Zürcher Stadtrat Glättli will Klimaanlagen für heisse Schulzimmer
Der neue Stadtzürcher Schulvorsteher Balthasar Glättli (Grüne) will in besonders heissen Schulzimmern auch Klimaanlagen einbauen lassen. Nach dem Hitzesommer 2026 sollen mindestens 20 Prozent der heissesten Orte abgekühlt werden.

Im Vordergrund stehen jedoch Beschattung, optimierte Kühlung und Gebäudetechnik, wie das Schul- und Sportdepartement am Mittwoch mitteilte. Klimaanlagen soll es auch geben, aber nur wo dies aus Sicht der Stadt sinnvoll ist.
Bei einer ersten Auswertung zeigte sich teilweise offenbar Erstaunliches. «Ein Drittel der Züri-Pavillons sind eigentlich mit Wärmepumpen mit Kühlfunktion ausgerüstet. Das hat aber anscheinend niemand gewusst», sagte Glättli am Mittwoch in einem gekühlten Pavillon vor den Medien. Er habe eben etwas insistieren müssen bei der Suche nach Lösungen.
Er geht davon aus, dass ein Hitzesommer wie in diesem Jahr in 10 bis 15 Jahren ein durchschnittlicher Sommer sein wird. Es besteht also Handlungsbedarf. Die Stadt Zürich wolle bei den Klimazielen «Avant-Garde» bleiben, doch wenn sich die Umstände nicht verbessern würden, «müssen wir uns der Realität anpassen». Lösungen brauche es rasch, bis beispielsweise Bäume genug Schatten spenden, dauere es.
Besonders belastete Räume sollen nun identifiziert werden, die ersten Massnahmen bis im kommenden Sommer umgesetzt sein. Wo es nicht anders geht, sollen auch Klimaanlagen eingebaut werden. «Klimaananlagen sind nicht tabu, aber auch nicht immer die beste Lösung.» Bei den Pavillons, den eigentlich provisorischen Schulgebäuden, könnten jährlich sieben bis acht mit Kühlfunktion nachgerüstet werden, sagte Glättli.
Daten sammeln für Chancengerechtigkeit
Glättli ist seit 120 Tagen im Amt und erklärte, er habe bisher vor allem Gespräche mit den Mitarbeitenden und weiteren Akteuren geführt. «Ich wollte die Menschen an der Front spüren, das bringt mir Energie», sagte er.
Nun sollen konkrete Schritte folgen. Neben Hitzemassnahmen in der Schule definierte Glättli drei weitere Felder. Bei der Chancengleichheit sieht er grosses Potenzial bei den Daten der Schülerinnen und Schüler. Viele würden schon heute gesammelt, aber nicht genutzt.
«Wir wollen es nicht wie in China machen, niemand soll Angst haben, ein transparenter Schüler zu sein», beschwichtigte der Schulvorsteher. Aber anhand anonymisierter Daten möchte er etwa herausfinden, welche äusseren Umstände den Kindern bessere Chancen ermöglichen. Ab November soll der Versuch starten, auch im Dialog mit Datenschützern oder der Wissenschaft.
Grosses Interesse an Fussball – wenig Platz
Im Sport sieht Glättli längere Öffnungszeiten der Badis Oberer Letten und Allenmoos vor. Das ist auch ein Auftrag aus dem Parlament. Die beiden Badis sollen in den warmen Monaten statt um 9 um 7 Uhr öffnen. «Wir können sie nur dann öffnen, wenn wir Personal haben. Wir tragen dort die Verantwortung, auf eigene Gefahr dürfen wir niemanden reinlassen», sagte Glättli.
14 Millionen Franken stehen noch für Angebote für Mädchen und Frauen im Sport zur Verfügung. Der frühere Nationalrat sprach etwa davon, den Mädchen Vorbilder näher zu bringen. Die Fussball-Euro der Frauen habe einiges ausgelöst, den Schwung wolle die Stadt nutzen.
Die Popularität des Fussballs bringt aber auch Probleme. Schwierig wird es bei den Fussballplätzen. «Seit 2011 wurde in der Stadt Zürich kein neues Rasenfeld mehr erstellt», hielt Glättli fest. Seine Vorgänger hätten es dennoch geschafft, die Kapazität um 80 Prozent zu steigern – dank Kunstrasen und Beleuchtung.
«Aber wir stossen an Grenzen, die Wartelisten sind riesig. Die Plätze können nicht rund um die Uhr genutzt werden.» Neue Rasensportplätze könne er derzeit noch nicht versprechen.
Digital soll schliesslich die Infrastruktur besser werden. Ab 2029 erhalten alle Schülerinnen und Schüler ab der 3. Klasse ein digitales Leihgerät. Ab 2031 stehen zudem 2500 digitale Wandtafeln zur Verfügung.






