Beschleunigt KI bald Zürcher Baugesuche?
Komplexe Bewilligungsgesuche verzögern den Wohnungsbau in Zürich. Künstliche Intelligenz könnte Baugesuche beschleunigen.

Noch nie sind in der Stadt Zürich durch Umbauten und Aufstockungen so viele Wohnungen entstanden wie im vergangenen Jahr: Insgesamt 547.
Trotz zahlreicher Abbrüche ist der Wohnungsbestand gewachsen. Mit 2977 Neubauwohnungen wurde 2025 zudem ein Rekord erreicht.
Letztes Jahr behandelte das Amt für Baubewilligungen 4200 Baugesuche und Meldeverfahren.
Das Zürcher Hochbaudepartement teilt auf Anfrage mit, dass die steigende Komplexität für Gesuchstellende eine grosse Herausforderung darstelle. Die Folge seien unvollständige und fehlerhafte Baueingaben, was die Bewilligungsverfahren verlängere.
«Dadurch entsteht Wohnraum langsamer, die Wohnungsknappheit akzentuiert sich», sagt FDP-Politiker Emanuel Tschannen.

Der Zürcher FDP-Gemeinderat Alex Guggenheim verweist auf einen Fall aus seinem Berufsalltag als Immobilienbewirtschafter: Ein Kunde habe ein Jahr auf den Bauentscheid für einen Ersatzneubau gewartet.

Stockende Projekte als Auslöser
Deshalb fordert die FDP vom Stadtrat die Prüfung einer digitalen Plattform zur automatisierten Vorprüfung von Baugesuchen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz könnten Projekte bereits vor der Einreichung auf die Einhaltung der Vorschriften geprüft und Gesuchstellende auf fehlende Unterlagen oder notwendige Anpassungen hingewiesen werden.
Auslöser der politischen Debatte sind immer wieder stockende Projekte. So stoppte das Baurekursgericht vorerst den geplanten Umbau des historischen Rathauses an der Limmat wegen eines Rekurses des Stadtzürcher Heimatschutzes.
Auch unvollständige Gesuche verzögern Bauvorhaben: Das Baugesuch für den Erweiterungsbau des Schulhauses Riedhof in Höngg musste zurückgezogen und neu aufgelegt werden, weil eine formelle Schutzabklärung fehlte.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.
Entwicklung nutzen
In Zürich wird gegen rund 70 Prozent der Baugesuche Einsprache erhoben. «Bauprojekte werden dadurch verteuert und verzögert, Investitionen erschwert und dringend benötigter Wohnraum jahrelang blockiert», sagt Matthias Engel vom Schweizerischen Baumeisterverband mit Sitz in Zürich.
Seit einem Bundesgerichtsentscheid von 2011 könne beinahe jede Person Einsprache erheben – oft ohne direkte Betroffenheit und ohne legitimen Grund. «Diese Entwicklung muss korrigiert werden. Es sollte wieder gelten, dass Einsprechende nur Bewohner oder Eigentümer im Umkreis von 100 Metern des Bauprojekts sein dürfen. Sie sollten ausserdem selbst nachweisen müssen, dass ihr persönliches schutzwürdiges Interesse betroffen ist.»
Der Baumeisterverband fordert deshalb schnellere Planungs- und Bewilligungsverfahren, eine Einschränkung missbräuchlicher Rekurse sowie eine konsequente Digitalisierung und Automatisierung der Verfahren.
Emanuel Tschannen sieht darin Potenzial. Zürich habe sich als Technologiestandort und Smart City positioniert und solle diese Entwicklung nutzen, um Prozesse effizienter zu gestalten. «Anfängerfehler in Baugesuchen sind häufig, oft sind Bauherrschaften die Komplexität der Verfahren nicht bewusst. Künstliche Intelligenz könnte hier einen qualitativen Fortschritt bringen», ist er überzeugt.
Unvollständige Gesuche gehören zu den häufigsten Ursachen für Verzögerungen oder Ablehnungen.
Die Stadt hat auf ihrer Website Erklärvideos sowie FAQs und Wegleitungen veröffentlicht, um die Baueingabe zu erleichtern.








