Rothenbühler: «Freiwilliges Engagement immer stärker unter Druck»
Stefan Rothenbühler, Co-Präsident der SP Unterägeri, schreibt in seinem Gastbeitrag über die Freiwilligenarbeit. Diese gerate immer stärker unter Druck.

Der 4. Oktober 2026 scheint noch weit entfernt. In der politischen Zeitrechnung ist dieses Datum jedoch bereits sehr nah: An diesem Tag finden im Kanton Zug die Gesamterneuerungswahlen statt – vom Regierungsrat über den Kantonsrat bis zu den Gemeinderäten.
Bei den Parteien laufen die Vorbereitungen längst. Die Findungskommissionen sind aktiv. Doch ihre Arbeit wird zunehmend schwieriger. Denn wir steuern auf ein strukturelles Problem zu, das weit über die Politik hinausgeht: Freiwilliges Engagement gerät immer stärker unter Druck.
Ob in Vereinen, bei der Feuerwehr, in sozialen oder kulturellen Organisationen – überall fehlen Menschen, die Zeit und Verantwortung übernehmen können.
Ein Blick auf den Freiwilligenmonitor 2025 offenbart: Der Hauptgrund ist selten mangelnder Wille, sondern fehlende Ressourcen. Familien- und Care-Arbeit beanspruchen immer mehr Zeit, ebenso die Anforderungen im Beruf. Arbeitszeiten, hohe Erwartungen und zunehmender Leistungsdruck lassen wenig Spielraum.
Wer sich zusätzlich engagieren möchte, tut dies oft an der Grenze der Belastbarkeit. Hinzu kommt, dass viele Formen freiwilliger Arbeit schlecht oder gar nicht entschädigt werden.
Für Menschen mit tiefem oder mittlerem Einkommen ist Engagement damit nicht nur eine Frage der Zeit, sondern auch der finanziellen Möglichkeiten. Diese Realität betrifft breite Teile der Gesellschaft. Engagement wird zur Luxusfrage – obwohl es eigentlich das Fundament unseres Gemeinwesens bildet.
Ohne freiwillige Arbeit funktionieren weder Gemeinden noch Vereine, weder Institutionen noch das soziale Miteinander.
Gerade deshalb verdienen all jene besondere Anerkennung, die sich trotzdem engagieren. Sie organisieren ihren Alltag neu, verzichten auf Freizeit, übernehmen Verantwortung und halten unsere Gemeinschaft zusammen – oft im Stillen und ohne grosse Sichtbarkeit.
Zum Autor
Stefan Rothenbühler (*1983) ist Co-Präsident der SP Unterägeri.
Wenn wir auf den Herbst 2026 und darüber hinaus blicken, sollten wir diese Leistung stärker würdigen. Freiwilliges Engagement ist keine Selbstverständlichkeit. Es braucht Zeit, Kraft und oft auch finanzielle Opfer.
Wer es leistet, verdient Respekt, Anerkennung und bessere Rahmenbedingungen. Nur so bleibt unser Gemeinwesen lebendig und tragfähig.
Hinweis
Dieser Gastbeitrag ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.






