St. Gallen eröffnet «Schlüsselprojekt der Velovorzugsroute»

Marino Walser
Marino Walser

Stadt St. Gallen,

Die Stadt St. Gallen hat die unterirdische Fuss- und Veloverbindung Beginenweg eröffnet. Stadtrat Markus Buschor freute sich wohl am meisten darüber.

Stadt St. Gallen Velo
Seit Donnerstag ist die Unterführung Beginenweg für Passantinnen und Passanten zur Nutzung offen. - Marino Walser

«Und nun bitte ich die Herren vom Tiefbauamt: Öffnet die Unterführung und gebt sie für Fussgängerinnen und Fussgänger sowie Velofahrende frei. Ich kann es selbst kaum erwarten, mit meinem Fahrrad hier durchzufahren», sagte Stadtrat Markus Buschor am Donnerstagmittag um 11.45 Uhr.

Hintergrund dieser Aufforderung: Die Stadt lud Medienschaffende zur Eröffnung der neuen Unterführung zwischen LOK-Remise und Reithalle Kreuzbleiche. Nach zwei Jahren Bauzeit konnte der 130 Meter lange Tunnel eröffnet werden.

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Beat Rietmann, Leiter Tiefbauamt/Stadtingenieur, Stadtrat Markus Buschor und Tobias Winiger, Leiter Aggloprogramm, eröffneten zusammen den Beginenweg. - Stadt St. Gallen

Die neue Verbindung führt unter der St. Leonhard-Strasse hindurch. Sie verbindet die Quartiere beidseits der viel befahrenen Verkehrsachse. Fussgängerinnen und Fussgänger sowie Velofahrende können die Strasse künftig ohne Ampeln und ohne Unterbruch «dafür auf viel sicherere Art und Weise queren», wie Buschor weiter festhielt.

Die St. Leonhard-Strasse zählt zu den meistbefahrenen Strassen der Stadt. Täglich passieren rund 24'300 Fahrzeuge die Strecke. Wer zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs war musste bisher Wartezeiten von oft mehr als zwei Minuten in Kauf nehmen.

Die Querung der Strasse erfolgte in mehreren Etappen. Buschor: «Mit der Eröffnung der Unterführung nimmt ein Schlüsselprojekt der Velovorzugsroute seinen Betrieb auf.»

Die neue Unterführung ist Teil der St. Galler Velovorzugsroute. Die Stadt baut damit ein Netz aus direkten und möglichst sicheren Verbindungen für den Veloverkehr auf. Die Routen führen wenn möglich über verkehrsberuhigte Strassen und separate Wege. Die Querung der St. Leonhard-Strasse galt bislang als eine der Lücken in diesem Netz.

Bist du gerne mit dem Velo unterwegs?

Die neue Unterführung ist 130 Meter lang, 5,5 Meter breit und 2,8 Meter hoch. Der Veloweg misst 3,5 Meter, der Fussweg zwei Meter. Beide Bereiche sind baulich voneinander getrennt.

«Tageslichtöffnungen und eine LED-Beleuchtung sorgen für Helligkeit. Gerade das Licht in der Unterführung war der Stadt ein wichtiges Anliegen», sagt Stadtingenieur Beat Rietmann. Ein Lift am westlichen Zugang ermöglicht eine hindernisfreie Nutzung.

Der Bau erfolgte unter laufendem Verkehr. Die Arbeiten begannen im April 2024. Spurverschiebungen, Hilfsbrücken und Nachtarbeiten waren notwendig, damit die St. Leonhard-Strasse während der Bauzeit befahrbar blieb, so Rietmann weiter. Gleichzeitig wurden Werkleitungen für Fernwärme und Kanalisation verlegt.

10-Millionen-Loch

Obwohl die Unterführung laut den anwesenden Personen der Stadt eigentlich nur Vorteile mit sich bringt, gab es auch kritische Stimmen in der Stadt. So war oft von einem «10-Millionen-Loch» die Rede.

Buschor hatte an der Eröffnung auch einen Zwischensatz für jene übrig, welche der Unterführung nicht so positiv gegenüberstanden wie der Stadtrat selbst: An die Kritiker oder Neider. Es ist keine Geldverschwendung. Die Kosten trugen mehrheitlich der Kanton und der Bund.

Genauer: Die Gesamtkosten belaufen sich bei der unterirdischen Fuss- und Veloverbindung auf 9,9 Millionen Franken. Der Bund beteiligte sich über das Agglomerationsprogramm mit 1,2 Millionen Franken. Der Kanton St. Gallen übernahm 5,8 Millionen Franken. Die Stadt St. Gallen finanzierte 2,9 Millionen Franken.

Bis zu 700 Velofahrende pro Tag

Und geht es nach der Stadt, dann haben sich die Ausgaben für die Unterführung gelohnt. Denn die sichere, einfache Verbindung zwischen Kreuzbleiche und Bahnhof werde, so die Stadt, in Zukunft noch mehr genutzt werden.

«Bis 2040 soll die Zahl der Velofahrten von heute rund 350 auf etwa 700 pro Tag steigen», heisst es in der Dokumentation über den Beginenweg. «Beim Fussverkehr wird mit einem Anstieg von 1700 auf rund 2100 Personen täglich gerechnet.»

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Tashi (38) aus St. Gallen war der erste 
offizielle Velofahrer, der die Unterführung passierte. - Marino Walser

Dass das Interesse über die neue Unterführung vorhanden ist, zeigte sich schnell. Nur Sekunden nachdem die Mitarbeiter des Tiefbauamts die Unterführung für den Verkehr öffneten, nutzte der 38-jährige Tashi die Unterführung mit seinem Velo.

Bei der Lokremise angekommen meinte er: «Ich bin oft mit dem Velo unterwegs. Die Unterführung ist einfach toll. Es geht viel schneller, es ist viel einfacher und: Es ist um ein Vielfaches sicherer.»

Für den 38-Jährigen ist klar: Die neue Unterführung ist ein Mehrwert für die Stadt. «Ich werde sie nun jeden Tag nutzen!»

Übrigens: Die Unterführung trägt den Namen Beginenweg, weil er an die Beginen von St. Leonhard erinnern soll. Die Frauengemeinschaft lebte seit dem 13. Jahrhundert in der Nähe der damaligen Leonhardskirche. Zeitweise gehörten ihr rund 60 Frauen an.

Sie führten ein selbstbestimmtes Leben ausserhalb eines Ordens und verdienten ihren Lebensunterhalt unter anderem mit der Herstellung von Leinwand. Mit dem Tod der letzten Schwester im Jahr 1576 verschwand die Gemeinschaft aus St. Gallen.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.

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