Susann Helbling (SP): «Schmerikon bremst sich selbst»

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Die St. Galler SP-Kantonsrätin Susann Helbling äussert sich im Gastbeitrag zur Buslinie 636 und dem negativen Entscheid des Gemeinderates von Schmerikon.

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Die St. Galler Kantonsrätin Susann Helbling (SP). - zVg

Der Entscheid des Gemeinderates von Schmerikon vom 17. März 2026, die Verlängerung der Postautolinie 636 ins Industriegebiet Buech abzulehnen, ist unverständlich – verkehrspolitisch, ökologisch und wirtschaftlich.

In der Region Zürichsee-Linth, die sich als zusammenhängender Wirtschafts- und Lebensraum versteht, ist es verkehrt, in engen Gemeindegrenzen zu denken. Mobilität, Arbeitsplätze und Siedlungsentwicklung sind längst verflochten.

Wer dieses Wissen als Behördenmitglied nicht anwendet, bremst nicht nur eine einzelne Buslinie, sondern die Entwicklung einer ganzen Region.

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Studien zeigen klar: Jeder Ausbau des ÖV reduziert das Verkehrsaufkommen auf der Strasse, so Helbling. (Symbolbild) - keystone

Die Argumentation des Gemeinderates, ein zusätzliches Postauto behindere den Verkehrsfluss, ist absurd. Die Linie verkehrt bereits heute zwischen Kaltbrunn und Schmerikon. Die geplante Erweiterung betrifft lediglich wenige zusätzliche Fahrten zu Spitzenzeiten und generiert keine weitere Haltestelle.

Wer sich an sechs Fahrten eines Buses stört, sollte sich ernsthaft fragen, ob nicht gerade der Umstieg auf den öffentlichen Verkehr Teil der Lösung wäre.

Besonders stossend ist die finanzielle Argumentation. Für einen jährlichen Beitrag von rund 11'000 Franken hätte Schmerikon die Chance, ein nahezu kostendeckendes Angebot zu realisieren – während Nachbargemeinden einen deutlich höheren Anteil tragen. Ein solches Kosten-Nutzen-Verhältnis ist in der Verkehrspolitik selten.

Personen aus Schmerikon und Uznach pendeln jetzt schon ins Industriequartier Buech

Die Kritik, die «geringen Verbesserungen beim Angebot ständen nicht im Verhältnis zum Nutzen», überzeugt nicht. Die Datenlage des AöV bestätigt, dass viele Arbeitnehmende im Buech aus Uznach und Schmerikon pendeln. Dies ist bis heute mit langen Reisezeiten und umständlichem Umsteigen verbunden.

Studien zeigen klar: Jeder Ausbau des ÖV reduziert das Verkehrsaufkommen auf der Strasse. Eine Verlängerung der Linie 636 würde das Seedorf entlasten und die Erreichbarkeit des Industriegebiets für Arbeitnehmende aus den umliegenden Gemeinden deutlich verbessern.

Bist du oft mit dem Postauto unterwegs?

Regionale Herausforderungen verlangen regionale Lösungen – und das Können, über die eigene Gemeinde hinauszublicken.

Der jetzige Entscheid verhindert nicht nur einen unmittelbaren Mehrwert für die Bevölkerung von Schmerikon und Uznach. Er schwächt auch die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region See-Gaster.

Gerade von einer mehrheitlich bürgerlichen Exekutive dürfte man erwarten, dass sie wirtschaftliche Chancen erkennt und nutzt, statt sie aus kurzsichtigen und eigenen ideologischen Überlegungen zu blockieren.

Ich fordere deshalb die Gemeinden der Region Zürichsee-Linth auf, gemeinsam mit dem Gemeinderat von Schmerikon das Gespräch zu suchen und diesen Entscheid zu überdenken.

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Susann Helbling ist St. Galler Kantonsrätin und Präsidentin SP Rapperswil-Jona.

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