Rümlang ZH: Schulhausprojekt auf Kurs – Provisorium bleibt dennoch
Die Pläne für ein neues Sekundarschulhaus in Rümlang sind nicht vom Tisch – während das Schulprovisorium jedoch bis mindestens 2032 bestehen bleibt.

Ende November letzten Jahres präsentierte die Gemeinde Rümlang der Bevölkerung einen Masterplan, der Investitionen von rund 110 Millionen Franken in Schul- und Sportanlagen vorsah. Geplant waren unter anderem ein neues Sekundarschulhaus, die Sanierung des Primarschulareals Worbiger sowie eine neue Mehrzweckhalle im Heuel.
Doch die ambitionierten Pläne gerieten ins Stocken: Kritik an den hohen Kosten, offene Fragen bei der Sportplanung und Widerstand aus den Vereinen führten dazu, dass die Abstimmungen über erste Wettbewerbskredite verschoben wurden. Gleichzeitig machte der anhaltende Schulraumbedarf Übergangslösungen notwendig. Die neue Sekundarschulpflege Rümlang-Oberglatt unter Präsident Rico Largiadèr hat die Grundlagen für das Projekt weiterbearbeitet.
«Die vergangenen Monate wurden genutzt, um wichtige Grundlagen für die weitere Projektentwicklung zu schaffen», sagt er. Vor allem bei der Grundstücks- und Baurechtsfrage habe man «bedeutende Fortschritte erzielt». Gleichzeitig seien die Projektorganisation überprüft und die nächsten Schritte vorbereitet worden.
«Für die neue Schulpflege ist entscheidend, dass das Projekt auf einer soliden fachlichen, rechtlichen und finanziellen Grundlage weitergeführt wird. Nur so können wir gegenüber der Bevölkerung verantwortungsvoll handeln.» Wann die Stimmberechtigten über den eigentlichen Neubau abstimmen werden, bleibt jedoch offen.
«Zum heutigen Zeitpunkt wäre es nicht seriös, bereits ein konkretes Datum für eine Abstimmung über den eigentlichen Schulhausneubau in Rümlang zu nennen», betont Largiadèr. Zunächst müsse der Baurechtsvertrag zwischen der Sekundarschulgemeinde und der politischen Gemeinde Rümlang abgeschlossen werden.
Dieser soll noch in diesem Jahr an der Schulgemeindeversammlung vom 9. Dezember den Stimmberechtigten vorgelegt werden. Erst danach könnten Architekturwettbewerb, Bauherrenvertretung und weitere Kreditvorlagen ausgelöst werden. «Mit der vorgesehenen Behandlung des Baurechtsvertrags im Dezember erreichen wir einen wichtigen Meilenstein.»
Provisorium bleibt notwendig
Neben dem Neubau in Rümlang ist auch ein Erweiterungsbau beim Chliriet in Oberglatt geplant. Während die langfristige Lösung weiter vorbereitet wird, bleibt das Provisorium auf dem Schulareal Chliriet unverzichtbar. Über 100 Jugendliche werden dort noch mehrere Jahre unterrichtet.

Für Largiadèr ist dies derzeit alternativlos: «Die steigenden Schülerzahlen machen zusätzlichen Schulraum bereits heute erforderlich. Gleichzeitig benötigt die Planung und Realisierung eines neuen Schulhauses mehrere Jahre.»
Das Provisorium ermögliche es, den notwendigen Schulraum rechtzeitig bereitzustellen und den Unterricht sicherzustellen. «Die Schulpflege betrachtet das Provisorium daher als notwendige Übergangslösung, nicht als Dauerzustand.»
Dass ein Modulbau ein modernes Schulhaus nicht vollständig ersetzen kann, räumt der Schulpflegepräsident ein. «Die räumlichen Möglichkeiten sind begrenzter und gewisse Angebote lassen sich nicht in der gleichen Qualität umsetzen.» Gleichzeitig sei die Qualität einer Schule aber nicht allein von den Gebäuden abhängig. Entscheidend seien engagierte Lehrpersonen, eine starke Schulleitung, ein positives Schulklima und zeitgemässe pädagogische Konzepte.
Deshalb investiere die Schulpflege gezielt in die Unterrichtsqualität und die Optimierung der bestehenden Infrastruktur. Auch wirtschaftlich sieht die Schulpflege den Neubau langfristig im Vorteil. «Grundsätzlich sind dauerhaft genutzte Schulbauten langfristig wirtschaftlicher als Provisorien», sagt Largiadèr.
Dennoch dürfe man wegen der rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen nichts überstürzen. «Wir wollen weder unnötig Zeit verlieren noch unnötige Risiken eingehen.» Um die Kosten der Übergangslösung zu begrenzen, haben die Stimmberechtigten im Juni einem Verpflichtungskredit für den Kauf des bestehenden Provisoriums zugestimmt.
Dadurch entstehe mehr Planungssicherheit als bei einer langfristigen Mietlösung. Am grundsätzlichen Bedarf an zusätzlichem Schulraum hat sich laut Largiadèr nichts geändert. Die Schülerzahlen entwickelten sich weiterhin auf einem Niveau, das zusätzliche Kapazitäten erforderlich mache.
Zwar werde die Schulraumplanung laufend überprüft und an neue Erkenntnisse sowie finanzielle Rahmenbedingungen angepasst – der Handlungsbedarf bleibe jedoch bestehen. Auch die Kritik aus Politik und Bevölkerung an den hohen Kosten nehme die Schulpflege ernst. «Gerade bei Investitionen dieser Grössenordnung ist eine kritische Diskussion wichtig und notwendig.»
Kostenbewusstsein dürfe jedoch nicht mit kurzfristigem Sparen verwechselt werden. Schulbauten würden für mehrere Generationen erstellt und müssten deshalb pädagogisch sinnvoll, funktional, nachhaltig und wirtschaftlich zugleich sein. Parallel dazu stimmt sich die Schulpflege nach eigenen Angaben konstruktiv und sachorientiert mit den Gemeinderäten von Rümlang und Oberglatt ab. Weil Schul-, Sport- und Infrastrukturprojekte eng miteinander verknüpft seien, finde ein regelmässiger Austausch statt.
Ziel sei es, tragfähige Lösungen zu entwickeln, welche die Interessen der Schülerinnen und Schüler ebenso wie jene der Steuerzahlenden berücksichtigen. Für die kommenden Monate kündigt Largiadèr weitere politische Entscheide rund um den Baurechtsvertrag, den Aufbau einer professionellen Projektorganisation und die Vergabe der fachlichen Begleitung an.
«Wir werden die Bevölkerung über wichtige Etappen und Entscheidungen transparent informieren.» Sein Blick richtet sich dabei auf das eigentliche Ziel: «Bei allen Diskussionen über Termine, Verfahren und Kosten dürfen wir nie vergessen, worum es letztlich geht: um die Jugendlichen in Rümlang und Oberglatt.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Rümlanger» erschienen.








