Geiger fordert Überflieger: Kobayashi nicht unschlagbar

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    Deutschland,

    Runterkommen, relaxen und dann wieder angreifen. Nach seinem emotionalen und erfolgreichen Oberstdorf-Heimspiel kann Karl Geiger nur kurz verschnaufen. Auch mit der Schanze in Garmisch hat er noch eine Rechnung offen. Japans Überflieger kann einen Rekord aufstellen.

    Die Überflieger des Tournee-Auftakts: Karl Geiger (l) und Ryoyu Kobayashi. Foto: Daniel Karmann/dpa
    Die Überflieger des Tournee-Auftakts: Karl Geiger (l) und Ryoyu Kobayashi. Foto: Daniel Karmann/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Seine Bescheidenheit legte Karl Geiger auch vor dem Neujahrsspringen nicht ab.

    So gut gelaunt wie nie zuvor ging es für den deutschen Hoffnungsträger zum nächsten Skisprung-Klassiker.

    «Ich fahre da mit einem Grinsen rüber», sagte der erste Verfolger von Vorjahressieger Ryoyu Kobayashi vor dem zweiten Akt der Vierschanzentournee am Mittwoch (14.00 Uhr/ZDF und Eurosport) in Garmisch-Partenkirchen. Bundestrainer Stefan Horngacher baut darauf, dass Geiger den momentan überragenden Überflieger aus Japan im weiteren Tournee-Verlauf herausfordern kann. «Ich denke, auch er ist nicht unschlagbar. Ich glaube, dass es schwierig ist, noch mal viermal zu gewinnen. Das werden wir ihm dieses Jahr vermiesen», kündigte der Tiroler an.

    Bei der letzten Tournee hatte Kobayashi als dritter Springer nach Sven Hannawald und dem Polen Kamil Stoch alle vier Einzelspringen gewonnen. Nun gilt der Oberstdorfer Geiger nach seinem gefeierten zweiten Platz zum Auftakt in seinem Heimatdorf als erster Verfolger - und soll es noch besser machen als Markus Eisenbichler im Vorjahr.

    Doch erst einmal war relaxen angesagt. «Einfach mal faulenzen und gar nix machen», beschrieb Bundestrainer Horngacher das Programm für den ungewöhnlich frühen Ruhetag schon nach dem Auftaktspringen. Geiger und seine Kollegen freuen sich auf die Pause und die Chance, den Akku nach dem emotionalen Start vor 25 500 grösstenteils frenetischen Fans im sonst so beschaulichen Allgäu wieder aufzuladen. «Es ist gut, dass Ruhetag ist», meinte Geiger. Sein Zimmerkollege Eisenbichler verriet: «Ich werde erstmal gemütlich in die Sauna gehen und runterschalten.»

    Danach will der 28-Jährige seinem Kumpel beim Projekt Kobayashi schlagen helfen. «Ich werde den Karl unterstützen, dass alles funktioniert», sagte «Eisei», der bei der vergangenen Tournee selbst der grösste Widersacher des japanischen Ausnahmespringers war und nun als Elfter des ersten Springens der zweitbeste Deutsche ist. Der emotionale Bayer formulierte quasi stellvertretend für seinen eher ruhigen Freund die Ansage an Kobayashi: «Er braucht sich keinen Fehler zu erlauben, dann kommt der Karl», sagte Eisenbichler.

    Ob Kobayashi das beeindruckt, ist fraglich. Schon 2018/19 liess er sich vom Tournee-Hype nicht verunsichern und triumphierte auf allen vier Schanzen. Siegt er auch an Neujahr in Garmisch, ist er der erste Springer überhaupt, der sechs Wettkämpfe bei dem Traditionsevent in Serie gewinnt. Zudem würde er nach Weltcup-Siegen mit dem bisher erfolgreichsten Japaner - Skisprung-Legende Noriaki Kasai - gleichziehen. «Er ist wirklich ein cooler Hund und zeigt im Wettkampf aussergewöhnliche Sprünge», urteilte Horngacher.

    Dass Geiger für die Rolle des Herausforderers am ehesten infrage kommt, liegt auch daran, dass sich der Oberstdorfer im Vergleich zum vergangenen Jahr weiterentwickelt hat. Schon damals war er vor dem Tournee-Start in seinem Skisprung-Wohnzimmer Schattenbergschanze der grösste Hoffnungsträger im Team des Deutschen Skiverbandes (DSV). Am Ende wurde er Elfter der Gesamtwertung. Dass ihm das noch mal passiert, scheint unwahrscheinlich. Der 26-Jährige kann das Tournee-Drumherum, das Spektakel inzwischen besser ausblenden.

    «Das habe ich mir ziemlich hart aneignen müssen», sagte er und verwies auf die schmerzhaften Erfahrungen bei der vorherigen Tournee. «Da lernt man draus, das prägt einen.» Geiger ist selbstbewusster geworden, auch wenn er auf grosse Sprüche noch immer verzichtet. «Seine Sprünge waren erste Sahne, waren brutales Niveau», meinte er über Kobayashis Performance. «Aber auch er zaubert nicht.» Den Japaner zu schlagen - das scheint trotz Rekord-Chance nicht mehr so unmöglich. Vielleicht sogar schon in Garmisch?

    Dort landete Geiger im vergangenen Jahr nur auf Rang 19. «Angeblich hat er eine nicht so gute Beziehung, aber seit dem letzten Training hat er Freundschaft geschlossen», beschrieb Horngacher Geigers Verhältnis zur Grossen Olympiaschanze. «Für Karl ist es egal, welche Schanze. Er hat eine stabile, gute Technik.» Geiger und die Tournee - in den vergangenen Jahren passte das noch nicht so richtig zusammen. «Ich bin noch nie wirklich zufrieden von der Tournee weggefahren», befand er selbst. Das soll diesmal anders werden.

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