Sunak wählt die Allzweckwaffe: Shapps wird Verteidigungsminister

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    Grossbritannien,

    Grant Shapps wird neuer Verteidigungsminister in Grossbritannien. Diese Wahl wird teilweise als kritisch gesehen. Shapps gilt als «Mädchen für alles».

    Nach dem Rücktritt des britischen Verteidigungsministers Wallace übernimmt der bisherige Energieminister Grant Shapps den Posten. Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa
    Nach dem Rücktritt des britischen Verteidigungsministers Wallace übernimmt der bisherige Energieminister Grant Shapps den Posten. Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa - sda - Keystone/PA Wire/Stefan Rousseau

    Premierminister Rishi Sunak hat sich für die Allzweckwaffe entschieden: Grant Shapps folgt als britischer Verteidigungsminister auf Ben Wallace. Der 54-Jährige dürfte damit zum neuen Gesicht der britischen Ukraine-Hilfen werden. Doch die Wahl des bisherigen Energieministers löst in den Reihen seiner Konservativen Partei durchaus Stirnrunzeln aus.

    Denn Shapps gilt vor allem als «Mädchen für alles» der Tories, der immer vor die Kameras geschickt wird, wenn ein neuer Brandherd ausgetreten werden muss.

    Grant Shapps: Fünf Kabinettsposten unter drei Premierministern

    Fünf Kabinettsposten unter drei Premierministern sprechen eine deutliche Sprache: Shapps war innerhalb eines Jahres Verkehrs-, Innen-, Wirtschafts-, Energie- und nun Verteidigungsminister. Kritiker sehen in ihm einen «Ja-Sager».

    «Für Verteidigung hätte es jemanden gebraucht, der für das Verteidigungsministerium und dessen Budget kämpft», betonte der einflussreiche konservative Aktivist Tim Montgomerie am Donnerstag auf der Plattform X, früher Twitter.

    «Stattdessen hat Sunak einen Überloyalisten ernannt, der seine Sache in den Medien vertritt. Sehr enttäuschend, aber überhaupt nicht überraschend.» Der Sky-News-Reporter Sam Coates hatte für die Nachfolge des allseits geschätzten Wallace prophezeit: «Ein Loyalist, der nicht viel Geld ausgeben will und gut im TV ist.»

    Verteidigungsminister in Grossbritannien: Experten waren verfügbar

    Verwunderung herrscht auch deshalb, weil Experten durchaus verfügbar gewesen wären. Sicherheits-Staatssekretär Tom Tugendhat wurde ebenso als logische Wahl genannt wie die Verteidigungs-Staatssekretäre James Heappey (Streitkräfte) und Johnny Mercer (Veteranen). Alle drei dienten – im Gegensatz zu Shapps – in der Armee und wurden teilweise mehrmals in Afghanistan eingesetzt. Ex-Generalstabschef Richard Dannatt kritisierte, Shapps wisse «sehr wenig» über Verteidigung.

    Dennoch ernannte Sunak sein Ein-Mann-Spezialkommando für das Ministerium, das seit längerem unter starkem Spardruck steht. Wenige Monate vor Beginn des russischen Angriffskriegs verkündete die britische Regierung Pläne für einen grösseren Stellenabbau bei den Streitkräften und eine Konzentration auf moderne Waffen wie unbemannte Kampfjets. Beobachter warnen, die Armee würde einen Artilleriekrieg wie in der Ukraine nur wenige Wochen durchhalten.

    Grant Shapps kündigt weitere Unterstützung für Ukraine an

    Shapps kündigte nach seiner Ernennung an, die britische Unterstützung für die Ukraine «in ihrem Kampf gegen die barbarische Invasion von (Kremlchef Wladimir) Putin» ungebrochen fortzusetzen. Er war erst vergangene Woche noch als Energieminister in das Land gereist, um dort die Hilfe der britischen Regierung bei der Versorgung der Kernkraftwerke mit angereichertem Uran zu betonen. Als Ressortchefin folgt ihm Claire Coutinho (38), ebenfalls eine Sunak-Loyalistin und bisher Staatssekretärin im Bildungsministerium.

    Der bisherige Verteidigungsminister Wallace hatte seinen Abschied nach vier Jahren im Amt vor einigen Wochen angekündigt, um wieder mehr Zeit für die Familie zu haben. In seinem Abschiedsschreiben an Sunak mahnte er nun, die Streitkräfte weiter zu stärken. «Ich bin fest davon überzeugt, dass die Welt im nächsten Jahrzehnt unsicherer und instabiler werden wird. Wir sind beide davon überzeugt, dass es jetzt an der Zeit ist zu investieren», schrieb Wallace.

    Ben Wallace legt nach vier Jahren Amt nieder

    Er hatte den Posten 2019 unter dem damaligen Premierminister Boris Johnson übernommen und behielt das Amt trotz des Politchaos mit schnell wechselnden Regierungen sowohl unter Liz Truss als auch im aktuellen Kabinett Sunak. Auch das zeigt seine Wertschätzung auf allen Flügeln der Konservativen Partei.

    Zwischenzeitlich war Wallace, der in Umfragen von der Parteibasis wiederholt zum beliebtesten Spitzenpolitiker der Tories gewählt wurde, auch selbst als Kandidat für den Posten des Regierungschefs gehandelt worden. Er lehnte aber mit Verweis auf seine Familie ab. Stattdessen äusserte der 53-Jährige deutlich Ambitionen auf den Posten des Nato-Generalsekretärs. Die Hoffnung, Nachfolger von Jens Stoltenberg zu werden, erfüllte sich aber nicht.

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