DFB

    Löw-Abgang sorgt für Probleme beim DFB - Klopp erneuert Nein

    DPA
    DPA

    Deutschland,

    Die Löw-Nachfolgedebatte läuft sofort auf Hochtouren und offenbart die grossen Probleme für den DFB. Wunschkandidat Klopp erneuert sein Nein. Die Spieler um Kapitän Neuer versprechen besonderen Ehrgeiz.

    Macht nach der EM 2021 Schluss beim DFB: Joachim Löw. Foto: Marius Becker/dpa
    Macht nach der EM 2021 Schluss beim DFB: Joachim Löw. Foto: Marius Becker/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Von wegen Lahme Ente: Der persönliche Befreiungsschlag von «Ich-entscheide»-Bundestrainer Joachim Löw hat rund um die angeschlagene deutsche Fussball-Nationalmannschaft in Windeseile für völlig neue Konstellationen gesorgt.

    Nicht mehr die Rolle und die Zukunft des «ewigen Jogi» stehen plötzlich im Brennglas der Öffentlichkeit, sondern: Kann das Team um Kapitän Manuel Neuer nach 15 Jahren unter Löw seinem Chef bei der Europameisterschaft im Sommer einen glänzenden Abgang verschaffen? Und vor allem: Wer übernimmt den Posten als wichtigster Fussballlehrer des Landes?

    Der nach der WM-Pleite 2018, einer weiteren Ernüchterung bei der Premiere der Nations League und natürlich vor allem nach dem jüngsten 0:6-Desaster gegen Spanien arg angeschlagene Löw hat mit seinem angekündigten Abschied nach der Euro im Sommer noch einmal verblüfft - und die grössten Probleme Richtung DFB geschoben. Der Verband bekam das postwendend zu spüren: Jürgen Klopp als Nachfolgekandidat Nummer eins, den sich viele Fans wünschen würden, erneuerte seine Absage.

    «Dass ich gefragt wurde, ist erstmal eine Ehre. Aber ich sage: Nein, ich habe einen Vertrag, und selbst wenn Liverpool mich hier rausschmeisst: Wenn meine Zeit hier rum ist, werde ich erstmal ein Jahr Pause machen», sagte der Trainer des englischen Meisters FC Liverpool dem TV-Sender Sky. Und der 53-jährige Klopp bekräftigte: «So funktioniert das einfach nicht. Und dementsprechend: Nein.»

    Neben Klopp sind Bayern-Trainer Hansi Flick (56), Ex-Leipzig-Manager und -Trainer Ralf Rangnick (62) und U21-Nationalcoach Stefan Kuntz (58) die heiss gehandelten Kandidaten. Löw muss die sofort begonnene Nachfolge-Diskussion ebenso wenig beschäftigen wie das Dilemma, in dem die Führung des Deutschen Fussball-Bundes um Präsident Fritz Keller nun steckt. Flick, als ehemaliger Löw-Assistent bestens im DFB vernetzt, hat in München noch einen Vertrag bis 2023. Ob eine Zusammenarbeit von Rangnick, bekannt als Stratege weit über die Trainerfunktion hinaus, und DFB-Direktor Oliver Bierhoff funktionieren würde, ist fraglich. Bierhoff schätzt aber, was Rangnick in Leipzig geschaffen hat, erst zuletzt trainierte die Nationalelf auf dem RB-Gelände.

    Zudem zeigte sich Rangnick interessiert. Es sei eine «Stelle, die niemanden in Deutschland kalt lässt», sagte der 62-Jährige bei Sky. Er könne sich grundsätzlich alles vorstellen. «Für mich ist es in erster Linie eine Frage des Timings. Im Moment bin ich frei», sagte er.

    «Ob es der richtige Zeitpunkt für ihn ist? Offensichtlich, sonst hätte er es wahrscheinlich nicht gemacht. Und dann muss man ihm nach dem Turnier auch gratulieren», sagte Leipzigs junger Trainer Julian Nagelsmann (33) zu Löws Kehrtwende, sein DFB-Engagement nun doch vorzeitig zu beenden. Eine «Lame Duck» wird der 61-Jährige dadurch nicht. Im Gegenteil: Löw hat sich von enormem Ballast befreit.

    Endlos-Debatten um eine Rückkehr der von ihm aussortierten Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng, Rücksichtnahme auf Vereine, Sorgen um die Zukunft der Nationalelf, ausufernde Kritik von Experten und Ex-Spielern sowie persönliche Sympathiewerte bei den Fans im Sturzflug - all das hat Löw abgeschüttelt. Nur noch eines zählt für den Weltmeistercoach von 2014: «Ich werde mein Bestes geben, unseren Fans bei diesem Turnier grosse Freude zu bereiten und erfolgreich zu sein. Ich weiss auch, dass dies für die gesamte Mannschaft gilt.»

    Alle Entscheidungen, die Löw jetzt trifft, kann er auf sein letztes grosses Event ausrichten. Auch wenn sein Weggefährte Bierhoff sagte: «Uns verbindet im Sommer weiterhin ein grosses gemeinsames Ziel.» Die Reaktion der deutschen Fussball-Prominenz von Rudi Völler («verdient Respekt») über Berti Vogts («einer der grössten Bundestrainer») und Jürgen Klinsmann («grössten Respekt») bis zu Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus («toller Schachzug») machen deutlich: Löw wird in wenigen Monaten als ein Grosser gehen, vielleicht sogar als Held.

    Der gebürtige Schwarzwälder hat nicht (mehr) übersehen, dass die bisherige Stimmungslage um seine Person die EM-Ziele bedrohte. Jetzt sind die Spieler auf dem Platz wieder deutlich mehr in der Pflicht. Eine Wagenburg-Mentalität wie beim WM-Triumph in Brasilien könnte helfen. «Nun gibt es einen Grund mehr, dass wir alles versuchen, die Europameisterschaft erfolgreich zu bestreiten», schrieb DFB-Kapitän Manuel Neuer bei Instagram.

    Dass die Spieler Löw ihre Gefolgschaft verweigern, wie das schon bei vorzeitigen Trainer-Abschiedsankündigungen zu erleben war, ist nicht zu erwarten. Denn von Neuer über Toni Kroos und Joshua Kimmich bis hin zur neuen Generation um Serge Gnabry und Leon Goretzka - alle haben ihm viel zu verdanken. Und ein gerade 18 Jahre alt gewordener Jamal Musiala vom FC Bayern würde Löw verehren, wenn er ihn in einem der Ende März anstehenden WM-Qualifikationsspiele gegen Island, Rumänien oder Nordmazedonien frühzeitig zum Nationalkicker macht.

    Zumal sich alle Spieler auch für den Löw-Nachfolger anbieten wollen. Mit der WM 2022 in Katar und der Heim-EM 2024 warten rasch reizvolle Aufgaben. Nationalmannschafts-Direktor Bierhoff muss sich in seinem 17. DFB-Jahr nun erstmals als Bundestrainer-Finder beweisen, obwohl die Aufgabe schon seit Jahren in seinem Jobprofil steht.

    Den Namen Hansi Flick hatte der ehemalige Stürmer bereits als Nachfolge-Kandidat genannt, als er zum Ausklang des Jahres 2020 über ein Ende der Amtszeit von Löw sinnierte: «Ob ich ihm das zutraue? Absolut.» Und: «Hansi kennt den DFB in- und auswendig. Er hat seine Qualität und hat immer gesagt, wie er den Verband schätzt.» Den Bayern-Bossen gefielen Bierhoffs öffentliche Worte schon damals überhaupt nicht.

    Kommentare

    Weiterlesen

    Blocher
    1'758 Interaktionen
    Neutralität
    Ernährung
    273 Interaktionen
    Ernährung

    MEHR IN SPORT

    jashari
    215 Interaktionen
    Nati-Sieg
    DFB Griechenland
    14 Interaktionen
    0:1 in NL
    sfv
    30 Interaktionen
    Weitere Fälle?
    Rapperswil-Jona Lakers
    1 Interaktionen
    Seine achte Saison

    MEHR DFB

    Paris Brunner DFB Klopp
    11 Interaktionen
    Nicht im Klopp-Kader
    Julian Nagelsmann
    12 Interaktionen
    WM-Aus
    klopp
    4 Interaktionen
    Deutsche melden
    DFB-Pokal
    56 Interaktionen
    33 Beamte verletzt

    MEHR AUS DEUTSCHLAND

    Lufthansa
    3 Interaktionen
    Frankfurt/Main
    Linkin Park
    3 Interaktionen
    Berlin
    df
    4 Interaktionen
    Im Allgäu
    lufthansa
    Wegen Kabinen-Geruch