank.

    Sandro Freda kämpft sich zu WM-Gold
    Sandro Freda kämpft sich zu WM-Gold. - zVg

    Üblicherweise verteilen sich die Einheiten auf zwei pro Tag an sechs Tagen, manchmal stapeln sich aber auch drei an einem Tag.

    Freda trainiert dabei die ganze Palette: Ausdauer beim Laufen, Kraft und Explosivität im Fitnessstudio und die Technik im Leistungszentrum «Fusion Sports Academy» in der Landeshauptstadt.

    Der Kopf entscheidet mit

    Über Sieg und Niederlage entscheidet jedoch nicht nur die physische Verfassung, sondern auch die mentale Vorbereitung. «Man kann sich auf einen Kampf aber nur bedingt vorbereiten», schildert Sandro Freda.

    Es gehe darum, grob zu visualisieren, welche Risiken lauern. Denn sobald der Gong ertöne, laufe alles automatisch ab.

    Durch unzählige Kämpfe habe er sich inzwischen eine wertvolle Routine aufgebaut, sodass er im Ring deutlich weniger nervös sei. Er wandle die Nervosität in Energie um, die ihn schon zu manchem Sieg beflügelt habe.

    Der Kampf vor dem Kampf

    Die schwerste Disziplin dürfte für Sandro aber das sein, was für die meisten Menschen am leichtesten fällt: das Essen. Denn was im Gym geformt wird, erhält in der Küche seinen Schliff.

    Er ist streng an seine Gewichtsklasse von derzeit 51 Kilogramm gebunden, in der wettkampffreien «Offseason» wiegt er rund sieben Kilo mehr.

    Sandro Freda erkämpfte jeweils eine Bronze-, Silber- und Goldmedaille an den Kickbox-Junioren-Weltmeisterschaften
    Sandro Freda erkämpfte sich jeweils eine Bronze-, Silber- und Goldmedaille an den Kickbox-Junioren-Weltmeisterschaften. - zvg

    Der Kampf mit der Waage beginnt für ihn deshalb schon Wochen vor dem eigentlichen Wettkampf. In dieser Phase fährt er die Ausdauereinheiten hoch. Dazu verzichtet er wenige Tage vor dem Wettkampf fast vollständig auf Kohlenhydrate, Salz und Ballaststoffe und nimmt fast nur Protein und Fett zu sich.

    Am Tag vor dem Kampf schwitzt er oft zusätzlich in der Sauna oder joggt in einer dicken Winterjacke, um das Limit zu erreichen.

    Eine derartige Disziplin kann zudem schnell in ein gestörtes Essverhalten umschlagen. «Damit hatte ich auch zu kämpfen», gibt der 17-Jährige zu. Nach Wettkämpfen habe er manchmal nur um des Essens willen gegessen, obwohl er eigentlich keinen Hunger gehabt habe.

    Im Kopf habe sich alles ums Essen gedreht. Mit der Erfahrung habe er sich das abgewöhnt. Heute nimmt er sich bewusst Zeit für seine Mahlzeiten. «Das sind die Schattenseiten des Sports», meint auch Sandro. «Aber das gehört dazu und das muss man durch.»

    Zwischen Sorge und Vertrauen

    Besonders in der Küche, aber auch in allen anderen Lebenslagen hält ihm die Mutter den Rücken frei. Sie kocht die Mahlzeiten vor, damit sich Sandro voll auf Beruf und Training konzentrieren kann. Die Wettkämpfe lässt sie jedoch aus.

    Obwohl sie voll hinter dem Traum und der Passion ihres Sohnes steht, «hat sie Mühe damit, mich im Ring kämpfen zu sehen», erzählt Sandro. Ganz anders sein Vater: Er ist bei den Kämpfen regelmässig vor Ort, fiebert mit und unterstützt seinen Sohn ebenfalls sehr.

    Sandro Freda: «Man kann sich auf einen Kampf nur bedingt vorbereiten.»
    Sandro Freda: «Man kann sich auf einen Kampf nur bedingt vorbereiten.» - zVg

    Auch für Bruder Davide ist es nie leicht, am Ring zu stehen. «Besonders bei seinen ersten Kämpfen war ich überaus nervös», berichtet er. Man könne nicht kontrollieren, was im Ring geschehe, und das gelte nicht nur für körperliche Verletzungen, sondern auch für mentale.

    «Eine Niederlage im Ring kann auch den Geist verletzen.» Doch der Erfolg des kleinen Bruders gebe ihm Rückenwind, und das mulmige Gefühl wich einem grossen Vertrauen.

    Das Zeug zum Champion

    Sandro Fredas Ziele sind, berechtigterweise, hoch gesteckt. Langfristig will er bei der asiatischen Kampfsportorganisation «ONE Championship» kämpfen und vom Sport leben können. Kurzfristig soll an der Junioren-EM Gold her.

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    Danach will er in einer höheren Gewichtsklasse Edelmetall an der Erwachsenen-WM holen. Ob es auch hier ein Medaillensatz wird? Die Chancen stehen auf jeden Fall gut.

    Denn Sandro Freda, seine Familie und seine Trainer bilden jeden Tag ein Team, das ihm ermöglicht, ein Champion zu sein.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in den «Aarauer Nachrichten» erschienen.

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