Die Stadt Thun erhält Mitte Juni ihre erste Stadtpräsidentin
Eines ist schon vor den Wahlen klar: die Stadt Thun erhält Mitte Juni erstmals eine Stadtpräsidentin. Wie sie heissen wird, ist hingegen noch offen. Zur Wahl stehen die drei Gemeinderätinnen Katharina Ali-Oesch (SP), Eveline Salzmann (SVP) und Andrea de Meuron (Grüne).

De Meuron nahm bereits 2022 Mass fürs Stadtpräsidium, musste sich aber dem damals zur Wiederwahl antretenden Raphael Lanz (SVP) beugen. Für ihre beiden Gemeinderatskolleginnen Katharina Ali-Oesch und Eveline Salzmann ist es der erste Anlauf.
Der bisherige und langjährige Stadtpräsident, Raphael Lanz, schaffte im März den Sprung in die Berner Kantonsregierung. Aus diesem Grund findet am 14. Juni in Thun überhaupt eine Ersatzwahl statt. Oder besser gesagt zwei Ersatzwahlen, denn Lanz muss einerseits als Gemeinderat und anderseits als Stadtpräsident ersetzt werden.
Fürs Stadtpräsidium kandidieren die drei amtierenden Gemeinderätinnen. Die Juristin Salzmann gehört der Stadtregierung seit Anfang 2023 an. Sie steht der Abteilung Sicherheit und Soziales vor.
Die Lehrerin Katharina Ali-Oesch ist seit 2022 Gemeinderätin und bekleidet aktuell das Amt der Vizestadtpräsidentin. Sie steht der Direktion für Bildung, Sport und Kultur vor.
Am längsten gehört Andrea de Meuron der Stadtregierung an, nämlich seit 2019. Sie leitet die Direktion für Finanzen, Ressourcen und Umwelt. De Meuron ist seit Neustem auch designierte Nationalrätin. Sie rutscht für die in den Regierungsrat gewählte Aline Trede in die Grosse Kammer nach.
Mit drei Frauenkandidaturen ist klar, dass Thun im Juni erstmals in seiner Geschichte eine Stadtpräsidentin erhält. Das Stadtparlament hat bereits eine Frau an der Spitze, es wird aktuell von Alice Kropf (SP) präsidiert.
In der Vergangenheit versuchte Nationalrätin Ursula Haller es mit einer Kandidatur fürs Stadtpräsidium, allerdings ohne Erfolg. Nachdem sie 2010 im ersten Wahlgang deutlich hinter Konkurrent Raphael Lanz zurückgeblieben war, strich sie die Segel.
Auch wenn Thun erst im Jahr 2026 eine Stadtpräsidentin erhält, so spielte dennoch eine Frau viel früher eine entscheidende Rolle in der Stadtgeschichte: vor über 760 Jahren verlieh Gräfin Elisabeth von Kyburg Thun die Stadtrechte und sorgte so offiziell für die Gründung.
Zurück in die Neuzeit: Für Lanz' Sitz im Gemeinderat kandidieren im Juni drei junge Politikerinnen und Politiker. Für die Grünen tritt die Grafikerin Simone Rosser an, für die SP Pflegefachmann und Dozent Claudius Domeyer und für die SVP Stadtrat Valentin Borter. Der Altersdurchschnitt des Trios liegt bei 34 Jahren.
Allfällige zweite Wahlgänge finden am 5. Juli statt. Die Stadtpräsidiumswahl erfolgt im Majorzverfahren. Bei Ersatzwahlen für den Gemeinderat gilt ebenfalls das Mehrheitswahlsystem.
Wer auch immer im Sommer gewählt wird, dem steht ein paar Monate später gleich die Bestätigungswahl ins Haus. Ende November finden in Thun die vierjährlichen Gesamterneuerungswahlen von Stadtregierung und -parlament statt.
Diese Wahlen können die Ergebnisse vom Sommer allenfalls bereits wieder Makulatur werden lassen. Denn bei den ordentlichen Gesamterneuerungswahlen wird nur das Stadtpräsidium im Majorzsystem gewählt, der Gemeinderat hingegen im Proporzsystem.






